15:50 26 Juni 2019
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    Ozean (Symbolbild)

    „Zeitkapsel“ im Ozean: 20.000 Jahre alte Wasserreste entdeckt

    © Sputnik / Michail Ziganow
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    Forscher von der University of Chicago haben vor der Küste der Malediven erstmals Meerwasser aus der letzten Eiszeit entdeckt, berichtet das Portal phys.org. Die Ergebnisse der Recherche wurden im Fachmagazin „Geochimica et Cosmochimica Acta“ veröffentlicht.

    Das 20.000 Jahre alte Salzwasser war demnach in den Poren von unterseeischem Kalkgestein konserviert. Es ist der bisher erste direkte Fund von Meerwasser aus der Zeit des letzten Eiszeitmaximums und liefert wertvolle Einblicke in die Zusammensetzung der damaligen Ozeane.

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    Vor rund 20.000 Jahren waren große Teile der Nordhalbkugel von mächtigen Gletschern bedeckt. Weil so viel Süßwasser in den Eismassen gebunden war, lag der Meeresspiegel deutlich tiefer als heute und das Meerwasser war salziger. Bisher konnten Forscher die genauen Bedingungen in den Eiszeitozeanen aber nur indirekt erschließen. Sie stützten ihre Analysen beispielweise auf fossile Korallen oder die Chemie alter Sedimente.

    Das Forscher-Team um Clara Blättler untersuchte mit dem Bohrschiff „JOIDES Resolution“ im Indischen Ozean anhand von Bohrkernen die Entwicklung des Monsuns. Dafür entnahmen die Wissenschaftler Bohrproben aus dem Carbonatgestein vor der Küste der Malediven.

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    Die Analyse des Wassers aus dem Gesteinsbohrkern ergab, dass es deutlich salziger war als das Wasser im heutigen Indischen Ozean. „Das war der erste Hinweis darauf, dass wir hier etwas Ungewöhnliches gefunden hatten“, zitiert das Portal Blättler.

    Die Forscher untersuchten die chemische Zusammensetzung und die Isotopenverhältnisse des aus dem Bohrkern gewonnenen Porenwassers. Alle Angaben deuten darauf hin, dass es sich um rund 20.000 Jahre altes Meerwasser handelt, das während der Eiszeit langsam in die Poren des Kalkgesteins eingesickert und dort konserviert worden war.

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    Denn wie in Modellen vorhergesagt wurde, war das Eiszeitmeer deutlich salziger als die heutigen Ozeane. „Weil so viel Süßwasser in den Gletschern gebunden war, müssen die Meere signifikant salziger gewesen sein – und das ist genau das, was wir gefunden haben“, so Blättler.

    Der erhöhte Salzgehalt hatte damals wahrscheinlich laut den Wissenschaftlern auch einen größeren Einfluss auf die Meeresströmungen.

    Die von Blättlers Team entdeckte wässerige „Zeitkapsel“ ist allerdings nicht die älteste der Welt. 2013 stießen britische und kanadische Forscher bei Tiefbohrungen in Kanada auf Porenwasser, das 1,5 Milliarden Jahre von der Außenwelt isoliert war.

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