22:08 19 November 2019
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    Die russische Inselgruppe Sewernaja Semlja (Archiv)

    Wie beeinflusste Pest europäische Wirtschaft? Arktisches Eis gibt Antwort

    © Sputnik / Ramil Sitdikov
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    Mit Hilfe von Eisbohrkernen haben Wissenschaftler um Joseph McConnell vom Desert Research Institute in der US-Stadt Reno (Bundesstaat Nevada) den Effekt von Seuchen auf die wirtschaftliche Entwicklung Europas recherchiert. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) veröffentlicht.

    Das internationale Forscher-Team, zu dem neben US-amerikanischen, britischen, norwegischen und dänischen auch deutsche Wissenschaftler aus Potsdam und Bremerhaven gehörten, analysierten die Spuren von Blei, das sich einst auf dem Eis in der Arktis abgesetzt hatte.

    Bleispuren als Indikator für die wirtschaftliche Aktivität

    Blei wird typischerweise bei der Verarbeitung bestimmter Metalle wie Silber und bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe frei. Seine Partikel werden von Windströmungen aufgegriffen und durch die Atmosphäre befördert, bis sie sich wieder absetzen.

    Da Blei mit der Verarbeitung von Edelmetallen wie Silber verbunden ist und da seine natürlichen Werte in der Umwelt sehr niedrig sind, fanden die Wissenschaftler, dass die Bleispuren im arktischen Eis als empfindlicher Indikator für die wirtschaftliche Aktivität im Laufe der Geschichte dienen können.

    13 Eisbohrkerne aus verschiedenen Arktis-Regionen

    Die Forscher analysierten 13 arktische Eisbohrkerne aus Grönland und der russischen Inselgruppe Sewernaja Semlja. Ihr Fokus richtete sich dabei auf die Jahre von 500 bis 2010 nach Christus.

    „Diese Sammlung von Eisbohrkernen liefert mit beeindruckenden Details eine kontinuierliche Dokumentation der europäischen – und später nordamerikanischen – Industrieemissionen in den letzten 1500 Jahren“, zitiert das Portal EurekAlert! McConnell.

    Bleikonzentrationen korrelieren mit Prosperität und Rückgängen in der Wirtschaft

    Zunehmende Bleikonzentrationen in den Eiskernen fielen laut der am Montag veröffentlichten Studie mit Expansionsperioden in Europa, dem Aufkommen neuer Technologien zusammen sowie mit dem wirtschaftlichen Wohlstand. Rückgänge bei der Bleiverunreinigung entsprachen hingegen den Phasen von Klimastörungen, Kriegen, Pest und Hungersnöten.

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    © REUTERS / Simon Dawson
    Ein anhaltender Anstieg der Bleiverunreinigungen im Früh- und Hochmittelalter (etwa 800 bis 1300 nach Christus) soll deshalb auf ein weit verbreitetes Wirtschaftswachstum hindeuten, insbesondere in Mitteleuropa, als neue Bergbaugebiete in Regionen wie der Harz und das Erzgebirge in Deutschland entdeckt wurden.

    Im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit (ungefähr zwischen 1300 bis 1680 nach Christus) nahm die Bleiverunreinigung in den Eisbohrkernen hingegen ab. In dieser Zeit suchte die Pest diese Regionen heim. Die Wirtschaftstätigkeit geriet damals ins Stocken.

    „Diese Daten von Eiskernen helfen auch Historikern, die Weisen zu verstehen und zu messen, wie Gesellschaften und ihre Volkswirtschaften auf externe Faktoren wie Klimastörungen, Seuchen oder politische Unruhen reagierten“, meinte Professor Andrew Wilson aus Oxford, Mitautor der Studie, laut dem Portal.

    mo/gs

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    Tags:
    Grönland, Russland, Arktis, USA, Europa