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    DNA (Symbolbild)

    Forscher: Wer in der Evolution mehr Erfolgschancen hat

    CC0 / Pixabay/Arek Socha
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    Alfia Jenikejewa
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    Die Briten haben von ihren Vorfahren einige Gene geerbt, dank denen sie größer sind, eine hellere Haut und mehr Sommersprossen haben. Forschern zufolge funktioniert die natürliche Selektion immer noch unter den Menschen und richtet die Evolution so aus, damit die Lebensfähigkeit des Menschen steigt.

    2012 analysierte ein internationales Forscherteam die Daten aus Kirchenbüchern aus vier finnischen Dörfern – Huittinen, Kustavi, Rymaattylaa und einer Siedlung auf der Insel Ikaalinen. Insgesamt wurden Angaben über fast 6000 Menschen untersucht, die in diesen Orten zwischen den 1760er Jahren und 1849 lebten.

    Das ist eine ziemlich große Auswahl, die gleich einige Generationen einzelner Familien betrifft. Wissenschaftler verfolgten den reproduktiven Erfolg jedes einzelnen Menschen, wobei er nach vier Kriterien bewertet wurde – Erreichen der Geschlechtsreife, Möglichkeit der Wahl des Ehepartners, erfolgreiche Ehe und Fruchtbarkeit. Diese Angaben waren in den Kirchenbüchern enthalten, in die Daten über Taufe, Trauung und Tod eingetragen wurden.

    Bei der Studie wurde festgestellt, dass die Fähigkeit der Weitergabe der Gene an die Nachkommen nicht von der Monogamie, der sozialen und Vermögens-Ungleichheit bzw. des allgemeinen Kulturniveaus abhing. Zudem variierte der Reproduktionserfolg bei den Männern im breiteren Maße als bei Frauen. Das entspricht wohl der Regel der natürlichen Auslese – die Evolutions-Veränderlichkeit der Frauen, die große Reproduktionsrisiken tragen, ist geringer als bei Männern.

    Mit anderen Worten: Die natürliche Auslese beim Menschen erfolgte genau wie in der wilden Natur bei Tieren. Als erfolgreichste Vertreter der Gemeinschaften galten jene, die länger lebten und es schafften, mehr Nachkommen zu produzieren, die sich auch durch Langlebigkeit und Fruchtbarkeit auszeichneten.

    Größer, heller und mit Sommersprossen

    Nach vier Jahren analysierte ein internationales Forscherteam die natürliche Auslese in der menschlichen Population etwas genauer. Die Wissenschaftler untersuchten mehr als vier Mio. punktuelle Mutationen, die bei den heutigen Briten in mehr als fünf Prozent der Fälle zutreffend sind. Als Material galten Genome von mehr als 3000 Menschen, die in die biologische Datenbank Großbritanniens aufgenommen worden sind.

    Den Forschern stachen vor allem die genetischen Varianten ins Auge, deren Häufigkeit sich um das Zehnfache und manchmal sogar um das Hundertfache schneller änderte als gewöhnlich. Angesichts verschiedener Prozesse ändern sich die Gene ständig, die Geschwindigkeit dieser Veränderungen ist nicht bekannt. Wenn sich eine Mutation rasant innerhalb einer Population verbreitet, ist es kaum ein Zufall.

    Im Ergebnis wurden vier Gene ausgewählt, die die Lebensweise und das Äußere beeinflussten. Ein Gen ist mit der Möglichkeit verbunden, Laktase zu synthetisieren – ein Ferment, das an der  Aufnahme von Milchzucker beteiligt ist. Gerade dank diesem Ferment verarbeitet der erwachsene menschliche Körper Milch.

    Gewöhnlich ist diese Genversion in Populationen anzutreffen, die Milchwirtschaft ausübten.  Laut den Verfassern der Studie tauchte es bei Vorfahren der heutigen Bewohner Großbritanniens vor mindestens 2000 Jahren auf.

    Andere wichtige genetische Variationen, die durch die natürliche Auslese fixiert wurden, sorgten für helleres Haar und Augen sowie Sommersprossen. Zudem wurden einige hundert Gene genannt, dank denen die heutigen Briten größer sind und die Britinnen breitere Schenkel haben. Zudem trafen sich oft Allele, die für einen größeren Kopf und Gewicht bei Neugeborenen und spätere Geschlechtsreifung bei Frauen sorgten.

    Oma als Hilfe

    Genforscher aus Cambridge und von der Columbia University kamen nach der Analyse von rund 200.000 Probanden zum Schluss, dass die natürliche Auslese auch innerhalb einer Generation funktioniert. So werden in den älteren Altersgruppen die Genvarianten aussortiert, die die Lebensdauer negativ beeinflussen können.

    Es handelt sich vor allem um das Gen ApoE, welches das Eiweiß kodiert – Träger des Cholesterols, das unter anderem zur Wiederherstellung des beschädigten Nervengewebes notwendig ist. Für einige Varianten dieses Gens, zum Beispiel APOE ε4, wurde ein Zusammenhang mit der Alzheimer-Erkrankung nachgewiesen. Die Häufigkeit solcher gefährlichen Varianten sinkt in der europäischen Population mit dem Anstieg des Alters. Außerdem ist es kennzeichnender für Frauen.

    Männer sind mehr von einer negativen Auswahl der Varianten des Gens CHRNA3 betroffen, die mit schwerer Nikotin-Abhängigkeit verbunden sind. Der Rückgang der Häufigkeit der beiden schlechten Genvarianten war bei den meisten Teilnehmern der Studie, die älter als 70 Jahre sind, zu erkennen. Auf den ersten Blick scheint solche Auswahl unter älteren Menschen sinnlos. Doch gesunde Omas und Opas können sich um Enkel kümmern, wobei ihre Kinder noch mehr Kinder zur Welt bringen und damit den evolutionären Erfolg ihrer Gene sichern können.

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    Tags:
    Evolution, Wissenschaftler