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01:30 12 November 2019
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    Kornkreis in Deutschland (Archiv)

    Kornkreise auf Feldern: Wie kommen diese geheimnisvollen Muster ins Getreide?

    © AFP 2019 / Sven Hoppe / dpa
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    Kreise, Ovale, Rechtecke, die sich bisweilen auf landwirtschaftlichen Feldern bilden, sind keine Spuren von Außerirdischen. Die meisten von ihnen haben eine ziemlich irdische Herkunft, die aus Sicht der modernen Wissenschaft erklärt werden kann.

    Ungewöhnliche geometrische Figuren auf Kornfeldern wurden erstmals Ende des 17. Jahrhunderts erwähnt – über merkwürdige Kreise ging es in dem Buch „The Natural History of Staffordshire“ des Oxford-Professors Robert Plot. Seit dieser Zeit wurde über dieses Phänomen noch mehrmals geschrieben – ein Artikel wurde 1880 in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht.

    Spuren anderer Zivilisationen

    Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gab es mehr als 9000 Berichte über ungewöhnliche geometrische Figuren auf Kornfeldern. 90 Prozent davon kamen damals aus Großbritannien.

    Bei der Analyse von einigen Dutzend dieser Muster kamen US-Forscher zum Schluss, dass der größte Teil das Ergebnis von Mini-Tornados war, die beispielsweise für den Süden Englands typisch sind. Die Luft dreht sich mit dem Uhrzeiger und drückt Pflanzen nach unten. Zudem sind solche Wirbelstürme elektrisch aufgeladen. Die drinnen befindlichen Staubteilchen können deswegen Licht ausstrahlen. Dadurch werden die Lichter innerhalb dieser Kreise erklärt.

    Gruß aus der Vergangenheit

    Bei den komplizierteren Mustern kamen Archäologen der Denkmalpflegebehörde Historic England im Jahr 2018 zu dem Schluss, dass es sich um die Spuren prähistorischer Siedlungen, Grabhügel und kulturelle Einrichtungen handelt. Sie stammen in den meisten Fällen aus der Eisenzeit bzw. aus der Epoche der Herrschaft der Römer.

    In den Teilen eines Feldes, wo noch Fundamente antiker Gebäude enthalten sind, ist die fruchtbare Erdschicht gewöhnlich dünner. Das Getreide wächst an diesen Stellen schlechter und trocknet bei heißem Wetter schneller aus. Dabei bilden sich dunkle und helle Streifen, die die Konturen der alten Gebäude wiederholen.

    Laut den Wissenschaftlern können die Spuren der prähistorischen Gebäude bei sehr heißem Wetter an die Oberfläche kommen. Alte Fundamente zeigen sich viel deutlicher, wenn der Boden sehr wenig Feuchtigkeit enthält.

    Hexen-Kreise

    In den trockenen Steppen Südafrikas ist ein ähnliches Phänomen zu erkennen. Dort sind häufig so genannte Hexenkreise anzutreffen. Es handelt sich dabei um grünes Gras in Ringen mit einem Durchmesser von zwei bis 40 Metern, die selbst in der trockenen Saison nicht absterben. Im Inneren wächst nichts.

    Solche Kreise können bis zu 75 Jahre lang existieren. Sie entstehen und verschwinden plötzlich, ohne sichtbaren Grund. Die örtliche Bevölkerung glaubt an eine außerirdische Herkunft. Doch den Wissenschaftlern zufolge ist das das Ergebnis der Arbeit von Termiten. Insekte der Art Psammotermes allocerus legen unterirdische Gänge an, fressen Pflanzenwurzeln, wobei auf der Oberfläche Löcher entstehen. Mitten in den Kreisen gibt es keine Pflanzen, die das Wasser aus dem Boden aufsaugen könnten, deswegen kommt das Wasser schnell durch den Sand und bleibt dort lange erhalten. Gerade deswegen ist das Gras in dem Ring immer grün.

    Allerdings stimmen nicht alle diese Erklärungen. US-Biologen weisen darauf hin, dass die Hexen-Kreise nichts mit Termiten zu tun hätten. Es handele sich um perfekt gebildete Kreise, die Muster selbst seien gewöhnlich gleich weit voneinander entfernt.

    Anscheinend spielen Ameisen eine wichtige Rolle bei der Bildung des Ringes, wenn Wasser auf bestimmte Weise um die Tunnel verteilt wird. Doch später beteiligen sich die Pflanzen selbst an diesem Prozess. Sie wollen in feuchte Gebiete gelangen und konkurrieren miteinander um den Zugang zum Wasser. Im Ergebnis bilden sich nahe solchen feuchten Gebieten deutlich mehr Pflanzen als in benachbarten Abschnitten. In der trockenen Jahreszeit, wenn die meisten Pflanzen absterben, bleiben die so genannten Hexen-Kreise grün. Wenn eine Termiten-Kolonie ausstirbt, erwachen die Pflanzen allmählich im Inneren ihres ehemaligen Gebiets und begrünen den Ring.

    Wenn sich innerhalb dieses grünen Kreises eine neue Termiten-Kolonie niederlässt, startet der Prozess aufs Neue. Nun hat der Hexenkreis nicht einen, sondern zwei grüne Ringe.

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    Tags:
    Grund, außerirdische Zivilisationen, Spuren, Kornkreise