Widgets Magazine
14:00 18 Juli 2019
SNA Radio
    Bienenwaben

    Honig vs. resistente Keime: Wirklich ein Ersatz für Antibiotika?

    © Sputnik / Igor Agejenko
    Wissen
    Zum Kurzlink
    Alfia Jenikejewa
    8740

    Es gibt einige gefährliche Bakterien, darunter Erreger von Staphylokokken und Pneumokokken, denen eine bzw. zwei Mutationen geblieben sind, um gegen Antibiotika resistent zu werden. Laut WHO-Prognosen bedroht das Millionen Menschen, weshalb Wissenschaftler wirkungsvollere Medikamente bzw. Ersatz für Antibiotika entwickeln wollen.

    Wie sich jetzt herausstellte, könnte Honig ein effektives Mittel gegen Mikroben sein.

    Süße sämige Salbe

    Erste wissenschaftliche Daten über antibakterielle Eigenschaften von Honig erschienen 1919, als der britische Forscher Walter Sackett Honig kontinuierlich bei Shigellen von Dysenterie, Paratyphus-Bakterien und Bauchtyphus einsetzte und anschließend feststellte, dass sie nach einiger Zeit abstarben. Die ersteren hielten im Honig fünf bis zehn Stunden, die zweiten fast 24 Stunden, die dritten zwei Tage durch. Damals erregten die Werke Sacketts kaum Aufmerksamkeit. Damals wurde weltweit das Penicillin bekannt. Außerdem irrte sich der Wissenschaftler, als er vorschlug, schwere Infektionen täglich mit etwas Honig zu behandeln. Natürlich zeigte ein solches Herangehen keine besondere Wirkung.

    An Sackett und seine Entdeckung erinnerte man sich erst nach 70 Jahren, als mehrere Studien über die Anwendung von Honig als vitalisierendes Mittel erschienen. Britische Spezialisten analysierten 33 Studien, an denen insgesamt rund 2000 Menschen und 500 Tiere teilnahmen. Alle Freiwilligen hatten infizierte, dauerhafte Wunden. In allen Fällen war die Behandlung mit Honig effektiver als die traditionelle Antibiotika-Therapie. Zudem wirkte Honig bei oberflächlichen Brandwunden besser als Silber-Sulfadiazin, das bei solchen Fällen gewöhnlich angewendet wird. Nach Angaben indischer Ärzte heilte der Honig die Brandwunden bei 81 Prozent der Patienten vollständig, während das gewöhnliche Arzneimittel das nur bei 37 Prozent tat.

    Experten äußerten die Vermutung, dass es sich um Wasserstoffperoxyd handelte, das produziert wird, wenn das Honig-Ferment der Glukose-Oxidase mit Sauerstoff-Molekülen im Wasser reagiert. Honig zieht Feuchtigkeit aus der Wunde heraus, wobei sich Wasserstoffperoxid bildet und die Wunde desinfiziert wird.

    Bienen-Bakterien gegen Infektionen

    Diese Erklärung wurde rundum akzeptiert, bis US-Forscher das Wasserstoffperoxid aus dem Honig entfernten, das aus Leptospermum scoparium erhalten worden war, und das gereinigte Erzeugnis auf die Wunden von Freiwilligen legten. Diese Behandlung hat ebenfalls geholfen, obwohl sie weniger effektiv war.

    Laut australischen und neuseeländischen Forschern hat Honig auch ohne Wasserstoffperoxid antibakterielle Eigenschaften dank den ätherischen Ölen in Leptospermum scoparium. Bekannt ist, dass diese Stoffe antimikrobielle und heilende Eigenschaften haben. Deswegen bekämpfte Honig auch Erreger von ernsthaften Infektionserkrankungen effektiv – sogar solche, gegen die sich Antibiotika als wirkungslos erwiesen.

    Wissenschaftler vermischten Honig mit Medikamenten eines breiten Wirkungsbereichs – Rifampicin, Oxacillin, Gentamicin und Clindamycin, und erforschten sie dann an einigen Stämmen von Staphylokokkus aureus. Fast in allen Fällen verstärkte der Honig die Wirkung des Antibiotikums.

    Doch nach einiger Zeit stellten schwedische Forscher fest, dass es sich nicht um die Pflanze handelt, aus der der Honig produziert wurde, sondern um besondere Milchsäurebakterien in den Speiseröhren der Bienen, wo der Nektar gesammelt wird, aus dem sich anschließend Honig bildet.

    Forscher nahmen Bienen-Mikroorganismen aus Honig heraus und prüften ihre Effizienz beim methicillin-resistenten Staphylokokk, Pseudomonas aeruginosa und vancomycin-resistenten Enterokokk. Sie bekämpften diese gefährlichen Erreger wirkungsvoll. Das Geheimnis des Erfolges der Milchsäurebakterien sei ihre Anzahl und Vielfalt, so die Verfasser der Studie. Im Unterschied zu Antibiotika enthält Honig 13 nützliche Mikroorganismen, die den notwendigen bakteriellen Cocktail je nach der Bedrohung sammeln können.

    Dort, wo Antibiotika wirkungslos sind

    Neben Staphylokokken und Pseudomonas aeruginosa bekämpfte Honig auch die Bakterien Pseudomonas und Burkholderia cepacia complex, die schwere Infektionen in den Atemwegen auslösen. Diese Mikroorganismen können Lungen derart beschädigen, dass manchmal sogar eine Transplantation erforderlich ist.

    Bei dem Experiment der britischen Biologen wurden gefährliche Mikroben mit Honig bekämpft. Wissenschaftler züchteten Kolonien von Krankheitsbakterien im Lungengewebe eines Schweins, wonach versucht wurde, Mikroorganismen mithilfe von Antibiotika, Honig und einer Mischung aus Honig und Antibiotika zu bekämpfen. Im ersten Fall wurden 29 Prozent der Erreger vernichtet, im zweiten - 39 Prozent. Die Mischung erwies sich zu 90 Prozent effektiv.

    Laut den Verfassern der Studie ist Honig eine der wichtigsten Alternativen für Antibiotika, weil Krankheitsbakterien keine Resistenz gegen Honig haben. Allerdings muss zu seiner breiten Anwendung das Problem mit Insektiziden gelöst werden, von denen weltweit eine hohe Konzentration in Proben entdeckt wurde. Diese Stoffe sind zwar unschädlich für Menschen, doch sie können das Verhalten und die Konzentration der Bienen in der Gruppe verändern, ohne die die Blütenbestäubung unmöglich ist.

    Forschern zufolge muss ein Ersatz für die Insektizide gefunden werden, damit wir nicht ohne Honig auskommen müssen. Denn andernfalls würde der Menschheit nicht nur der Verlust einer Delikatesse drohen, sondern auch der einer wahrscheinlichen Lösung des Problems der Superbakterien, gegen die heute selbst stärkste Antibiotika machtlos sind.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Antibiotika, Homöopathie, Honig