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    Menschen am Eisberg Okjokull

    Island betrauert ersten „toten“ Gletscher – Fotos und Video

    © REUTERS / Asgeir Asgeirsson
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    Ungefähr 100 Menschen, darunter die isländische Regierungschefin Katrin Jakobsdottir und die Uno-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson, haben an der Abschiedszeremonie im Westen Islands teilgenommen, die dem abgeschmolzenen Gletscher Okjokull gewidmet war.

    Forscher von der Rice University in Houston (US-Bundesstaat Texas) initiierten laut der Nachrichtenagentur France Presse das Anbringen einer Gedenktafel. Wissenschaftler, Offizielle, Journalisten und Prominente begaben sich am Sonntag auf den Gipfel des erloschenen Vulkans Ok in der Gemeinde Borgarbyggð, um der „Trauerfeier“ beizuwohnen.

    Auf dem Ok wurde eine Bronzetafel mit der Aufschrift „Ein Brief an die Zukunft“ installiert, die künftig an Okjokull erinnern soll. Der Text wurde Reuters zufolge vom isländischen Schriftsteller Andri Snaer Magnason erstellt.

    „In den nächsten 200 Jahren ist zu erwarten, dass alle unsere wichtigsten Gletscher den gleichen Weg gehen. Diese Gedenktafel soll vermitteln, dass wir wissen, was vor sich geht und was zu tun ist. Nur ihr wisst, ob wir es geschafft haben“, heißt es auf der Tafel.

    Am Ende der Tafel ist der Wert „415 ppm CO2“ angegeben – die bisher höchste in der Erdatmosphäre gemessene Kohlenstoffdioxidkonzentration. Dabei sind in einer Million Teilchen Luft 415 CO2-Teilchen vorhanden. Nach Angaben der US-Forscher von der Scripps Institution of Oceanography und der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) wurde dieser Wert im Mai dieses Jahres festgehalten. Zudem hätte der Weltklimarat IPCC Anfang des Monats verzeichnet, dass sich die Landflächen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um 1,53 Grad erwärmt hätten.

    Okjokull seit fünf Jahren „tot“

    Der 700 Jahre alte Okjokull ist der erste Gletscher Islands, der seit 2014 nicht mehr als solcher gilt. Um den Status eines Gletschers zu haben, muss die Eis- und Schneemasse dicht genug sein, um sich durch ihr Eigengewicht vorwärts zu schieben. Okjokull verlor in den letzten 130 Jahren über 35 Meter an Eisdichte. Mit nur noch 15 Metern Eisdichte wurde er zu leicht und erfüllt die Definitionsvorgaben deshalb nicht mehr.

    Das Mahnmal für den „toten“ Gletscher soll laut Professor Cymene Howe von der Rice University die Menschen an die Verluste erinnern, die aus dem globalen Klimawandel resultieren, meldet AFP.

    Nach neuen Schätzungen der Universität Zürich verlieren Gletscher weltweit 355 Milliarden Tonnen Eis im Jahr, schrieb ein internationales Forscher-Team um Michael Zemp von der Universität Zürich. Der im April in einer Fachzeitschrift veröffentlichten Studie zufolge verloren Gletscher in den Jahren 1961 bis 2016 9000 Milliarden Tonnen Eis.

    Laut einer Vorhersage der Umweltschutzorganisation World Wildlife Fund werden bis 2100 mehr als ein Drittel der Gletscher des Planeten verschwunden sein – selbst wenn die derzeitigen globalen CO2-Emissionen in den kommenden Jahrzehnten deutlich reduziert werden. Nach Howes Einschätzung wird Island bis 2200 alle seiner mehr als 400 Gletscher verlieren. Derzeit machen sie rund elf Prozent der Oberfläche des Landes aus.

    lm/mo/sb/dpa

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