01:38 22 November 2019
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    Laser (Symbolbild)

    Weltweit stärkster Laser bei Hamburg bekommt schnellste Röntgen-Kamera

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    Der weltweit größte Freie-Elektronen-Laser (XFEL), der im Rahmen eines Projektes unter Teilnahme Deutschlands, Russlands und anderer europäischer Staaten gebaut wurde, hat die schnellste Röntgen-Kamera der Welt bekommen. Das wurde am Montag auf der offiziellen Seite des Projekts bekanntgegeben.

    Der European XFEL bei Hamburg prüfte demzufolge die schnellste Kamera für weiche Röntgenstrahlung der Welt erfolgreich.

    Speziell für das Projekt wurde der so genannte DSSC-Detektor entwickelt, der ultraschnelle Untersuchungen von elektronischen Spin- und Atomstrukturen im Nanobereich unter Verwendung jedes Röntgenblitzes des European XFEL ermöglichen soll.

    „Fantastische Leistung in Bezug auf die Detektorentwicklung“

    An der Entwicklung des DSSC-Detektors nahmen das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY, die Universität Heidelberg, das Politecnico di Milano, Istituto Nazionale di Fisica Nucleare und die Universität Bergamo teil. Der European XFEL koordinierte die Arbeit des internationalen Konsortiums.

    „Mit dem DSSC-Detektor haben wir gezeigt, dass es möglich ist, einzelne Photonen im weichen Röntgenbereich mit der sehr hohen Pulswiederholrate des European XFEL abzubilden“, zitiert der European XFEL den Projektleiter Dr. Matteo Porro.

    Diese „fantastische Leistung in Bezug auf die Detektorentwicklung“ eröffne der „Photonen-Wissenschaftsgemeinschaft einzigartige Möglichkeiten“.

    Der schnellste abbildende Detektor für weiche Röntgenstrahlen der Welt

    Bei voller Leistung kann der DSSC-Detektor Bilder mit einer Geschwindigkeit von 4,5 Millionen Bildern pro Sekunde aufnehmen, was der Geschwindigkeit der Röntgenblitze des European XFEL entspricht. Damit ist der DSSC der Mitteilung zufolge der schnellste abbildende Detektor für weiche Röntgenstrahlen der Welt.

    „Angesichts der Ergebnisse des ersten wissenschaftlichen Experiments mit dem DSSC-Detektor bin ich stolz auf das gesamte Projektteam und freue mich, dass unsere Bemühungen nun Früchte tragen. Das ist ein fantastischer Start für die zukünftige Entwicklung der DSSC-Detektortechnologie“, so Dr. Markus Kuster, Leiter der European XFEL Detektor Gruppe.

    European XFEL

    Der European XFEL ist eine internationale Röntgenlaser-Forschungseinrichtung in Hamburg und Schenefeld, an der zwölf Länder beteiligt sind und die eng mit dem Forschungszentrum DESY und weiteren internationalen Partnern zusammenarbeitet.

    Der 3,4 Kilometer lange European XFEL erzeugt extrem intensive Röntgenlaserblitze, die Forscher aus der ganzen Welt nutzen können. Die Röntgenblitze werden in unterirdischen Tunneln erzeugt und ermöglichen es, atomare Details von Viren zu erkennen, chemische Reaktionen zu filmen und Vorgänge wie im Inneren von Planeten zu untersuchen.

    Anlage: Errichtung und Baukosten

    Die Tunnel reichen vom DESY-Gelände in Hamburg bis ins schleswig-holsteinische Schenefeld, wo sich der Forschungscampus mit einer unterirdischen Experimentierhalle befindet. Die größtenteils unterirdische Anlage wurde von 2009 bis 2016 gebaut. Der wissenschaftliche Nutzerbetrieb begann 2017.

    Die Baukosten für die Anlage belaufen sich auf 1,25 Milliarden Euro (Preisniveau 2005). Davon trug Deutschland (Bund, Hamburg und Schleswig-Holstein) 57 Prozent. Russland übernahm 26 Prozent der Kosten, die anderen internationalen Partner zwischen einem und drei Prozent.

    mo/gs

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    Tags:
    European XFEL, Russland, Deutschland