16:20 06 Dezember 2019
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    Zecken (Symbolbild)

    Hat Pentagon Borreliose-Zecken als Biowaffen ausgesetzt? Kongress fordert offizielle Untersuchung

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    Im ersten Moment klingt der Vorwurf wie eine hollywoodreife Verschwörungstheorie: das Pentagon soll an Zecken als Biowaffen experimentiert und so die Verbreitung der Lyme-Borreliose ausgelöst haben. Der US-Kongress nimmt diesen schockierenden Verdacht allerdings todernst und fordert eine offizielle Untersuchung.

    Wie Medien übereinstimmend mit Verweis auf das US-Zentrum für Krankheitskontrolle und Vorbeugung (CDC) berichten, könnte das Pentagon 25 Jahre lang, zwischen 1950 und 1975, experimentiert haben, ob sich Zecken und andere Insekten möglicherweise als Biowaffen einsetzen lassen.

    Der Idee nach sollen die mit dem Lyme-Borreliose-Erreger infizierten Zecken Feinde befallen und diese infizieren. Bei den Experimenten könnte es zu einem Unfall gekommen sein, sodass manipulierte Zecken des US-Verteidigungsministeriums aus dem Labor ausbüxen konnten.

    Genau deshalb habe sich die Lyme-Borreliose sprunghaft ausgebreitet, so der immer ernster werdende Verdacht. Allein in den USA solle es deshalb geschätzt 300.000 Neu-Erkrankte pro Jahr geben.

    Kongress fordert Untersuchung

    Dieser Vorwurf klingt im ersten Moment doch allzu abenteuerlich und schon fast hollywoodreif, offizielle US-Behörden nehmen ihn allerdings bitterernst.

    Das US- Repräsentantenhaus fordert jetzt eine offizielle Untersuchung.

    Dabei soll geklärt werden:

    Der Vorgang geht dabei auf die Initiative des Republikaners Chris Smith zurück, der für den US-Bundesstaat New Jersey im Repräsentantenhaus sitzt und in mehreren Büchern und Artikeln Hinweise darauf gefunden haben soll, dass in Einrichtungen der US-Regierung umfangreiche Forschungsarbeiten an Insekten und Zecken stattgefunden hätten.

    Smith beruft sich zudem auf das Mitte Mai veröffentlichte Buch „Bitten: The Secret History of Lyme Disease and Biological Weapons“ von Kris Newby, Autorin an der Stanford School of Medicine, die selbst an Lyme-Borreliose erkrankte.

    Laut Newby war der 2014 verstorbene Entdecker der Krankheit, Willy Burgdorfer, auch Experte für Biowaffen. Er soll gemeinsam mit anderen Forschern des US-Militärs in den 60er Jahren Zecken gezielt mit Erregern infiziert haben, um sie gegen Feinde einsetzen zu können.

    Solche Biowaffen-Zecken sollten „schwere Behinderungen, Krankheiten oder sogar Todesfälle bei möglichen Feinden verursachen“, sagte Politiker Smith.

    Dass dies zumindest in der Theorie möglich ist, stimmt tatsächlich. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) kann die Erkrankung besonders die Haut, die Gelenke, aber auch das Nervensystem treffen.

    „Dokumentation sehr überzeugend”

    Nun verlangt die demokratisch dominierte Kammer des US-Kongresses vom Generalinspekteur des US-Verteidigungsministeriums offiziell die Prüfung der Sache.

    „Wenn das alles wahr ist - und die Dokumentation ist sehr überzeugend, (…) dann haben wir mit Bio-Waffen in einer grob unmoralischen Weise hantiert. Es ist eine schockierende Lektüre", so der Abgeordnete Smith zu seiner Heimatzeitung „Asbury Park Press“ (APP).

    Ob es zu dieser Untersuchung kommen wird, bleibt allerdings unklar. Der Antrag wurde zusammen mit einem Gesetzentwurf über Verteidigungsaufgaben auf den Weg zur Entscheidung gebracht, muss aber noch mit der Version des republikanisch geführten Senats in Einklang gebracht werden.

    Wie das ausgeht, bleibt offen.

    ng/

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    Tags:
    Zecke, Pentagon, Biowaffen