23:48 20 November 2019
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    Nachstellung der Unterkunft eines Höhlenmenschen im russischen Fernen Osten

    Diese Frühmenschen gaben uns ihre besten Gene und starben aus

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    In China ist der Unterkiefer eines Denisova-Menschen entdeckt worden. Diese Urzeit-Menschen hatten in Asien neben Neandertalern und Menschen des modernen Typs gelebt. In manchen Populationen finden sich zum Teil dieselben DNA-Sequenzen wie beim Denisova-Mensch.

    Den größten Teil der Denisova-DNA haben die Einwohner von Papua-Neuguinea und Melanesien. Die Tibeter haben von ihnen die Fähigkeit zur Mutation übernommen, dank der sie im Hochgebirge überleben können. 

    Homo sapiens denisovan 

    Im Jahr 2010 veröffentlichte der schwedische Genetiker Svante Paabo die Ergebnisse einer DNA-Analyse aus einem Fingerfragment eines Kindes, das in einer Denisova-Höhle im Altai-Gebirge entdeckt worden war. Archäologen dachten, dass dort Neandertaler gelebt hätten, aber beim Vergleich der Genome wurde klar: Es handelt sich dabei um einen besonderen Menschenzweig. Diese Menschen wurden Homo sapiens denisovan genannt, nach dem Ort der Entdeckung ihrer Überreste. 

    In anderen Orten wurden Überreste der Denisova-Menschen noch nie entdeckt. Im Mai veröffentlichten chinesische Forscher gemeinsam mit ihren europäischen Kollegen eine sensationelle Erklärung: Es sei ein Unterkieferfragment eines Denisova-Menschen identifiziert worden, der auf dem Territorium der jetzigen Volksrepublik vor etwa 100 000 Jahren gelebt habe.

    Den Knochen, der noch 1980 in einer Karsthöhle im Tibet-Gebirge aufgefunden worden war, hatten die ganze Zeit die dortigen Mönche aufbewahrt. Dann wurde er der Universität Lanzhou überlassen. Die DNA konnte daraus nicht ausgesondert werden, aber in den Zähnen wurden Proteine entdeckt, deren Struktur mit der im Denisova-Knochen übereinstimmte. Das bedeutet, dass dieser Knochen gerade von einem Vertreter dieser Menschenunterart stammte.

    Forschern stehen aktuell insgesamt fünf Knochenfragmente zur Verfügung, die verschiedenen Einzeltieren gehörten. Die vier im Altai-Gebirge entdeckten Fragmente lassen kaum etwas Bestimmtes über das Äußere der Denisova-Menschen sagen. Ein fast vollständiger Unterkiefer ist aber etwas anderes: Er sieht teilweise wie der Kiefer eines Homo erectus aus – ist genauso massiv und kurz und hat riesige Mahlzähne. Das bedeutet, dass unsere „Verwandten“ ziemlich archaisch aussahen.

    Aus dem Tibet nach Australien

    Besonders viele Elemente der Denisova-DNA sind im Genom der Melanesier und der traditionellen Völker von Papua-Neuguinea enthalten: drei bis sechs Prozent. Etwas weniger beinhaltet das Genom der Einwohner von Kleininseln in Ozeanien sowie von Einwohnern der Philippinen, einiger Stämme in den südlichen und zentralen Gebieten Indiens, der Andamanen, der Ureinwohner Australiens und der Insel Flores. In der DNA der Indochina-Einwohner beläuft sich die Zahl auf etwa ein Prozent.

    Man muss sagen, dass die Denisova-DNA-Teile bei den Papua und Australiern sich von der Altai-Variante ziemlich stark unterscheiden. Deshalb wurde die Hypothese geäußert, dass es zwei Unterarten dieses Menschentyps gegeben haben könnte, die sich voneinander vor ziemlich langer Zeit getrennt haben.

    Australische Forscher vermuten, dass Denisova-Menschen ursprünglich in Asien lebten und später Australien erreichten, das damals (vor 50 000 bis 100 000 Jahren) durch einen Landabschnitt mit den Inseln und mit Papua-Neuguinea verbunden war und damit den hypothetischen Kontinent Sahul bildete.

    Das erklärt nämlich, warum die Völker, die östlich von der Wallace-Linie, der bedingten Grenze zwischen asiatischen und australischen Pflanzenarten, leben,mehr DNA-Elemente der Denisova-Menschen haben. Dank der Isolation des Fünften Kontinents konnte die Genbank großenteils erhalten bleiben.

    Dunkelhäutige Bergeinwohner

    Was kann man aber über Denisova-Menschen anhand ihrer DNA sagen? Es gilt, dass sie eher schwärzlich bzw. dunkelhäutig waren, dunkle Haare und braune Augen hatten. Sie lebten im Himalaya-Gebirge, in einer Höhe von mehr als 3000 Metern über dem Meeresspiegel. Der dortigen dünnen Luft konnten sie sich dank einer Mutation im EPAS1-Gen anpassen, das den Hämoglobin-Gehalt im Blut regelt. Dieser DNA-Abschnitt ist bei den modernen Tibet-Einwohnern erhalten geblieben, und zwar bei etwa 80 Prozent der dortigen Bevölkerung.

    Vermutlich haben sich Neandertaler, Denisova-Menschen und Vorfahren der heutigen Menschen öfter miteinander vermischt und miteinander verschiedene DNA-Fragmente geteilt. Von den Neandertalern haben wir jetzt beispielsweise die Gene, die für unsere Immunität enorm wichtig sind. Möglicherweise haben wir auch von den Denisova-Menschen gewisse nützliche Mutationen.

    Unsere DNA-Abschnitte, die für die Sprachfähigkeit, für die Entwicklung der Sprache, der Hirnrinde usw. zuständig sind, haben Fragmente, die mit den Fragmenten der Neandertaler und Denisova-Menschen  ähnlich sind.

    Die Analyse der Knochenfragmente zeigte, dass die Denisova-Menschen in der erwähnten Höhle im Altai-Gebirge schon vor 200 000 Jahren gelebt hatten. Ausgestorben sind sie vermutlich vor etwa 44 000 bis 54 000 Jahren, möglicherweise aber auch viel später, vor etwa 15 000 Jahren.

    Ihr Genom war viel weniger variabel als bei unseren Vorfahren. Vermutlich gab es nicht besonders viele Neandertaler und Denisova-Menschen.

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    Vorerst sind die Kenntnisse über diesen parallelen Menschenzweig ziemlich gering. Forscher brauchen viel mehr Knochenfragmente, um ihn zu untersuchen – am besten ein ganzes Skelett. Außerdem wären weitere Muster nötig – als Quelle der uralten DNA.

    Allerdings entwickelt sich die Paläogenetik sehr intensiv, und jetzt gibt es Methoden, die die DNA-Aussonderung aus dem Gestein ermöglichen, selbst wenn es dort keine uralten Knochen gibt. Eine weitere aussichtsreiche Forschungsrichtung wäre die Untersuchung von sterblichen Überresten, die im Frostboden enthalten sind.

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    Tags:
    Organismus, Geschichte, Forschung, Genetik, Asien, Russland, China, Herkunft, Homo Sapiens, Menschen