03:34 15 November 2019
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    Das ist nicht mehr wichtig: Was im Alter weniger wert ist

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    Russische Wissenschaftler haben den Zusammenhang zwischen dem Älterwerden der Menschen und konservativen Werten in verschiedenen Ländern der Welt verglichen. Zu den Fragen gehörten unter anderem: „Wie kann der Wunsch, aufs Land zu ziehen und die Karriere aufzugeben, die Weltwirtschaft beeinflussen?

    Unterscheiden sich die Werte der Erwachsenen in Industrieländern und ärmeren Ländern? Antworten auf diese Fragen bekommen Sie in diesem Artikel von Sputnik.

    Karriere, Armut und Traditionen

    Laut einer Studie von Wissenschaftlern der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Öffentlichen Dienst beeinflusst das Alter die Werte des Menschen. Demnach sind konservative Werte und das Streben nach Komfort für älter werdende Menschen in der ganzen Welt aktuell, während der Wunsch zur Entwicklung und Veränderung der umgebenden Welt in den Hintergrund treten.

    Die Grundlage der Studie bildeten die Werte aus der Theorie des Psychologen Shalom Schwartz: Konservatismus (Sicherheit, Tradition, soziale Harmonie), Offenheit für Änderungen (Selbstständigkeit, Risiko), Sorge um Andere (Wohlwollen, Toleranz) und Selbstbehauptung (Macht, Errungenschaft, Vergnügen).

    „Es wurde festgestellt, dass die Werte der Altersgruppen sich in der ganzen Welt mit dem Älterwerden nach einem einheitlichen Muster ändern. Mit dem Alter teilen die Menschen mehr konservative Werte und sind mit der Sorge um Andere befasst, während die Werte der Offenheit für Veränderungen und Selbstbehauptung allmählich in den Hintergrund treten. Dabei gibt es eine regionale Spezifik, die kulturelle Unterschiede der Makroregionen widerspiegelt, die allerdings das Gesamtbild nicht revidiert“, so der stellvertretende wissenschaftliche Leiter des internationalen Labors für Demografie und menschliches Kapital der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Öffentlichen Dienst, Sergej Schulgin.

    Laut den Wissenschaftlern ist die Bevölkerung in Westeuropa mit dem Alter weniger offen für Veränderungen und strebt weniger eine Selbstbehauptung an, schätzt dafür mehr die Traditionen und kümmert sich um Andere. Dieselben Tendenzen sind am Beispiel der ehemaligen angelsächsischen Umsiedlungskolonien zu erkennen.

    In den Ländern Osteuropas (Weißrussland, Bulgarien, Moldau, Russland, Rumänien, Serbien und Ukraine) ist der Unterschied zwischen Jung und Alt nach diesen Kennzahlen deutlich höher als durchschnittlich in Westeuropa. Die Jugend baut aktiv ihre Karriere auf, hat flexible Lebensansichten und ist auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen zum Umzug bereit, während Ältere mehr Stabilität wollen. Forschern zufolge hängt das möglicherweise mit den aktiven Prozessen der Entwicklung der Gesellschaft nach der Absage an den Kommunismus zusammen.

    „Dennoch ist der Umstand wichtiger, dass nach unseren Kennzahlen nicht nur in postindustriellen demokratischen und ehemaligen kommunistischen Ländern, sondern auch in der überwiegenden Mehrheit der Entwicklungsländer ein bedeutender Unterschied bei den Werten der Jungen und Älteren zu erkennen ist. In den Entwicklungsländern sind traditionelle Werte für ältere Menschen typisch und für junge Menschen fremd – ungefähr in demselben Maße wie im entwickelten Westen“, sagte Schulgin.

    Soll heißen: In armen Ländern wie Algerien, Ägypten, Jordanien, Irak, Iran, Marokko, Palästina, Tunesien bzw. der Türkei werden Menschen mit dem Alter nicht viel skeptischer gegenüber Veränderungen, als es in Westeuropa der Fall ist.

    In den Ländern Asiens ist die Abhängigkeit zwischen dem Alter und den Werten wesentlich niedriger als in Westeuropa. Traditionen verlieren nahezu nicht an Wert und sind für die Bevölkerung im Laufe des gesamten Lebens wichtig, doch mit dem Alter wird die Treue zu ihnen stärker.

    Der geringste Zusammenhang zwischen den Werten von Konservatismus und Altern ist in Afrika südlich der Sahara zu erkennen, wo sich Länder mit einem geringen Bevölkerungseinkommen befinden. In diesen Ländern werden Änderungen unabhängig vom Alter schwieriger angenommen, auf dem ersten Platz liegen die grundlegenden physischen Bedürfnisse und die Treue zu Traditionen statt Selbstbehauptung, Wunsch nach Entwicklung und Vergnügen.

    Der Einfluss des Konservatismus auf Weltpolitik und Wirtschaft

    Laut den Wissenschaftlern kann in der Zukunft wegen des intensiven globalen Alterns der Bevölkerung ein Wachstum der Werte des Konservatismus vermutet werden, was ein Grund für die Verlangsamung des globalen Tempos der sozialwirtschaftlichen und technologischen Entwicklung auf lange Zeit sein kann.

    Auf der anderen Seite kann das globale Altern der Bevölkerung ein globales Ansteigen der Treue zu den Werten der Sorge um Andere und der Intoleranz gegenüber asozialem Verhalten fördern, was einen bedeutenden harmonisierenden und stabilisierenden Einfluss auf sozialpolitische Systeme im globalem Ausmaß haben kann.

    „Mit dem Alter ist ein reales Wachstum der Treue zu den Werten der Sorge um Andere zu erkennen; Menschen in Industrieländern neigen zu mehr Vertrauen gegenüber dem Parlament, politischen Parteien und dem Staatsapparat (ähnliche Ergebnisse wurden auch für Russland erhalten)“, sagte Schulgin.

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    Tags:
    Werte, Forschung, Alterung, Alter