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    Unwetter (Symbolbild)

    Die ganze Wahrheit: Wie krank macht uns das Wetter wirklich?

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    Bei starken Veränderungen des Luftdrucks bekommt man Kopfschmerzen, regnerisches Wetter verschärft das Rheumaleiden, bei starken Abkühlungen steigt das Risiko von Herzinfarkten.

    Nicht alle dieser verbreiteten Annahmen sind wissenschaftlich bestätigt.

    Schmerzen die Knochen bei feuchtem Wetter?

    Im Juni 2012 haben sich etwa 20 Australier, die an Osteoporose des Kniegelenks leiden, auf einer speziellen Webseite angemeldet. Auf ihrem Account mussten sie eine Taste jedes Mal drücken, wenn sie Schmerzen in Gelenken seit mehr als acht Stunden in Folge hatten. Dabei mussten sie angeben, wie stark die Schmerzen waren.

    Diese Daten wurden an Wissenschaftler der Universitäten Melbourne und Sydney übermittelt, die sie mit Kennzahlen der Temperatur, relativen Feuchtigkeit, des Luftdrucks und der Niederschläge im Wohnort der Patienten verglichen. Zudem wurde das Wetter auch an den Tagen analysiert, als sie keine Schmerzen hatten.

    Erste Ergebnisse zeigten, dass es keinen Zusammenhang zwischen den Wetterveränderungen und Gelenkschmerzen gibt. Damals wurde beschlossen, die Auswahl zu erweitern und das Projekt bis Juli 2014 zu verlängern. In dieser Zeit nahmen an der Studie mehr als 300 Freiwillige teil, jeder von ihnen verfolgte Schmerzen durchschnittlich im Laufe von drei Monaten. Die Schlussfolgerungen waren immer dieselben – die Entstehung der Schmerzen und ihre Intensität hingen nicht mit den Änderungen der Temperaturen bzw. des Luftdrucks zusammen.

    Zugleich hat der zweite Teil des Forscherteams zu einem ähnlichen Projekt fast 1000 Freiwillige herangezogen, die über ständige Rückenschmerzen klagten. Spezialisten beobachteten sie rund zwei Jahre lang und kamen zu einem ähnlichen Schluss – die Kreuzschmerzen tauchten unabhängig vom Wetter auf.

    Die Ergebnisse der australischen Wissenschaftler stimmen vollständig mit Ergebnissen von norwegischen Spezialisten überein. Sie analysierten neun Studien zum Thema Wetterabhängigkeit bei Arthritis. In keinem Fall wurde ein stabiler Einfluss des Wetters auf die Gelenkschmerzen nachgewiesen. Allerdings behaupten niederländische Wissenschaftler, die zwei Jahre 200 Patienten beobachteten, dass es einen solchen Zusammenhang doch gebe. Die Intensität der Knieschmerzen habe bei zunehmender Feuchtigkeit und steigendem Luftdruck zugenommen.

    Wenn der Kopfschmerz beginnt

    Über Migräne beklagt sich jeder siebte Erwachsene in der Welt. Die genauen Gründe ihrer Entstehung sind bislang nicht bekannt, obwohl vermutet wird, dass Kopfschmerzen mit angeborenen Besonderheiten der Nervenzellen verbunden sind.

    Deutsche Wissenschaftler zeigten bereits 2010, dass diese Behauptungen rationell sind. Sie beobachteten im Laufe eines Jahres 20 Einwohner Berlins, die an Migräne leiden, und verglichen ihre Angaben über Schmerzen mit den Wetterverhältnissen in der deutschen Hauptstadt. Bei etwa einem Drittel der Patienten (sechs Menschen) verschärften sich die Schmerzen tatsächlich an kalten und feuchten Tagen.

    Japanische Wissenschaftler überprüften auf eine ähnliche Weise 34 Freiwillige mit chronischer Migräne. Sie beschwerten sich alle tatsächlich über starke Kopfschmerzen selbst bei einem geringen Rückgang des Luftdrucks. Laut einer Studie der kanadischen Forscher, an der 20 Patienten mit Kopfschmerzen teilnahmen, tauchte sie umgekehrt an Tagen mit einem höheren Luftdruck auf.

    Laut taiwanesischen Experten sind Kopfschmerzen das Ergebnis von Abkühlung – zu diesem Schluss kamen sie nach der Analyse der Daten von 66 Probanden. Bei der Hälfte der Freiwilligen schmerzte der Kopf häufiger im Winter als im Sommer. US-Spezialisten meinen wiederum, dass Kopfschmerzen häufiger an warmen und feuchten Tagen beginnen.

    Experimentell bewiesen

    Die meisten Studien über den Einfluss des Wetters auf die Gesundheit sind subjektiv. Fast alle Studien basieren auf Analysen von Statistiken bei Arztbesuchen bzw. Umfragen unter Patienten. Es ist nicht einfach, klinische Experimente nach allen Regeln, mit einer Kontroll- und Versuchsgruppe durchzuführen. Vor allem dann nicht, wenn es um Menschen mit Arthritis und chronischen Kopfschmerzen geht.

    Hitze in Paris
    © REUTERS / PASCAL ROSSIGNOL

    Allerdings wagten sich deutsche Wissenschaftler an dieses Vorhaben. 75 absolut gesunde Freiwillige wurden innerhalb mehrerer Tage in Klimaräume gebracht, wo das Niveau des Luftdrucks und der Feuchtigkeit modelliert werden konnte. Es stellte sich heraus, dass niedrigerer Luftdruck und höhere Feuchtigkeit tatsächlich den Menschen beeinflussen – er  spürt schlechter Gerüche, aber mehr auch nicht.

    Inzwischen wird der Einfluss einiger Wetterfaktoren auf die Gesundheit auch ohne solche Experimente bestätigt. So wiesen gleich mehrere Studien nach, dass starke Abkühlungen zu einem Anstieg der Herz- und Gefäßkrankheiten führen. Japanische Ärzte kamen nach einer Analyse von 28.000 Patienten zum Schluss, dass Herzanfälle außerhalb des Krankenhauses bei Temperaturen unter 18 Grad mit einem Rückgang von jeweils fünf Grad um 11 Prozent häufiger vorkommen. Nach Angaben schwedischer Kardiologen kommt es bei Lufttemperaturen unter null Grad um 10 Prozent häufiger zum Herzanfall.

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    Tags:
    Wetter, Klimawandel, Gesundheit, Kopfschmerzen