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13:00 18 Oktober 2019
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    Müllhaufen am Strand nahe Dakar

    Experten schlagen Alarm: Ab jetzt lebt die Menschheit auf Pump

    © REUTERS / ZOHRA BENSEMRA
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    2019 haben die Länder den Umfang erneuerbarer Ressourcen ausgeschöpft, den unser Planet innerhalb eines Jahres erneuern kann. Am 29. Juli hat die Menschheit die natürlichen Ressourcen der Erde – Wasser, Erdboden und Luft – für das Jahr 2019 aufgebraucht und lebt fortan auf Pump. Experten analysieren die Situation im Gespräch mit Sputnik.

    Der sogenannte Erdüberlastungstag wurde von der Forschergruppe Global Footprint Network in Kalifornien berechnet. Laut Studie wären heute 1,75 Erden notwendig, um die vom Menschen verbrauchten ökologischen Ressourcen wiederherzustellen. Würde die Weltbevölkerung insgesamt so leben und wirtschaften wie die Amerikaner, wären sogar fünf Erden nötig. Bei den Russen wären es  3,2 Erden und den Deutschen drei, hieß es.

    Die stetig wachsende Bevölkerung beeinflusst die Ökologie, sagte Stephan Kohler, Experte für Fragen der Energieeffizienz, gegenüber Sputnik.

    „Wir haben über sieben Milliarden Menschen mit auch weiter steigender Tendenz und diese große Anzahl von Menschen ist eine besondere Herausforderung, weil die Menschen einen guten oder gehobenen Lebensstandard haben möchten. Die Menschen, ob in Afrika oder Indien oder sonst wo auf der Welt, orientieren sich nach dem Lebensstil der Industrieländer. Und so möchten sie auch leben. Wenn das passieren würde, dann hätten wir ein Riesenproblem nicht nur wegen  dem Klima, sondern auch bei der Wasserversorgung, bei der Nahrungsmittelproduktion. Deshalb ist es aus meiner Sicht unausweichlich, dass wir möglichst schnell hocheffiziente Technik für Fahren, Lebensmittelproduktion, Wasseraufbereitung und so weiter entwickeln, um so eine große Masse von Menschen versorgen zu können.“

    Da die Menschen keinen Ersatzplaneten hätten, müssten sie lernen, auf der Erde auf eine Art zu leben, die ihr keinen Schaden zufüge, betonte Maxim Schingarkin, Experte für Umweltsicherheit und Gründer des Umweltfonds „Der Bürger“, im Gespräch mit Sputnik. 

    Der Ökologe wies darauf hin, dass die Menschen in den letzten Jahrzehnten neue moderne Methoden der Überwachung des Planeten entwickelt hätten. Dabei seien neue Netze entstanden, die von erweiterter Nachrichtenproduktion profitierten. Dadurch sei eine merkwürdige Situation entstanden: Ereignisse, die vor 20 Jahren niemandem außer einem engen Fachkreis bekannt gewesen seien, stünden nun in den Schlagzeilen.

    „Darunter natürlich ökologische Fragen. Sie werden von Menschen kommentiert, die meilenweit vom Verstehen der Naturerscheinungen entfernt sind – von ihren Zusammenhängen und ihrer Multidimensionalität. Sie haben keine Ahnung von den vergangenen Erfahrungen der Menschheit und vom Zustand der Erde im vergangenen Zeitraum”, so Schingarkin.

    Laut ihm bezeichnen die Massenmedien die Situation als katastrophal, weil sie gleichzeitig Regenfälle und Brände beobachten, zum Beispiel Brände in Sibirien in der Region Krasnojarsk und starke Regenfälle in der Region Irkutsk.

    „In Wirklichkeit ereignen sich Waldbrände in Sibirien systematisch seit zigtausend Jahren. Überschwemmungen gab es noch bevor die Menschen dort ansässig wurden. Wir besprechen heute verdrehte Ereignisse, deren Maßstab wir nicht verstehen. Einerseits ist es gut so. Die Menschen versuchen auf die Signale zu hören, die uns die Erde gibt. Und der Sinn ist hier eindeutig: Man muss dort, wo man lebt, für die Sauberkeit der Umwelt kämpfen. Wenn wir die Welt um uns herum zum Besseren verändern, wird uns die Erde mit guten Nachrichten erfreuen”, so der Umweltexperte.

    Der globale Zustand der Erde hänge nicht von der menschlichen Tätigkeit ab, meint er. Die bleibe unbemerkt für die Erde. Der riesige Weltozean schütze den Planeten vor raschen Veränderungen. Wenn das Schlimmste passiere und die Menschheit vom Erdboden verschwinde, werde es nach tausend Jahren keine Spur von Menschen mehr geben.

    „Wenn wir auf die jahrtausendlange Menschheitsgeschichte zurückschauen, sehen wir, dass die bisherigen Klimaschwankungen die heutigen Veränderungen um das Vielfache überschritten haben. Unsere fernen Vorfahren lebten in einer völlig anderen Klimarealität und waren nur durch den eigenen Verstand geschützt. Wir machen uns aber heute Sorgen um die Naturkatastrophen, obwohl wir durch das Gemeingut der ganzen Zivilisation geschützt sind”, so Maxim Schingarkin.

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    Tags:
    Umweltbelastung, Erde, Umweltschutz