09:31 16 Dezember 2019
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    Sandstrand auf der Krim (Archivbild)

    Meere steigen seit 50 Jahren an – nicht nur wegen der Gletscherschmelze

    © Sputnik / Sergej Malhawko
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    Seit 50 Jahren beschleunigt sich der Anstieg der Weltmeere. Das haben Forscher der Universität Siegen zum ersten Mal aus weltweiten Pegeldaten errechnet. Für die Beschleunigung sind laut der Studie nicht Gletscher allein verantwortlich, sondern auch warme Westwinde, die das Wasser umverteilt und für eine Ausdehnung des Wasserkörpers gesorgt haben.

    Der Meeresspiegel steigt nicht erst seit den 1990er Jahren, allerdings ist der Stand der Weltmeere erst seit 1993 mit Satellitendaten global erfasst. Wer in die Vergangenheit zurückgeht, muss sich auf regionale Pegelmessungen verlassen und versuchen, die Tendenz aus den Daten zu rekonstruieren.

    Meeresspiegel aus Pegeldaten exakt rekonstruiert

    Genau das ist nun Forschern vom Forschungsinstitut Wasser und Umwelt (fwu) an der Universität Siegen gelungen.

    „Wir haben herausgefunden, dass der Meeresspiegel über das 20. Jahrhundert, wie es schon vorherige Studien aufgezeigt haben, angestiegen ist. Hinzu kommt, dass der Meeresspiegel beschleunigt angestiegen ist – und zwar schon seit den 1960er Jahren“, teilt Sönke Dangendorf, wissenschaftlicher Mitarbeiter am fwu, gegenüber Sputnik mit.

    Bislang habe man einen beschleunigten Anstieg nur für die letzten 25 Jahre anhand von Daten demonstrieren können, und es sei nicht klar gewesen, „ob das ein Phänomen ist, das zeitlich überlappt mit der Einführung dieser Satelliten oder ob das etwas ist, was vorher schon begonnen hat“, so der Forscher. Mit ihrer Methodik sei den Forschern eine flächenmäßige Rekonstruktion der Meeresspiegel gelungen - „in derselben räumlichen Auflösung wie das Satelliten auch zulassen“, also von einer hohen Genauigkeit.

    Winde drängen warme Wassermassen nach Norden

    Diese konstatierte Beschleunigung ist laut den Forschern maßgeblich von der südlichen Hemisphäre ausgegangen und soll Folge einer „thermalen Ausdehnung des Ozeans“ sein, die die Forscher nicht auf Gletscherschmelze zurückgeführt haben. Vielmehr ist für diese Entwicklung eine Entwicklung des Westwindgürtels verantwortlich, der sich in den letzten Jahrzehnten sehr stark intensiviert habe. „Das sorgt dafür, dass die warmen Oberflächenwassermassen in dieser Zone nach Norden transportiert werden und gleichzeitig strömt dann kaltes Tiefenwasser nach, welches die Wärme aus der Atmosphäre schneller aufnehmen kann, und dadurch kommt es dann zu einer beschleunigten thermalen Expansion“, so Dangendorf.

    Treibhausgase sollen Einfluss auf Windentwicklung haben

    Verantwortlich für die Entwicklung des Windgürtels könnte auch der Klimawandel sein. „Es gibt Anzeichen dafür, dass dahinter erhöhte Treibhausgasemissionen stehen, die dann dafür gesorgt haben, dass sich diese Westwinde intensiviert haben“, teilt Dangendorf mit.

    Insofern sei die neue Berechnung „keine Entwarnung“. „Dass die Beschleunigung jetzt schon seit über 50 Jahren andauert, ist besorgniserregend, weil es einfach zeigt, dass es etwas ist, was schon sehr lange andauert und sich sehr wahrscheinlich auch in der Zukunft so fortsetzen wird“, betont er. Die Ergebnisse der Studie liegen laut dem Wissenschaftler in Übereinstimmung mit dem, was aus Klimamodellen, die die Zukunft berechnen, bereits bekannt ist.

    Das Interview mit Sönke Dangendorfer zum Nachhören:

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    Tags:
    globale Erderwärmung, Treibhausgas, Gletscher, Hochwasser, Überschwemmung, Ozean, Weltmeer, Meer