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    Gut für die Gesundheit? Nahrungsergänzung oft nutzlos und manchmal gefährlich (Symbolbild)

    Gut für die Gesundheit? Nahrungsergänzung oft nutzlos und manchmal gefährlich

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    Valentin Raskatov
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    Weder helfen sie gegen Herzerkrankungen noch verlängern sie das Leben. Zu diesem Schluss kommt eine Metastudie zur Ernährung bei nahezu allen Vitamin- und Mineralergänzungen. Eine Kombination erhöht sogar das Schlaganfallrisiko um 17 Prozent. Untersucht wurden dafür insgesamt 277 klinische Studien, die solche Diäten unter die Lupe genommen hatten.

    Jemand, der Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, will seinem Körper etwas Gutes tun und trägt Sorge, dass er mit seiner täglichen Nahrung zu geringe Mengen wichtiger Stoffe zu sich nehmen könnte. Rund um diese Sorge hat sich eine ganze Industrie angesiedelt, die ein gesünderes und längeres Leben verspricht. Dieses Versprechen scheint aber haltlos zu sein, denn fast alle Ergänzungen bewirken überhaupt nichts, eine Kombination sei sogar gefährlich, wie eine neue Meta-Studie zeigt.

    Die Studie hat hierfür Daten aus 277 klinischen Studien mit insgesamt 992.129 Probanden herangezogen und ausgewertet. Untersuchungsgegenstand dieser Studien wiederum waren 16 Vitaminergänzungen mit Blick auf die Sterblichkeit der Konsumenten sowie das Auftreten von Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Bei nahezu allen untersuchten Ergänzungsmittel, darunter Multivitamine, Selen, Vitamin A, Vitamin B6 und Vitamin D ließ sich kein Zusammenhang mit einer Erhöhung oder einer Verminderung des Sterberisikos oder des Risikos von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachweisen.

    Herzprobleme? Statt vielen Präparaten lieber weniger Salz

    Nur bei drei Diät-Maßnahmen ließen sich statistisch bedeutsame Zusammenhänge beobachten. Am augenscheinlichsten war der Zusammenhang zwischen Niedrig-Salz-Diäten und Herzerkrankungen: Hier senkte sich die Sterberate bei sonst gesunden Testpersonen um zehn Prozent. Außerdem zeigten Omega-3-Fettsäuren sowie Folsäure positive Wirkung, die die Forscher aber als recht gering einstuften.

    Die einzige Nahrungsergänzung, die die Sterblichkeit und Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sogar erhöhe, war die um Kalzium- und Vitamin D. Beides für sich genommen zeigte weder Vorteile noch Nachteile für die Gesundheit. Bei gleichzeitiger Einnahme dagegen wurde die Gefahr eines Schlaganfalls um 17 Prozent erhöht.

    Es handelt sich nicht um die erste Meta-Studie, die zu einem solchen Ergebnis kommt. Zwei ähnliche Studien aus dem Jahr 2018 kamen zu fast den gleichen Schlüssen: Nahrungsergänzung bewirke bei gesunden Erwachsenen keinerlei Gesundheitssteigerung oder Lebensverlängerung.

    Die Industrie der falschen Versprechungen?

    Solche Studien sind von Bedeutung, da über die Hälfte der US-Amerikaner jeden Tag Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehme, die sie nicht unbedingt bräuchten. Die Einnahmen in diesem Bereich liegen bei jährlich 30 Milliarden US-Dollar. Auch in Deutschland entwickelt sich der Markt rasant: Zahlen des Lebensmittelverbands Deutschland zufolge lagen die Ausgaben für Nahrungsergänzungsmittel 2017 bei 1,31 und 2018 schon bei 1,44 Milliarden Euro.

    Die Forschungsergebnisse wurde in der Fachzeitschrift Annals of Internal Medicine veröffentlicht.

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    Tags:
    Gesundheit, Diät, Vitamin, Ernährung