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03:44 22 September 2019
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    Bakterien (Symbolbild)

    Woher die nächste Invasion von „Superbakterien“ zu erwarten ist – Forscher klären auf

    © Fotolia / Giovanni Cancemi
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    Der nächste große Ausbruch von Pneumonie kann laut den Ärzten in europäischen Krankenhäusern passieren, wo sich in den letzten Jahren neue Stämme von Krankheitserregern verbreiten, die gegenüber praktisch allen Antibiotika resistent sind. Darüber berichten die Mediziner im Fachmagazin „Nature Microbiology“.

    „Wir hoffen darauf, dass eine gute Arbeit der Sanitätsdienste in Krankenhäusern, darunter eine frühzeitige Identifizierung und Isolation der Träger dieser Mikroben, uns helfen wird, die Verbreitung derartiger Bakterien nicht nur einzudämmen, sondern auch zu stoppen. Dazu muss man die Wanderung dieser Mikrobe beobachten und ein genetisches Screening durchführen“, sagte Hajo Grundmann von der Universität Freiburg (Deutschland).

    Resistent gegenüber Antibiotika

    In den letzten Jahren steht vor den Medizinern immer breiter und schärfer das Problem des Auftauchens von sogenannten „Superbakterien“ – jenen Bakterien, die resistent gegenüber einem Antibiotikum oder gleich mehreren Antibiotika sind.

    Unter diesen gibt es sowohl seltsame Infektionserreger als auch sehr verbreitete und höchst gefährliche Pathogene – wie beispielsweise Staphilococcus aureus oder Streptococcus pneumaniae. Es existiert somit die reale Gefahr, dass alle Antibiotika ihre Effizienz verlieren werden und die Medizin in die „dunklen Zeiten“ zurückkehren wird.

    Haupt-„Inkubatoren“ solcher Mikrobe sind, wie die Wissenschaftler heute behaupten, Krankenhäuser und Viehzuchtfarmen, wo die Antibiotika für die Beschleunigung des Wachstums von Viehfleischrassen eingesetzt werden. Und auf den  Farmen und in den Krankenhäusern sind große Mengen von potentiellen Infektionsträgern, von Bakterien selbst sowie von Antibiotika konzentriert, die sie zu evolutionieren zwingen und „gewöhnlichen“ Bakterien nicht die Möglichkeit geben, die weniger fruchtbaren Supermikroben wegzudrängen.

    Diese Prozesse haben, wie Grundmann und seine Kollegen entdeckten, bereits zumindest vier „unverwundbare“ Vielfalten der Mikrobe Klebsiella pneumaniae erzeugt – eines der gefährlichsten Pneumonie-Erreger. Ihre Verbreitung in den Krankenhäusern Europas führte dazu, dass die Zahl von Todesfällen an dieser Krankheit binnen der letzten zehn Jahre um das Sechsfache  gestiegen ist.

    Alleuropäische "Erfassung" von Mikroben

    Die Ärzte haben die Entdeckung bei einer eigenartigen alleuropäischen „Erfassung“ von Mikroben gemacht, die zu der Familie von Enterobacteriaceae  gehören. Zu diesen gehören gewöhnliche Darmbakterium (Escherichia coli), Salmonella, Pestbakterium, verschiedene Pneumonie-Erreger sowie eine Vielfalt von nützlichen Mikroben.

    Für die Forscher war interessant, wie der weltweite Gebrauch von Antibiotika, darunter von „Arzneien der letzten Hoffnung“ aus der Zahl der sogenannten Carbapeneme, das bewirkt hätte, wie oft gefährliche und wohltuende Bakterien für ihre Einwirkung unanfechtbar wurden.

    Dafür hatten sie die Mitarbeiter von fast 500 europäischen Krankenhäusern in dreißig Ländern des Subkontinents gebeten, die Muster von Supermikroben zu sammeln, die in den Körpern ihrer Patienten gefunden worden waren, sowie auch „gewöhnliche“ Bakterien, auf welche die Antibiotika noch ihre Einwirkung behalten hatten.

    Bei der Analyse dieser Testproben entdeckten die Biologen, dass fast 2000 davon die Klebsiella pneumoniae enthalten hatten. Solch eine große Verbreitung dieser Bakterie hatte Grundmann und sein Team gezwungen, ihre Population in Europas Krankenhäusern detailliert zu untersuchen.

    Vier große Mikroben-"Familien" ausgesondert

    Es stellte sich heraus, dass etwa die Hälfte davon bereits jene Gene hatte, die diese Bakterie vor Carbapenem und anderen Antibiotika schützten, dabei waren in unterschiedlichen Regionen „eigene“ Vielfalten von Klebsiella pneumoniae präsent, die diverse Mechanismen der Neutralisierung von Medikamenten erarbeitet hatten. Im Großen und Ganzen haben die Forscher vier große „Familien“ derartiger Mikrobe ausgesondert.

    Wie Grundmann betont, spreche der Charakter der Verbreitung dieser Bakterien in Europa davon, dass sich diese Bakterien hauptsächlich im Innern der Krankenhäuser verbreiten sowie unter den medizinischen Einrichtungen, die in denselben Städten und Regionen einzelner Länder liegen. Mit anderen Worten dienen Krankenhäuser bislang als Hauptort für die weitere Verbreitung von „Superbakterien“ auf dem Kontinent.

    Einerseits zeuge dies davon, dass die Krankenhäuser höchstwahrscheinlich eine Hauptquelle für die nächste große Epidemie von Pneumonie sein würden, andererseits weise das darauf hin, dass die Verbreitung dieser Form von unanfechtbaren Mikroben gezügelt werden könne, wenn ihre Träger in Krankenhäusern rechtzeitig ermittelt und isoliert würden, schließen die Forscher.

    ek/mt

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    Tags:
    Krankenhäuser, Pneumonie, Mikroben, Antibiotika, Bakterien, Fachmagazin "Nature Microbiology"