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06:23 17 Juli 2019
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    Roboter für Mission auf dem Mond

    Deutschland fliegt zum Mond – mit einer Ariane 6

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    Valentin Raskatov
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    Ein deutsches Startup schießt 2021 einen Rover auf den Mond und installiert dort auch das erste 4G-Netz. Mit der Ariane 64 steht nun auch die Trägerrakete. Am Mittwoch haben beide Parteien ein Memorandum of Understanding unterschrieben. Mit dabei war auch die Europäische Raumfahrtagentur, die reges Interesse an dem Projekt zeigt.

    Die PTScientists wollten nicht gerade wenig: Eine Robotermission auf dem Mond starten, nebenher ein paar Forschungssatelliten ins All entlassen und eben mal das erste Netz auf dem Erdtrabanten einrichten. Nun sieht es so aus, als würde das alles klappen, denn am Mittwoch haben sie mit dem Raketenunternehmen ArianeGroup ein Memorandum über die Zusammenarbeit unterschrieben.

    Der erste Flug findet mit einer Falcon-9-Rakete des US-Unternehmens SpaceX statt, die darauffolgenden Flüge aber sollen dann mit Ariane-64-Raketen betrieben werden.

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    Geschäftsführer von PTScientists, Robert Böhme, und Geschäftsführer der ArianeGroup, Pierre Godart, unterschreiben das Memorandum
    © Sputnik / Valentin Raskatov
    Geschäftsführer von PTScientists, Robert Böhme, und Geschäftsführer der ArianeGroup, Pierre Godart, unterschreiben das Memorandum

    „Das ist für uns ein ziemlich großer Schritt, die Technologie wirklich umzusetzen“, bemerkt der Geschäftsführer der PTScientists, Robert Böhme, gegenüber Sputnik. „In unserer ersten Mission geht es darum, heil zu landen. Es ist eine Technologiedemonstration.“ Landen will das Unternehmen an der alten Landestelle von Apollo 17, auch um ein Zeichen zu setzen: „Das ist die letzte Mission, wo Menschen bemannt auf dem Mond waren, und das war über 50 Jahre her und wir wollen jetzt gucken: Wie sieht die Landestelle aus?“

    Interviewpartner und Geschäftsführer von PTScientists, Robert Böhme
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    Interviewpartner und Geschäftsführer von PTScientists, Robert Böhme

    Genau diese Mischung aus Faszination und Tatendrang ist es, die die PTScientists für die ArianeGroup attraktiv gemacht hat: „Wir kennen die Player, die in der Raumfahrt tätig sind. Wir sind immer interessiert an kleinen Unternehmen und haben sehr viele von denen im Ariane-6-Programm“, bemerkt der Geschäftsführer der ArianeGroup, Pierre Godart, gegenüber Sputnik.

    Soll die Hardware zum Mond bringen: die Ariane 64
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    Soll die Hardware zum Mond bringen: die Ariane 64

    Zudem seien 85 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen, die für Ariane 6 arbeiten, in Deutschland ansässig. Da sich Ariane in der Landschaft gut auskennt, sei man auch auf die PTScientists gestoßen und diese seien eine gute Ergänzung für das Raketenunternehmen. „In einem Startup sind sie viel agiler und schneller und sie sind wahrscheinlich auch eher bereit, gewisse Risiken einzugehen, weil sie sie nicht abschätzen können. In einer größeren Firma sehen sie auch die technischen Herausforderungen und die Prozesse, die Struktur und wie man das organisiert. Das ist genau die Ergänzung, die uns interessiert: Wie können wir innerhalb der großen Gruppe schneller, agiler sein? PTScientists können umgekehrt von uns lernen: Wie kann man mit extrem strukturierten Prozessen arbeiten, sodass es wirklich nachhaltig wird?“, so Godart.

