13:16 15 November 2019
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    Gespenster (Symbolbild)

    Warum sehen manche Menschen Gespenster und Aliens? Forscher über Ursachen des Unheimlichen

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    Geister, paranormale Phänomene, Aliens: alles nur Humbug, oder lassen sich solche Erscheinungen und Phänomene aus wissenschaftlicher Sicht erklären?

    Einer Allensbach-Umfrage von 2002 zufolge glaubt jeder sechste Deutsche an Geister, 73 Prozent aller Deutschen wollen ein- oder mehrmals im Leben ein „subjektiv paranormales Erlebnis“ gehabt haben. Nach Angaben des russischen soziologischen Forschungszentrums WZIOM glauben 16 Prozent der Russen, dass man mit den Seelen von toten Menschen und mit Gespenstern kommunizieren könnte.  In den USA liegt diese Zahl sogar bei 57 Prozent, wobei 35 Prozent dieser Menschen behaupten, mit Gespenstern bereits Kontakt gehabt zu haben. Doch dafür gibt es offenbar eine wissenschaftliche Erklärung.

    Gespenster im Labor

    Im Frühjahr 2014 hatten in der Schweiz zwölf Freiwillige an einem Experiment des neurophysiologischen Labors bei der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (ETHL) teilgenommen. Man hatte ihnen gesagt, es würde um einen Test der Fernsteuerung für eine mechanische Hand gehen. Die Teilnehmer des Experiments sollten sich mit dem Rücken zu dieser „Hand“ stellen und sie so steuern, dass diese „Hand“ sie streichelt.

    Am Anfang war alles in Ordnung: Mit einer Fingerbewegung aktivierten die Teilnehmer des Experiments den Roboter und spürten, wie er ihren Rücken berührte. Dabei hatten sie die Illusion, dass sie ihren Rücken selbst berührten. Dann aber wurde die mechanische Hand so eingestellt, dass sie den Rücken 500 Millisekunden lang berührte – und da wären die Probanden wie ausgewechselt worden. Sie verlangten, das Experiment einzustellen, und behaupteten, sie hätten einen Spuk gesehen, der sie beobachtet und berührt hätte. Ihre Angst war so groß, dass zwei Personen selbst dann noch aus dem Experiment ausstiegen, nachdem man ihnen erklärt hatte, was in Wahrheit passiert war.

    Und die Erklärung war ganz einfach: Spuk, Engel und Dämonen erschienen wegen der Entstellung von Sensor- und Motorsignalen. Diese Signale beteiligen sich quasi an der Gestaltung des Selbstbewusstseins, indem sie Informationen über die Lage des Menschen im Raum und über seine Bewegungen sammeln und analysieren. Wenn das System falsch funktioniert (beispielsweise bei einer Krankheit oder bei einem speziellen Experiment), entsteht bei der Testperson eine zweite Gestalt ihres eigenen Körpers, die sie als fremd wahrnimmt. Das sei allerdings nichts anderes als ein Ergebnis ihrer eigenen Fantasie, behaupten die Forscher.

    Geheimnisvolle Vibrationen

    Ein geheimnisvolles Treffen mit einem Gespenst in seinem eigenen Labor hat der britische Forscher Vic Tandy geschildert. In den frühen 1980er-Jahren führte er viele Experimente für ein großes Pharmaunternehmen durch, und einmal habe er im Laufe der Arbeit gespürt, dass sich im Raum mit ihm jemand befunden hätte. Am Rande seines Blickfeldes bemerkte er eine graue Gestalt, als er aber genauer hinschaute, sah er niemanden. Einige Tage später putzte Tandy, der ein Amateurfechter war, in seinem Arbeitszimmer seinen Degen und bemerkte, dass die Klinke etwas vibrierte – selbst als er sie in den Halter steckte. Das war ein Zeichen für ihn, dass sich neben ihm ungebetene Gäste befanden.

    Aber als richtiger Wissenschaftler wollte Tandy herausfinden, was eigentlich passiert war. In seinem Labor war einige Wochen zuvor ein Lüfter aufgestellt worden, der mit einer Frequenz von etwa 19 Hertz vibrierte, was dem Infraschallbereich entsprach – ein menschliches Ohr konnte den Ton also nicht hören. Und das Gerät produzierte eben Vibrationen und Gestalten, die es gar nicht gab. Als der Lüfter aus dem Labor entfernt wurde, verließen auch die ungebetenen Gäste den Forscher.

    Später entwickelte Vic Tandy eine ganze Theorie, der zufolge alle „Treffen mit dem Außerirdischen“ daraus resultieren, dass Menschen von Infraschallschwankungen beeinflusst werden, die durch Erdbeben, Blitze, Vulkanausstöße usw. ausgelöst werden.

    Der Forscher ist 2005 gestorben, und 2008 wurden seine Vermutungen von seinen Kollegen vom King‘s College London bei entsprechenden Experimenten bestätigt.

    Sie haben nämlich ein „Horrorzimmer“ mit mehreren Infraschallquellen ausgerüstet und 79 Freiwillige gebeten, dort mehrere Stunden zu verbringen. Diese gaben später zu, merkwürdige Gestalten gesehen oder die Anwesenheit von außerirdischen Figuren gespürt zu haben.

    Pilz, Gas und Zugluft

    Nach Angaben des Gallup-Instituts glauben etwa ein Drittel der Amerikaner, 28 Prozent der Kanadier und 40 Prozent der Briten, dass es Häuser gebe, wo es von Gespenstern quasi wimmeln würde. Dort können sich Gegenstände durch den Raum bewegen, Türen knallen und schreckliches Getöse zu hören sein. In Wahrheit geht es aber nicht um Gespenster, sondern um Kommunikationen.

    Praktisch alle Häuser, wo „außerirdische Gäste“ gesichtet wurden, hatten entweder einen mangelhaften Kältedämmschutz (sprich dort gab es viele Windzüge), oder dort wurde Pilz entdeckt. In manchen Fällen wurden auch Gasverluste entdeckt.

    So haben Experten von der Clarkson University (USA) Pilzsporen in allen Gebäuden mit paranormalen Aktivitäten gefunden. Es ist bekannt, dass es sich bei Mykotoxinen um Gifte handelt, die von winzigen Pilzen produziert werden, und sie können irrationale Angst, unkontrollierbare Muskelkontraktionen und im schlimmsten Fall sogar Demenz provozieren – und eben über solche Empfindungen berichteten viele Menschen, die Gespenster gesehen haben wollten. Die Forscher zeigten sich überzeugt, dass die Bewohner von „Gespensterhäusern“ gerade wegen Pilzen auf einmal an die Existenz von „außerirdischen Gästen“ glaubten.

    Und die Folgen einer Kohlenoxidvergiftung können noch schlimmer sein: Brechreiz, Schwächeanfälle, Halluzinationen – und im schlimmsten Fall Tod.

    In einem der wohl bekanntesten „Gespensterhäuser“, wo verschiedene merkwürdige Töne gehört und durch die Luft fliegende Silhouetten gesehen wurden, wurden Probleme mit dem Rauchabzug entdeckt. Der Rauch verbreitete sich durch den Innenraum anstatt ihn durch den Schornstein zu verlassen. Die Einwohner litten unter Kohlenoxidvergiftung – aber nicht unter Gespenstern, wie sie dachten. Sobald der Rauchabzug repariert wurde, verschwand der Spuk von selbst.

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    Tags:
    Engel, Dämonen, Mechanismus, Experiment, Schweiz, Labor, Umfrage, USA, Deutschland, Geister, Aliens, Paranormales, Phänomen