02:50 12 Dezember 2019
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    Glatze (Symbolbild)

    Das Ende der „Glatze“? Haare können nun im Labor gezüchtet werden

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    Zum ersten Mal wurden Haare erfolgreich im Labor gezüchtet. Dabei kamen Stammzellen von Patienten, eine spezielle 3D-gedruckte Form und ein Wachstumscocktail zum Einsatz. Der deutsche Haarchirurg Andreas Finner sieht hier vor allem Hoffnung für Patienten mit zu vielen kahlen Stellen. Ist das das Ende der „Glatze“?

    Zum ersten Mal haben es Forscher der Columbia University geschafft, Haar komplett unter Laborbedingungen heranwachsen zu lassen. Hierfür nutzten sie spezielle Formen aus dem 3D-Drucker, in denen aus Stammzellen gezüchtete Haare in Röhren von einem halben Millimeter Breite heranwuchsen. In der 3D-Form wurden außerdem die Haare von einem Cocktail aus speziellen Wachstumsfaktoren versorgt, die das Wachstum stimulieren.

    © Foto : Columbia University Irving Medical Center

    Ist das die Revolution für die Haarmedizin? Zumindest in der Transplantationschirurgie könnte diese Entdeckung von großem Nutzen sein: „Diese Methode wäre eine gute Möglichkeit für viele Patienten, denen wir im Moment nur unzureichend helfen können, weil die Anzahl der Spenderhaare am Hinterkopf generell begrenzt ist. Gerade bei Patienten mit großen Kahlzonen oder Narben oder nach Bestrahlung oder Chemotherapie reicht das nicht immer aus, um eine vollständig dichte Abdeckung zu erzielen. Da ist es natürlich hilfreich, wenn es jetzt wirklich möglich wird, Haare als Ganzes zu züchten, wie auf einer Plantage im Labor und dann unbegrenzt Spenderhaare zur Verfügung zu haben“, betont Haarmediziner und Transplantationschirurg Andreas Finner im Sputnik-Interview.

    Betroffen sollen immerhin ein Drittel der Männer sowie über die Hälfte der Frauen sein, die zum Haarmediziner gehen. Mit anderen Worten: Derzeit müssen diese aus Mangel an transplantierbaren Haaren mit recht undichten Stellen weiterleben „Für diese wäre dann erstmals die Möglichkeit, eine Haartransplantation durchzuführen mit dauerhaften Haaren, die dann aber aus dem Labor kommen“, so Finner.

    © Foto : Columbia University Irving Medical Center

    Weniger entscheidend ist dagegen aus seiner Sicht die neue Entwicklung für Fälle mit kleineren Kahlzonen und ausreichend Spenderhaaren am Hinterkopf. Übrigens sollen weder die Haare vom Hinterkopf noch die Haare aus dem Reagenzglas wieder ausfallen, sondern verbleiben laut Finner „lebenslang“ in ihrem neuen Umfeld: „Die transplantierten Haarwurzeln vom Hinterkopf und auch die gezüchteten Haare haben keine Stammzellschwäche und keine Hormonempfindlichkeit.“

    Die Alternative zur Transplantation bleibt die medikamentöse Behandlung, sodass das Haar gar nicht erst ausfällt. Auch hier gibt es Vorstöße: „Wir sehen viele neue Entwicklungen auf dem Gebiet der Haarmedizin. Zum Beispiel bestimmte Botenstoffe, die entwickelt werden, damit das Haar gar nicht erst ausfällt oder wieder angeregt wird – als Medikamente“, so Finner. „Außerdem gibt es Studien aus dem Bereich Stammzelltherapie, wo das Haar wieder verjüngt wird, indem es mit Stammzellen wieder aufgefüllt werden kann. Aber das hilft alles nur, wenn man noch Haare hat. Und wenn man nicht genug Haare hat, hilft im Moment nur die Haartransplantation, wo es allerdings besser wäre, noch mehr Haare zur Verfügung zu haben.“

    Bislang transplantiert der Haarmediziner die Haare vom Hinterkopf an die kahlen Stellen. Dabei werden kleine Hautpartien entnommen und die Haare daraus herausgelöst. Danach werden am Zielort kleine Vertiefungen geschaffen, in die die Haare verpflanzt werden. Nebenwirkungen wie Krustenbildung, Schmerzen, Taubheitsgefühl, Schwellung sollen nach ein bis zwei Wochen abklingen. Die Haare wachsen allerdings zunächst noch sehr langsam und sind erst sechs bis 12 Monate nach der Operation sichtbar da.

    Das Interview mit Andreas Finner in voller Länge:

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    Tags:
    Haare, Forschung, 3D-Drucker, Glatze, Transplantation