    Interviewpartner und Geschäftsführer der ArianeGroup, Pierre Godart
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    Interviewpartner und Geschäftsführer der ArianeGroup, Pierre Godart

    Als „Pionierarbeit“ bezeichnete diesen Vorstoß auch der Bundestagsabgeordnete und Koordinator der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek, und setzte seine Hoffnung in dieses kommerzielle Projekt, das eigenständig seinen Weg neben solch großen Projekten sucht wie dem Lunar Orbital Platform-Gateway, einer Kollaboration von NASA, ESA und Roskosmos, bei der eine Raumstation geschaffen werden soll, die den Mond umkreist.

    Bundestagsabgeordneter und Koordinator der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek
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    Bundestagsabgeordneter und Koordinator der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek

    Nicht nur mit der ArianeGroup haben die PTScientists übrigens ein gutes Verhältnis, sondern auch mit der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA), bei der sie sich für eine Mission beworben hatten, die es zum Ziel hat, Wasser auf dem Mond zu gewinnen. Entsprechend war auch der Abteilungsleiter bei der ESA für menschliche und robotische Erkundung, David Parker, der für die Mondmission brennt, bei der Unterzeichnung dabei.

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    Interviewpartner und Abteilungsleiter für menschliche und robotische Erkundung bei der ESA, David Parker.
    © Sputnik / Valentin Raskatov
    Interviewpartner und Abteilungsleiter für menschliche und robotische Erkundung bei der ESA, David Parker.

    „Wir sind hochgespannt aus zwei Gründen: Zum einen wollen wir sehen, ob es möglich ist, die Ressourcen auf dem Mond zu gebrauchen. Wir wollen sehen, ob sich die Materialien dort in Treibstoff, Sauerstoff und Wasser umwandeln lassen, um unsere menschlichen Erkundungsmissionen zu unterstützen“, teilt er gegenüber Sputnik mit. „Außerdem ist es interessant, mit neuen, kommerziellen Unternehmen zusammenzuarbeiten. Wir haben eine Vision von einer Weltraumerkundung mit neuen, jungen Raumfahrt-Unternehmen und PTScientists ist eines davon hier in Europa.“

    Thomas Jarzombek, David Parker, Robert Böhme, Pierre Godart (v. links n. rechts).
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    Thomas Jarzombek, David Parker, Robert Böhme, Pierre Godart (v. links n. rechts).

    Die Idee der ESA: Mit den PTScientists ein „Ticket zum Mond“ zu kaufen und so nach und nach Nutzlasten für eine große Mission auf den Erdtrabanten zu verfrachten. Denn: „Monderkundung ist nicht eine einzige Mission, es handelt sich um eine Reihe von Missionen, bei denen unterschiedliche Experimente durchgeführt und verschiedene Technologien eingesetzt werden“, so Parker. Auf lange Sicht will die ESA eine Mondbasis errichten und dazu braucht es Vorarbeit. „Dafür werden wir große Raketen, Kapseln und Mondlandefähren benötigen, um die Menschen dorthin zu bringen. Aber wir müssen auch sehen, ob wir die Materialien auf dem Mond verwenden können, um den Aufenthalt dort wirtschaftlich tragbarer und nachhaltiger zu gestalten. Und die größte Aufgabe ist es, die Mondnacht zu überleben, denn diese ist ganze 14 Erdtage lang. Die Kälte dieser langen Nacht zu überstehen, ist eine riesige technische Herausforderung, die wir bislang nicht gelöst haben“, so der Abteilungsleiter der ESA im Bereich menschliche und robotische Erkundung gegenüber Sputnik.

    Die Veranstaltung fand im Berliner Zeiss-Großplanetarium statt.
    © Sputnik / Valentin Raskatov
    Die Veranstaltung fand im Berliner Zeiss-Großplanetarium statt.
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    Tags:
    Roskosmos, ESA, NASA, PTScientists, Raumfahrt, Ariane 64, Trägerrakete, Mondmission, Startups, Deutschland