12:46 07 Dezember 2019
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    Rettung für bedrohte Patienten? Desinfektionsroboter gegen tödliche Keime

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    Eine ungewöhnliche Erscheinung ist der diesjährige Sieger des Preises des Welt-Roboter-Verbandes: ein Desinfektionroboter, der mit UV-Licht Räume von Keimen befreit. Er verspricht eine Entlastung des Krankenhauspersonals und des Gesundheitssystems und hat sich auch in der Praxis in einem Hamburger Uniklinikum bereits erfolgreich geschlagen.

    Ansteckende gefährliche Infektionskrankheiten oder multiresistente Keime, die mit gängigen Antibiotika kaum zu behandeln sind – das sind Gründe, die hohe Ansprüche an die Krankenhaushygiene stellen. Auf der anderen Seite steht das ohnehin überlastete Krankenhauspersonal an seiner Leistungsgrenze. Einen Weg, die nötigen Routine-Desinfektionen durchzuführen und zugleich das Personal zu entlasten, soll der neuartige UVD-Roboter aus Dänemark weisen, der jüngst vom Welt-Roboter-Verband zum Sieger des Innovation and Entrepreneurship in Robotics and Automation Awards (IERA Award) gekürt wurde.

    Desinfektionsroboter gegen tödliche Keime
    © Foto : UVD Robots
    Desinfektionsroboter gegen tödliche Keime

    Der Roboter setzt zur Desinfektion auf UV-Licht, das Keime abtötet, und reinigt autonom Patientenzimmer und andere Räume. Ein Bewegungssensor meldet eine eintretende Person, worauf der Roboter sofort seine Arbeit einstellt, schließlich ist das hochenergetische Licht auch für den Menschen nicht eben gesund.

    Warum hat sich der Welt-Roboter-Verband (IFR) gerade für einen Desinfektionsroboter entschieden? „Es war ausschlaggebend, dass der Roboter ein großes Potential hat, dass er in einem neuen Bereich eingesetzt wird“, erklärt Susanne Bieller, IFR-Geschäftsführerin, die Grundlage für die Entscheidung. „Im Gegensatz zu den industriellen Robotern, die die meisten Leute schon einmal gesehen haben, zeichnet er sich dadurch aus, dass er sich im öffentlichen Bereich bewegen kann. Das erfordert eine besondere Sicherheitsfragestellung für den Hersteller, wenn man im öffentlichen Bereich eines Krankenhauses fährt.“

    Laut Bieller soll der Roboter in Krankenhäusern von zeitaufwändigen Desinfektionsarbeiten befreien und dabei Tests des Herstellers zufolge 99,99 Prozent der Keime abtöten. Durch einen parallelen Einsatz von mehreren Robotern im Krankenhaus ließe sich zudem eine höhere Desinfektionsrate erreichen, als es jetzt der Fall sei. Vor allem durch so verhinderte Infektionen ließen sich aus Biellers Sicht EU-weit jährlich mehrere Milliarden Euro einsparen. Ein weiterer Einsatz wäre auch in Laboren, bei der Lebensmittelproduktion und in der Pharmaindustrie denkbar, wo ebenfalls hohe Hygiene-Ansprüche bestünden.

    Mediziner: UV-Licht tötet zuverlässig ab

    Johannes Knobloch ist der Leiter des Arbeitsbereichs Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und hat den Roboter in einem freien Patientenzimmer getestet. Sein Fazit fällt etwas differenzierter aus: „Wir haben den UVD-Roboter unter standardisierten Bedingungen in einem Testraum, einem freien Patientenzimmer, ausprobieren können und können sagen, dass überall dort, wo das UV-Licht hinkommt, tatsächlich die Bakterien effizient abgetötet werden. Der Vorteil des Roboters ist, dass er sich aktiv im Raum bewegen kann und deswegen auch Bereiche, die im Schatten stehen, auch erreicht werden können. Aber in besonders verwinkelten Bereichen, die im Schatten bleiben, werden die Bakterien vielleicht nicht ganz eliminiert“, so der Mediziner.

    Der UVD-Roboter kann sich vor allem bei der Abschlussdesinfektion nützlich machen
    © Foto : UVD Robots
    Der UVD-Roboter kann sich vor allem bei der Abschlussdesinfektion nützlich machen

    Das sei allerdings nicht so kritisch, denn bei der Desinfektion seien die entscheidenden Stellen die, die häufig von Personal und Patienten mit den Händen berührt werden und von denen es gelte, dass hier Licht für gewöhnlich gut hinkomme.

    Derzeit erfolgt die Reinigung durch Reinigungspersonal – das zuweilen Fehler macht: „Wir wissen aus dem Alltag vieler Krankenhäuser, dass das zwar überall erfolgt, aber in Abhängigkeit der Schulung des entsprechenden Personals auch dabei Fehler passieren können, die bei einem automatisierten Prozess nicht erfolgen“, merkt Knobloch an.

    Einsatz nur für Abschlussdesinfektion

    Diese Aufgaben könnte der Roboter durchaus übernehmen, aber nur bei der Abschlussdesinfektion, wenn ein Patient entlassen wird, der mit bestimmten ansteckenden Keimen infiziert gewesen ist. Denn der Roboter kann nicht operieren, wenn der Patient im Raum ist. Das bedeutet für das Personal, dass die routinemäßig erfolgende Desinfektion von Oberflächen im belegten Patientenzimmer weiterhin zu ihren Tätigkeiten gehören wird.

    So wird der Roboter nur den Zielraum aufsuchen, aber arbeiten darf er nur in menschenleeren Räumen
    © Foto : UVD Robots
    So wird der Roboter nur den Zielraum aufsuchen, aber arbeiten darf er nur in menschenleeren Räumen

    Lohnt sich die Anschaffung? „Wir sind am Überlegen, ein automatisiertes Verfahren einzusetzen, da kommt ein solcher Roboter in die Erwägung“, antwortet Knobloch. Alternativ gebe es Verfahren, die mit „Raumvernebelung“ oder „Raumbegasung“ arbeiten würden. Allerdings müsse für diese Art der Desinfektion wegen der zuweilen gefährlichen Gase der Raum abgedichtet werden und später auch eine Wartezeit überbrückt werden, bis der Raum neu bezogen werden könne. Das würde für den Krankenhausbetrieb länger gesperrte Zimmer bedeuten.

    Das Interview mit Dr. Susanne Bieller in voller Länge:

    Das Interview mit Prof. Johannes Knobloch in voller Länge:

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    Tags:
    Gesundheit, Infektionen, Forschung, Roboter, Medizin