21:50 25 Juni 2019
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    Ist der Mensch nur ein Tier im Galaktischen Zoo? – Warum die Aliens schweigen

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    Valentin Raskatov
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    Trotz vieler Nachrichten und Zeichen haben wir bisher keine Antwort von außerirdischen Zivilisationen erhalten, aber das muss nicht heißen, dass es keine gibt. Sie könnten sogar in unmittelbarer Nähe sein und einfach keinen Kontakt zu uns suchen. Weil wir ihnen erscheinen wie uns Tiere in einem Zoo. Eine Hypothese der METI-Forschung.

    Die Suche nach außerirdischen Zivilisationen hat zwei Seiten: Die eine ist ein passiver Lauschangriff auf das Universum, Radioteleskope fassen bestimmte Ausschnitte von Sternensystemen ins Auge und durchforsten das Rauschen des Weltalls auf künstliche Signale hin. Dieser Ansatz nennt sich SETI — „Search for extraterrestrial intelligence“, zu Deutsch: Suche nach außerirdischer Intelligenz. Die andere nennt sich METI („Messaging extraterrestrial intelligence“) und bezeichnet die aktive Aussendung von Nachrichten ins All – in der Hoffnung auf eine Antwort.

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    Die Ergebnisse beider Ansätze sind bislang ernüchternd: Das Weltall schweigt. Heißt das, dass die Menschheit die einzige intelligente Lebensform im Kosmos ist? Oder sind unsere Instrumente noch nicht reif genug? Das sind die beiden Antwortmöglichkeiten, zwischen denen die Fachwelt hin und her pendelt.

    Eines der vielen denkbaren Szenarien zur Erklärung hat das METI-Institut in einer Pressekonferenz im März in Paris und später auch bei einem TEDxGreenville-Gespräch vorgestellt: Wir könnten in einem galaktischen Zoo leben.

    „Eine Zivilisation, die ein bisschen weiter fortgeschritten ist als die unsere, könnte für uns stumm erscheinen, wenn die Bewohner sich nicht gerade dafür entscheiden, uns mit Absicht Signale zukommen zu lassen“, bemerkt METI-Präsident Douglas Vakoch gegenüber Sputnik. Warum sie in diesem „Zoo-Szenario“ keinen Kontakt zu uns aufnehmen wollen, ist so einleuchtend wie frustrierend. Für eine weit höher entwickelte Zivilisation erscheinen Wesen wie Menschen außerordentlich primitiv, vergleichbar mit der Wahrnehmung von Tieren durch uns Menschen.

    Bei der Zoo-Hypothese handelt es sich um eine mögliche Erklärung für das „Fermi-Paradoxon“, das der italienische Physiker Enrico Fermi im Jahr 1950 beschrieben hatte. Die Idee lautet: Das Universum ist mehrere Milliarden Jahre alt. Fortgeschrittene außerirdische Zivilisationen hatten genug Zeit, um interstellare Reisen zu unternehmen – auch mit einem Bruchteil der Lichtgeschwindigkeit. Aber es gibt keinen Hinweis auf einen Besuch auf der Erde. Die Frage, die Fermi stellte, lautet: „Wo sind sie?“

    Die Antwort laut der Zoo-Hypothese: Sie sind da, aber wollen mit uns nicht reden. „Die Zoo-Hypothese bietet eine Erklärung für dieses Schweigen. Die Außerirdischen können da draußen sein, vielleicht sogar auf Planeten naher Sterne, aber sie schauen uns schlichtweg zu, ohne ihre Existenz zu verraten“, meint Vakoch. Wir sind in diesem Szenario nicht nur relativ einfache Tiere in einem Zoo, wir sind auch tatsächlich in einer Art kosmischen Käfig: „Im galaktischen Zoo hält uns unsere eigene beschränkte Technologie. Wir können zwar schon Raumschiffe zu Planeten in unserem Sonnensystem schicken, aber wir haben bislang noch nicht die Möglichkeit, auch nur zum nächsten Sternensystem zu reisen“, erläutert der METI-Präsident das Bild. Derzeit können wir nur auf unsere Signale setzen, die wir immerhin mit Lichtgeschwindigkeit versenden. „Das sind die Werkzeuge, mit denen wir versuchen, die Aufmerksamkeit der kosmischen Zoowärter auf uns zu lenken. So versuchen wir, aus dem galaktischen Zoo auszubrechen“, so Vakoch.

    Interviewpartner Douglas Vakoch
    Interviewpartner Douglas Vakoch

    Die Aufgabe besteht in diesem Szenario darin, sich selbst interessant genug zu machen, damit sich die höher entwickelten Außerirdischen mit uns beschäftigen und die Kommunikation aufnehmen. Auch hier hilft der Zoo-Vergleich: „Wenn wir in den Zoo gehen und eine Herde Gazellen anschauen und plötzlich dreht sich eine Gazelle zu uns um, blickt uns direkt in die Augen und beginnt, eine Abfolge von Zahlen mit der Hufe zu klopfen — ich persönlich würde jetzt nicht gleich zu den Nilpferden weiterziehen“, sagt Vakoch. „Entsprechend müssen wir Menschen uns auch überlegen, wie wir die Aufmerksamkeit unserer kosmischen Zoowächter kriegen. Wir vermuten, dass sie schon wissen, dass es uns gibt, wie wir schon wissen, dass die Gazellen im Zoo sind. Die Herausforderung für uns ist es, eine neue Beziehung zu unseren Zoowärtern aufzubauen, die stark genug ist, damit sie sich mit uns beschäftigen.“ Und hier stelle sich die Frage: „Reicht es, Radiosignale auszusenden, die zeigen, dass wir zählen können? Oder können wir sie ködern, wenn wir ihnen zeigen, dass wir mit dem Periodensystem der Elemente vertraut sind, wie es das METI-Institut im Verlauf dieses Jahres tun wird?“.

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    Vakoch gibt unmissverständlich zu verstehen, dass die Suche weitergehen muss und dass sich das METI-Institut mit keinem Schweigen der Welt begnügen werde: „Wenn wir über lange Zeiträume hinweg keinen Beweis für Leben da draußen erbringen, heißt es nicht, dass es nicht existiert. Es ist immer schwer, den Nicht-Nachweis außerirdischen Lebens zu interpretieren. Heißt das, es gibt nur Leben auf der Erde oder haben wir einfach noch nicht richtig danach gesucht?“

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    Tags:
    Radiowellen, Kontaktaufnahme, extraterrestrische Intelligenz, Galaxis, Kosmos, Kommunikation, Aliens, Außerirdische, Weltall, METI (Messaging extraterrestrial intelligence), SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence), Douglas Vakoch