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17:18 14 Oktober 2019
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     Earth in space with a flying asteroid

    Killer-Asteroid-Szenario: Kenne deinen Feind

    CC BY-SA 2.0 / Lwp Kommunikáció / Ember és aszteroida
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    Die Dinosaurier hat wohl ein Himmelskörper dahingerafft. Was wenn sich die Geschichte wiederholt? Eine Konferenz beschäftigt sich mit diesen Fragen und sucht nach internationalen Lösungen.

    Was passiert, wenn ein Asteroid die Erde trifft? Welche Möglichkeiten hat die Menschheit, sich zur Wehr zur setzen? Welche Entwicklungen müssen angestoßen werden, damit der Planet besser geschützt werden kann? Um solche Fragen drehte sich die sechste Konferenz zur planetaren Verteidigung im US-Bundesstaat Maryland letzte Woche.

    Auf all diese Fragen gibt es nicht eine einzelne Antwort. „Das hängt davon ab, wie genau die Gefährdungslage aussieht“, bemerkt Holger Krag, Leiter des „Space Situational Awareness Teams“ (zu Deutsch: Team zur situativen Achtsamkeit im Weltall) bei der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) im Sputnik Interview. Krag beschäftigt sich bei der ESA mit verschiedenen Himmelskörpern, von Asteroiden bis zu Weltraumschrott, der heute ein großes Problem in der Umlaufbahn der Erde darstellt.

    Internationale Zusammenarbeit ist wichtig

    „Wir haben es mit Asteroiden verschiedener Größenordnungen zu tun und wir haben es mit verschiedenen Vorwarnzeiten zu tun. Je nachdem muss man unterschiedlich reagieren“, betont Krag. Da zudem oft mehr als ein Land von der Bedrohung betroffen sei, müsse die Reaktion koordiniert und international ablaufen. „Man muss sich abstimmen, welche Aktionen man durchführt. Kann man vielleicht noch eingreifen und das Objekt abwehren oder hat diese Abwehraktion vielleicht Konsequenzen für andere Länder? Und wie einigt man sich auf die Finanzierung dieser Maßnahmen und wer unternimmt welchen Schritt?“

    Eine Bestandsaufnahme gefährlicher Objekte

    Der erste Schritt zu einer sichereren Erde lautet: Kenne deinen Feind. „Wir gehen davon aus, dass wir von den richtig großen Objekten rund 90 Prozent kennen in der Zwischenzeit“, erklärt Krag die Lage. „Es gibt Objekte, für die wird es richtig schwer, die zu kennen. Das sind die Objekte, die aus dem interstellaren Raum kommen, die also gar nicht ihre Bahnen um die Sonne ziehen, sondern die aus dem Nichts erscheinen und mit großer Geschwindigkeit die Erdbahn kreuzen. Da wird es uns immer schwer fallen, etwas zu tun.“ Derzeit seien 600.000 Asteroiden im Sonnensystem bekannt, von denen 20.000 als erdnahe Objekte eingestuft sind. „800 davon haben wir in einer Risikoliste zurzeit bei der ESA, bei denen wir dann noch ausführlicher hinschauen.“.

    Aber nicht nur die kosmischen Riesen können bedrohlich werden, sondern auch unscheinbare Objekte können fatale Folgen nach sich ziehen. „Die Wahrscheinlichkeit von einem solchen größeren getroffen zu werden, ist nicht so hoch, weil die weniger häufig sind. Die kleineren Objekte sind viel häufiger, aber von denen kennen wir nur einige Prozent. Die sind aber für uns vielleicht viel relevanter, denn die Wahrscheinlichkeit, dass einer von denen in unserer Lebensspanne einschlägt, ist viel größer. Deswegen konzentrieren wir uns auch auf die Beobachtung von den kleinen“, so der ESA-Forscher.

    Zeit kann die Welt bedeuten

    Die Kenntnis der Objekte ist aus einem weiteren Grund wichtig und das ist der zweite Schritt zu mehr Sicherheit: Verschaffe dir Zeit zum Handeln. „Zeit ist hier der wichtigste Faktor. Je mehr Zeit man hat, umso weniger Aufwand muss man betreiben“, bemerkt Krag. Wenn etwa ein großer Asteroid sich noch sehr weit von der Erde befinde, könne ein „Gravitationstraktor“ zum Einsatz kommen. Es handelt sich dabei um ein Raumfahrzeug, das neben dem Asteroiden fliegt und ihn minimal durch Gravitation ablenkt. Diese minimale Ablenkung hat aber bei langer Strecke eine große Veränderung des Kurses zur Folge. „Wenn man das früh genug macht, reicht selbst diese minimale Ablenkung aus, um eine Kollision zu verhindern“, betont Krag deshalb. Je weniger Zeit verbleibe, desto mehr Energie müsse dem Himmelskörper entgegengesetzt werden bis hin zur „nuklearen Option“.

    Besonders bei den kleinen Objekten sei es bislang so, dass sie sehr spät entdeckt werden, ein bis zwei Tage vor der Kollision. Diese würden zwar nur lokal Schaden anrichten, aber im Jahr 2013 habe man über Tscheljabinsk gesehen, dass auch ein kleines Objekt gefährlich werden kann. Auf die Explosionskraft von 30 Hiroshima-Bomben hatten Forscher damals den Meteoriten geschätzt. „Erkennt man das ein-zwei Tage vorher, dann kann man Evakuierungsmaßnahmen und andere Sicherheitsmaßnahmen treffen, die die entsprechende Gegend betreffen.“

    Experimente mit verschiedenen Asteroiden-Typen

    Doch die Mittel gegen die Gefahren aus dem All funktionieren nur in dem Maße, in dem diese Gefahren erfasst sind, und da heißt es: Asteroid ist nicht gleich Asteroid. „Wir haben noch kein Rezept für alle Asteroiden. Wir müssen noch viel mehr Erkenntnisse gewinnen, wie Asteroiden beschaffen sind“, betont der ESA-Forscher. „Es ist einem nicht geholfen, wenn wir an einem Asteroiden einen Test machen, der ihn erfolgreich ablenkt – und wenn wir das auf einen anderen anwenden, bricht er auseinander. Wir müssen früh aufklären können, wie ein Asteroid beschaffen ist, und dann müssen wir Ablenkmaßnahmen entwickeln, die darauf abgestimmt sind.“

    Einen Schritt dahin unternimmt die ESA als Partner bei der DART-Mission. Bei dieser geht es darum, den Kurs eines Doppelasteroiden durch einen Einschlag in seinen Mond zu verändern. „ESA wird diesen Mond nach dem Einschlag untersuchen. Wir wollen messen, welche Masse er hat, wir wollen den Einschlagskrater untersuchen, wir wollen genau schauen, was sich verändert hat. Und dann verstehen wir, wie wir mit derartigen Ablenkungsmanövern arbeiten können“, so Krag.

    Daten über diverse Himmelskörper, die der Erde zu nahe kommen, sammelt übrigens das Minor Planet Center. Dort bringen viele Nationen ihre Beobachtungsdaten ein. „Die Hauptlast liegt derzeit noch bei amerikanischen Teleskopen, aber wir sehen auch aus anderen Ecken der Welt Daten in dieses MPC fließen und wir wollen aus Europa stärker mit beitragen“, so Krag.

    Das Interview mit Holger Krag in voller Länge:

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    Tags:
    Kosmos, Raumfahrt, Weltall, NASA, ESA, Krisenbewältigung, Simulation, Abwehr, Verteidigung, Katastrophe, Einschlag, Meteoriten, Asteroiden