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15:21 18 August 2019
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    Leben wir bald auf dem Mars? Neues Material verspricht Aufenthalt wie auf der Erde

    Leben wir bald auf dem Mars? Neues Material verspricht Aufenthalt wie auf der Erde

    © Foto: Aerogel Technologies
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    Ein Material könnte die Pläne zur Besiedlung des Mars neu befeuern: Das Silikat-Aerogel ist so leicht wie Luft, sperrt das gefährliche UV-Licht aus und sorgt durch den Treibhauseffekt für Bedingungen, wie es das Leben von der Erde her gewohnt ist.

    Der Mars ist ein unwirtlicher Planet: Extreme Kälte, kein flüssiges Wasser und eine lebensfeindliche UV-Strahlung machen ihn für Leben und Besiedlungspläne nicht gerade attraktiv. Dennoch richten sich die Blicke der großen Weltraumnationen auf den Roten Planeten und viele Wissenschaftler beschäftigen sich mit der Frage, wie der Planet urbar gemacht werden könnte.

    Das Konzept Terraforming, bei dem die gesamte Atmosphäre des Planeten aufgeheizt werden sollte, erwies sich bei diesen Überlegungen als undurchführbar. An seine Stelle könnte nun eine neue Technik rücken, die die Marsbedingungen lokal verändern soll. Die Schlüsselrolle würde dabei ein poröses Material mit dem Namen „Aerogel“ spielen, ein Silikat, das einen ausgezeichneten Wärmespeicher abgibt, den ein Forscherteam um Robin Wordsworth von der Harvard University in Cambridge.

    Die Idee ist einfach: Bestimmte Gebiete des Mars sollen mit dem „Aerogel“ überspannt werden. Die Sonnenenergie gelangt durch das durchsichtige Material hindurch, wird aber daran gehindert, wieder hinauszugelangen und heizt so die darin enthaltene Luft an. Der Mechanismus ist nicht neu – er nennt sich Treibhauseffekt. Auf diese Weise könnten unter den Decken Pflanzen gedeihen und – was ebenso wichtig ist – Wasser in flüssiger Form vorliegen. Ein weiterer entscheidender Punkt: Die gefährliche UV-Strahlung würde vom Material noch vor Eintritt in das Treibhaus reflektiert werden. Damit wäre also auch die lebensfeindliche Strahlung in den künftigen Kuppelkonstruktionen gebannt.

    Bei dem Material selbst handelt es sich um einen Festkörper, der fast nur aus Luft besteht und extrem leicht, wärmedämmend und dabei stabil ist. Sichtbares Licht, das Pflanzen für die Photosynthese benötigen, soll es durchlassen, UV-Strahlung dagegen blockiert es.

    Im Computermodell funktioniert das Ganze übrigens schon: Laut den Forschern würde demnach eine zwei bis drei Zentimeter dicke Schicht des Materials genügen, um einerseits genug Licht für Pflanzen durchzulassen, andererseits gefährliche Strahlung zurückzuwerfen und für Temperaturen zu sorgen, die flüssigem Wasser und Leben zuträglich sind. Für die Aerogel-Kuppeln kommen aus Sicht der Wissenschaftler vor allem die mittleren Breiten des Roten Planeten infrage, wo es Wassereisvorkommen im oberflächennahen Bereich gibt und die Staubstürme sich in Grenzen halten.

    Die Forscher wollen ihre Idee auf der Erde erproben, denn auch hier gibt es ähnliche Bedingungen, etwa in trockenen Tälern der Antarktis oder Chiles. Die Ergebnisse der Forschergruppe sind in der Fachzeitschrift Nature erschienen.

    vr/sna

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    Tags:
    Klima, Mars