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04:57 20 Oktober 2019
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    Mann im Mond mit acht Beinen – Verpatzte Mission besiedelt Erdtrabanten mit Bärtierchen

    CC BY 2.0 / NASA Goddard Space Flight Center / Orientale Basin
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    Eine gescheiterte Mondmission Israels hat wahrscheinlich tausende so genannter Bärtierchen auf dem Mond freigesetzt. Die als Überlebenskünstler bekannten Wesen überstehen extremste Umweltbedingungen. Wie sich nun zeigt, sind die Tiere nicht Teil eines Forschungsprojektes gewesen, sondern eine Art Kunstinstallation.

    Dass die gnadenlos unwirtlichen Bedingungen des Kosmos für die so genannten Bärtierchen (die auch als Wasserbärchen bekannt sind) kein Problem darstellen, zeigte bereits ein Experiment, das Forscher der Universität Stuttgart 2009 inszeniert hatten. Mit einer russischen Trägerrakete war eine Versuchsanordnung ins All befördert worden, die aus Bärtierchen bestand. Nach zehn Tagen kehrte die Fracht wieder auf die Erde zurück. Das Ergebnis: weder Vakuum, extreme Kälte noch harte UV-Strahlung oder der Wiedereintritt in die Atmosphäre konnte den nicht einmal ein Millimeter großen Geschöpfen etwas anhaben.

    Bärtierchen haben selbst die entferntesten Flecken des Planeten Erde besiedelt. Sie finden sich auf Gipfeln des Himalaya in 6.000 Metern Höhe genauso wie in 6.000 Metern Tiefe am Boden des Ozeans. Nachgewiesen wurden sie in Wüsten und der Antarktis. In unseren Breiten leben sie in Feuchtbiotopen, vorwiegend auf Mooskissen, denn ihr natürliches Element ist Wasser, daher auch die Bezeichnung Wasserbärchen. Am faszinierendsten finden Wissenschaftler aber ihre Fähigkeit, sich mehr oder weniger tot zu stellen, die so genannte Kryptobiose, aus der sie auch nach langer Zeit ohne Schaden wieder erwachen können.

    ​Dass sie nun die wahrscheinlich ersten Mondbewohner geworden sind, ist das Werk des US-amerikanischen Unternehmers Nova Spivack, der mit seiner „The Arch Mission Foundation“ menschliche Langzeit-Artefakte in unserem Sonnensystem und auf der Erde deponieren will. Eines seiner bislang spektakulärsten Projekte war die Beteiligung an der umstrittenen Tesla-Mission von Elon Musk, der 2018 mit seiner Rakete Space X einen seiner E-Wagen in das Weltall geschossen hatte. Im Handschuhfach des Fahrzeugs befanden sich Bücher, die Spivack in Quarz gravieren ließ.

    Für die israelische Mondmission der Sonde „Bereshit“ (was im Hebräischen so viel wie „am Anfang“ bedeutet und der Name des ersten Buches der Torah ist, das Buch Genesis) hatte Spivacks Arch-Stiftung Wikipedia-Artikel und Weltliteratur auf Scheiben verewigen lassen, die aus dem seltenen und sehr widerstandsfähigen Schwermetall Nickel hergestellt wurden. Die Kapsel enthielt auch DNA-Proben von 25 Menschen, die in Epoxidharz gegossen worden waren. Und neben exotischen Pflanzen waren eben auch die nicht weniger exotischen Bärtierchen an Bord. Doch „Bereshit“ hatte eine Fehlfunktion und zerschellte im April 2019 auf der Mondoberfläche. Nova Spivack ist sich dennoch sicher, dass die Tiere die Katastrophe überlebt haben, wie er dem US-Magazin „Wired“ erzählte.

    Ob die Wissenschaft von dieser Nachricht genauso begeistert ist, muss noch geklärt werden. Für jegliche Weltraummissionen, deren Ziel andere Himmelskörper sind, wird ein enormer Aufwand darauf verwendet, keine irdischen Lebewesen, also vorzugsweise Mikroben in andere Lebensräume einzuschleppen. Dass nun vielleicht Bärtierchen den Mond besiedeln, bevor die Menschheit gründlich erforschen konnte, ob dort irgendeine Form von Leben existiert, wird in der Wissenschaftsgemeinde wahrscheinlich mit einiger Empörung registriert werden, zumal die Tiere offenbar nur für eine Art Kunstinstallation auf den Mond gebracht wurden.

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    Tags:
    Kolonisierung, Israel, Mond