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20:31 23 Juli 2019
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    Erde (Symbolbild)

    „Drei Erden für Deutsche, fünf für Amis“: Ressourcen im Jahr 2019 bereits erschöpft

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    Wissen
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    Paul Linke
    201155

    Die deutsche Bevölkerung lebt ökologisch gesehen weit über ihre Verhältnisse. Würde die ganze Erdbevölkerung solch eine Umweltbilanz aufweisen, wären am Freitag bereits alle für dieses Jahr nachhaltig zur Verfügung stehenden Ressourcen aufgebraucht. Das zeigt eine theoretische Rechnung der Umweltorganisation „Germanwatch“.

    „Germanwatch“ und andere Umweltorganisationen haben auch in diesem Jahr den sogenannten Deutschen Erdüberlastungstag errechnet. Dabei soll es sich um den Tag handeln, an dem wir die natürlichen Ressourcen, die innerhalb eines Jahres nachwachsen können, aufgebraucht haben. „Das heißt, wir haben so viel Acker-, Weideland, CO2-Emissionen usw. verbraucht, wie die Erde in einem Jahr aufnehmen und regenerieren kann. Das bedeutet für uns, dass wir nach einem Drittel mit dem Budget für ein Jahr durch sind. Wir nehmen die Ressourcen der Zukunft, um die heutige Wirtschaft zu füttern“, erklärt die Pressereferentin der Organisation, Julia Otten, im Sputnik-Interview.

    Die Bundesrepublik soll bei den Berechnungen schlecht abgeschnitten haben: Mit ihrem Pro-Kopf-Verbrauch und ihren Emissionen liege Deutschland im obersten Viertel weltweit. Insbesondere der CO2-Fußabdruck sei sehr hoch, beton Otten. Viele Bereiche können wir über unseren Konsum gar nicht beeinflussen. In Deutschland hängen die schlechten Ergebnisse unter anderem mit einer hohen Dichte an energieintensiver Industrie, Überproduktion und dem hohen Exportüberschuss zusammen, bestätigt die Umweltexpertin.

    Wenn man den deutschen Verbrauch auf die Weltbevölkerung hochrechne, dann bräuchte die Menschheit drei Erden, erklärt die Aktivistin.

    Ökologischer Fußabdruck nach Anzahl der Erden
    © Foto : Germanwatch.org
    Ökologischer Fußabdruck nach Anzahl der Erden

    Auch europaweit liege Deutschland am oberen Ende liegt. „Frankreich und Großbritannien verbrauchen etwas weniger – ebenso Länder in Süd-Europa“, so die Pressesprecherin. Aufgrund hoher Importe komme Luxemburg auf 7,9 Erden. Fünf Erden bräuchten die US-Amerikaner. Die russische Bevölkerung schneidet beim ökologischen Fußabdruck pro Person ähnlich wie Deutschland ab und kommt auf 3,2 Erden. Bei einem weltweiten Durchschnitt liegen wir allerdings seit 2010 stabil bei 1,7 Erden. Das zeigen Zahlen und Grafiken der Umweltorganisation „Global Footprint Network“.

    Weltweiter ökologischer Fußabdruck nach Anzahl der Erden
    © Foto : „Global Footprint Network“
    Weltweiter ökologischer Fußabdruck nach Anzahl der Erden

    „Wir müssen dringend umsteuern!“, fordert Otten. Mit unserem Konsum würden wir über dem leben, was für die Natur verträglich ist. Der ökologische Fußabdruck der Menschen müsse insbesondere für Industrieländer wie Deutschland schnell schrumpfen, warnt die Aktivistin: „Notwendig wäre ein konstanter Rückgang der Emissionen mit doppelter Geschwindigkeit.“

    Im internationalen Vergleich könne man feststellen, dass Deutschland die Ressourcen auf Kosten der Länder mit einem geringeren ökologischen Fußabdruck nutze. Trotzdem sei es wichtig, sich privat zu engagieren, unterstreicht die Sprecherin. „Druck auf die Politik wird dann wirksam, wenn er durch Veränderungen vor Ort begleitet wird. Wir können da ganz viel bewegen, wenn wir im Bekanntenkreis darüber reden.“

    Im Sommer erwartet das „Global Footprint Network“ dann den weltweiten Erdüberlastungstag. Im vergangenen Jahr lag dieser am 1. August. In den vergangenen Jahrzehnten ist dieser immer weiter nach vorne gerückt.

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    Das komplette Interview mit Julia Otte (Germanwatch) zum Nachhören:

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    Tags:
    Mangel, Ressourcen, Emission, CO2, Umwelt, Bevölkerung, Erde