06:55 22 November 2019
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    So richtig abnehmen: Mehr trinken oder weniger essen?

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    Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden fast 40 Prozent der Weltbevölkerung an Übergewicht und weitere 13 Prozent an Fettsucht. Das wird üblicherweise auf Überernährung, Vorliebe für Süßigkeiten und eine sitzende Lebensweise zurückgeführt.

    Allerdings glauben Wissenschaftler, dass diese Erklärungen nicht ausreichen. Die Gründe und Mechanismen dieser „Seuche“ sind immer noch nicht ganz klar.

    Rein und sehr gefährlich

    Die vorherrschende Vorstellung, ein Übergewicht würde wegen zu fetten und kalorienreichen Essens entstehen, wird in den wissenschaftlichen Kreisen in letzter Zeit heftig kritisiert. Immer mehr Forschungen zeugen davon, dass dabei Zucker und Zuckerersatzstoffe von entscheidender Bedeutung sind. Besonders viele Besorgnisse sind mit Maissirup mit einem hohen Fruchtzuckergehalt verbunden, der in Limonade und Süßwaren als Zucker- bzw. Glukoseersatz verwendet wird.

    Als erste schlugen US-amerikanische Forscher Alarm, die errechnet haben, dass ein durchschnittlicher Amerikaner mit Maissirup in Getränken und Süßwaren etwa 15 Prozent der täglichen Kaloriennorm aufnimmt.

    Dabei liegen Angaben vor, denen zufolge Sirup mit einem hohen Fruktosegehalt den Stoffwechsel stört und Diabetes Typ zwei und Herz- und Kreislauferkrankungen provozieren kann. Diese beiden Krankheiten begleiten normalerweise die Fettsucht.

    Wissenschaftler vermuten, dass ein zu hoher Fruchtzuckergehalt die Leber überlastet und eine ganze Kette von Prozessen auslöst, die zur Erhöhung des Fettgehalts in der Leber, zu Thrombosen, Entzündungen und zur Insulinresistenz führen. Am Ende sammelt sich in den Geweben Fett an – und man wird dick.

    Reiche werden auch dick

    In der Vergangenheit ging man davon aus, dass die Fettsucht eher für ärmere Gesellschaftsschichten typisch wäre, wo es viele Faktoren gäbe, die die Menschen dazu zwingen würden, sich vollzustopfen, weil sie nicht wüssten, wann sich ihnen die Möglichkeit bieten würde, das nächste Mal zu essen.

    Wer sich nicht regelmäßig ernähren kann, muss manchmal hungern und manchmal zu viel essen, quasi um eine „Reserve“ zu schaffen. Aus Geldmangel kaufen solche Menschen oft billiges, aber kalorienreiches Essen, das kaum Nährstoffe enthält. Ärmere Menschen haben üblicherweise mehr Vertrauen zur Werbung und geraten in die marketingbedingten „Fallen“, die für sie Produzenten von ungesunden Nahrungsmitteln aufstellen (beispielsweise kaufen sie größere Fastfood-Portionen).

    In den USA leiden fast 40 Prozent aller Einwohner unter Übergewicht bzw. Fettsucht. Besonders groß ist der Anteil dieser Menschen unter den Lateinamerikanern und in anderen nationalen Gemeinschaften, wo es viele arme Menschen gibt. Immer häufiger werden Militärs, Häftlinge und auch Obdachlose dick.

    Die Fettsucht ist ein sozialwirtschaftliches Phänomen, das von psychologischen Problemen begleitet wird: hohem Stress, Angstzuständen und Depressionen.

    Eine Handvoll Reis

    Im Kampf gegen das Übergewicht gibt es keine universale Methode. Ernährungsexperten raten normalerweise, sich am Esstisch zu mäßigen, auf süßes und fettes Essen und vor allem auf Fastfood zu verzichten. Man müsste also die eigenen Ernährungsgewohnheiten ändern.

    Aber was muss man dafür tun?

    Beispielsweise mehr trinken – bis zu acht Tassen Wasser oder Tee am Tag. Aber amerikanische  und kanadische Forscher haben die Effizienz dieser Methode nicht bestätigen können. Sie haben zwei Gruppen von übergewichtigen Teenagern beobachtet, von denen die erste viel trank und die zweite wenig. Dabei folgten die beiden Gruppen den Empfehlungen der Experten. Im Rahmen dieses Experiments wurden im Laufe von mehreren Jahren aber keine wesentlichen Unterschiede zwischen beiden Gruppen bemerkt.

    Japanische Forscher empfehlen, mehr Reis zu essen. Ihnen zufolge könnten selbst 50 Gramm Reis täglich dazu beitragen, dass es in der Welt um ein Prozent weniger dicke Menschen geben wird.

    Wie der Wirkungsmechanismus des Reises ist, ist vorerst nicht ganz klar: Experten verweisen lediglich darauf, dass es in Ländern, wo die Bevölkerung hauptsächlich Reis isst, weniger Menschen mit Übergewicht gebe.

    Der Kampf gegen die Fettsucht bleibt vorerst eher erfolglos. Angesichts dessen sprechen Wissenschaftler immer öfter von Maßnahmen, die nicht auf einzelne Menschen, sondern auf die gesamte Population ausgerichtet wären.

    In einigen Ländern wurden beispielsweise sogar gewisse Steuerreformen vorangebracht, damit Menschen weniger Limonade und Fastfood, aber mehr Obst und Gemüse kaufen. In Massenmedien wurde eine gesunde Lebensweise propagiert; auch Freizeitanlagen wurden modernisiert, damit die Menschen mehr spazieren usw.

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    Forscher in Großbritannien und Portugal wollten die Effizienz all dieser Maßnahmen bewerten, konnten aber aus Informationsmangel keine eindeutigen Schlüsse ziehen. Dennoch finden sie, dass dies alles zur Senkung des Körpermassenindexes im Allgemeinen beitragen und generell positive Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung haben könnte.

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    Tags:
    Reis, Methode, Wasser, Zucker, Abnehmen, Essen, Ernährung, Übergewicht