00:38 19 Juni 2019
SNA Radio
    Ein älterer Mann beim Laufen in Russland (Archiv)

    Vererbung täuschen: So lebt man länger - Forscher

    © Sputnik / Igor Russak
    Wissen
    Zum Kurzlink
    Alfia Jenikejewa
    4616

    Die DNA bestimmt fast zu 100 Prozent die Farbe der Haare, der Augen und die Körpergestalt. Geistige Fähigkeiten, die Lebensdauer sowie das Infarktrisiko hängen in vielerlei Hinsicht von äußeren Faktoren ab. Wie man persönliche genetische Vorteile am besten nutzt und wie man eine negative Vererbung überwindet – darüber lesen Sie in diesem Artikel.

    Geheimnis einer langen Lebensdauer

    Es bestehen keine Zweifel daran, dass die Lebensdauer in vielerlei Hinsicht vorbestimmt ist. So leben weltweit Frauen durchschnittlich länger als Männer dank einem zusätzlichen X-Chromosom.

    Gen-Forscher von der University of California bekamen spezielle Transgender-Mäuse (XY-Weibchen und XX-Männchen). Der Vergleich mit einfachen Einzelwesen zeigte, dass am längsten natürliche XX-Weibchen leben. Etwas weniger leben XX-Männchen, die männlichen Einzelwesen mit einer klassischen Menge von Chromosom kennzeichnen sich nicht durch lange Lebensdauer aus. Anscheinend handelt es sich um besondere Hormone bzw. Signal-Moleküle in den Eierstöcken, die das Leben verlängern und die Alterung verlangsamen, so die Autoren der Studie.

    Allerdings hängt die Geschwindigkeit der Alterung nicht nur vom Geschlecht ab. Laut einer Studie internationaler Wissenschaftler gibt es Menschen, die dreimal schneller älter werden, und auch solche, die im Gegenteil langsamer als andere altern. Nach einer Analyse von Angaben von fast 1000 gleichaltrigen Freiwilligen, die fast unter gleichen sozialen Bedingungen lebten, kamen die Forscher zu dem Schluss, dass die Geschwindigkeit der Alterung fast zu 20 Prozent von der Erblichkeit bestimmt wird. Die Hauptfaktoren einer langen Lebensdauer sind gesunde Ernährung, Sport, regelmäßige medizinische Untersuchungen und Rauchverzicht.

    Laut US-Genforschern, die die Genealogie von mehr als 400 Mio. Menschen verfolgten, ist die Zahl von 20 Prozent überschätzt. Der reale Beitrag der Genetik zu einer langen Lebensdauer beträgt höchstens sieben bis zehn Prozent. Wichtiger ist dabei nicht die Blutsverwandtschaft, sondern die Lebensart und die Wahl eines ähnlichen Partners. Der Zusammenhang zwischen der Lebensdauer von Ehegatten ist höher als bei Geschwistern.

    Wie man den IQ nach DNA erfährt

    2016 teilte ein internationales Forscherteam mit, die Intelligenz-Gene entdeckt zu haben. Es handelte sich um 74 DNA-Abschnitte, die vermutlich die Lernfähigkeit beeinflussen. Ein großer Teil gehörte zu den Abschnitten, die mit der intrauterinen Gehirnentwicklung verbunden und bei Erwachsenen nicht aktiv sind.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Kosmische Rarität in der Milchstraße entdeckt<<<

    Mit anderen Worten, man kann nach der Geburt schon nichts mehr ändern – das ist eine schlechte Nachricht. Eine gute ist, dass damit unbedeutende Unterschiede bei den Studienerfolgen verbunden waren.

    Nach zwei Jahren stellten Forscher von den Universitäten von Edinburgh, Southampton und Harvard bereits 187 Abschnitte des Genoms fest, die gewiss die Intelligenz beeinflussen. Die neuen Angaben waren weniger hoffnungsvoll – der Beitrag der Erblichkeit zu den geistigen Fähigkeiten liegt bei 50 bis 80 Prozent. Die Verfasser der Studie behaupteten sogar, dass sie den IQ eines Freiwilligen nur anhand seines genetischen Stoffes feststellen konnten.

    Die Lebenserfahrung bestätigt das wohl: Die Kinder von Vorzeigeschülern studieren gewöhnlich besser als Kinder von schlechteren Schülern. Doch britischen Forschern zufolge ist das nicht nur auf die Genetik zurückzuführen – für Studienerfolge sind auch das soziale Milieu und die psychologische Atmosphäre in der Familie wichtig.

    Großangelegte Befragungen von 6653 Zwillingspaaren (2362 eineiige Zwillingspaare, 2155 zweieiige Paare desselben Geschlechts und 2136 zweieiige Paare verschiedenen Geschlechts) zeigten, dass die Erblichkeit der Prüfungsnoten höher ist als die der geistigen Fähigkeiten im Ganzen – etwa 62 Prozent. Mit anderen Worten werden die Studienerfolge sowohl von angeborenen geistigen Fähigkeiten als auch von persönlichen Eigenschaften, Verhalten und Selbstdisziplin beeinflusst.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Zu viel Saft gefährlich? – Forscher warnen vor Risiko des vorzeitigen Todes<<<

    Wissenschaftler betonen, dass diese Faktoren ebenfalls von Genen beeinflusst werden, doch ein guter psychologischer Zustand, eine gute Atmosphäre in Familie und Schule hängen am wenigstens von der DNA ab, aber leisten einen bedeutenden Beitrag zu den Studienerfolgen.

    Sorgen um Herz und Gefäße

    Ende des vergangenen Jahres teilten britische und australische Forscher die Entwicklung eines genetischen Tests für Infarktrisiko mit, der Patienten feststellen hilft, die regelmäßige zusätzliche Untersuchungen brauchen.

    Nachdem der Test bei einer halben Million Freiwilligen durchgeführt worden war, entwickelten Wissenschaftler eine „genetische Risiko-Skala“. Menschen am Anfang der Skala (20 Prozent) hatten ein viermal größeres Risiko einer ischämischen Herzerkrankung.

    Herzerkrankungen, die mit bestimmten Gen-Änderungen verbunden sind, gibt es nicht so viele. Bei der Hälfte der Fälle handelt es sich um erbliche Belastung. Die Erkrankung kann bei einer negativen Kombination von Faktoren entstehen. Zehn Prozent von jenen vom Anfang der „genetischen Risiko-Skala“ könnten einen Infarkt bereits mit 48 Jahren bekommen, wenn sie sich nicht medizinisch untersuchen lassen.

    Die Krankheit kann mithilfe von richtiger Diät, Sport und regelmäßigen medizinischen Untersuchungen verhindert werden. Forschungen zeigen, dass 20 Minuten Morgengymnastik Herz, Knochen und Muskeln vor Beschädigungen schützen und das Infarkt- bzw. Schlaganfallrisiko deutlich verringern, zwei Handvoll Nüsse pro Woche verringern das Risiko von Herz- und Gefäßkrankheiten fast um ein Viertel.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Gesundheit, Herzerkrankung, Gehirn, Intelligenz, IQ, Gen, Alterung, Geschlecht, Forscher, Studie, Geheimnis, Lebensdauer, Körper, DNA