08:34 15 November 2019
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    Kaffee für Kopfschmerzattacken verantwortlich? Neue Erkenntnisse zu Migräne-Risiko

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    Kaffee ist für viele Bundesbürger ein unersetzliches Getränk am Morgen – es macht wach und schmeckt den meisten auch. Einige konsumieren ihn sogar vermehrt während des Tages. Laut einer neuen Studie könnte aber genau das das Risiko für Kopfschmerzattacken deutlich erhöhen – insbesondere bei Migräne.

    Der Studie zufolge, die beim Deutschlandfunk vorgestellt wurde, erhöht sich das Migräne-Risiko bereits ab drei Tassen Kaffee am Tag. Insbesondere Migränepatienten würden somit bei übermäßigem Konsum die Wahrscheinlichkeit erhöhen, eine Kopfschmerzattacke bei sich selbst zu provozieren.

    Für diese Studie über den Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Migräne hätten 98 Patienten über mehrere Wochen ihre Migräneattacken und ihren Kaffeekonsum dokumentiert – dabei wurden Begleitfaktoren wie das Geschlecht, Stress und Schlafverhalten beachtet.

    „Übrig blieb dann, dass Patienten, die drei oder mehr Tassen Kaffee am Tag trinken, die Wahrscheinlichkeit für eine Migräneattacke an dem Tag erhöhen“, sagte Charly Gaul, Chefarzt an der Migräne- und Kopfschmerz-Klinik Königstein, im Deutschlandfunk.

    Die Schlussfolgerung daraus wäre, dass ein Migränepatient bedenkenlos ein bis zwei Tassen Kaffee trinken könne – werde es aber mehr, könnte es eben für das eigene Wohlbefinden durchaus gefährlich werden.

    So wisse man, dass Patienten, die eine chronische Migräne haben – also mehr als 15 Kopfschmerztage im Monat  – statistisch gesehen mehr Koffein zu sich nehmen als Patienten, die seltener Kopfschmerzen haben.

    Koffein als Schmerzrisiko – aber auch als Schmerzlinder?

    Zugleich scheint es keineswegs klar zu sein, dass Koffein automatisch zu höherem Schmerzrisiko führe. So heben die Forscher auch hervor, dass „Koffein auch gegen Schmerzen helfen“ könne.

    Mehr noch: Koffein sei in einigen Schmerzmitteln enthalten, und es gebe auch Untersuchungen, dass Koffein alleine Schmerzen reduziert.

    „Man kann Koffein also auch therapeutisch nutzen“, so Gaul.

    Dennoch, Migränepatienten sollten ihren Kaffeekonsum genau beachten und bei Notwendigkeit auch reduzieren. Zugleich sei es nicht ratsam, von mehreren Tassen Kaffee am Tag auf null Kaffee zu reduzieren.

    „Denn ein Koffeinentzug kann ganz heftige Kopfschmerzen und Übelkeit über Tage verursachen“, sagt Gaul.

    „Da wäre eher die Empfehlung: langsame Reduktion statt absetzen. Dann könnten Patienten schauen, ob sich das auf ihre Kopfschmerzen auswirkt.

    Kopfschmerzrisiko sehr individuell

    Zugleich betonten die Forscher, dass die Abhängigkeit der Kopfschmerzen von verschiedenen Faktoren sehr individuell sei.

    „Es gibt aber ganz viele Zusammenhänge zwischen Koffein und Kopfschmerzen, so dass man sicherlich auch individuell gucken muss, wie die Zusammenhänge bei einzelnen Patienten sind.“

    So sei beispielsweise bei Frauen der Haupttrigger für Migräne immer noch die Regelblutung oder eine hormonelle Schwankung. Auch Alkohol und ein Wechsel im Schlafrhythmus könne zu Kopfschmerzen führen.

    „Man soll nicht alles meiden, was vielleicht Kopfschmerzen verursachen kann, sondern man sollte mehr Trigger-Management betreiben“, sagt er.

    „Jeder sollte schauen, wann ihm wann was gut tut, anstatt alles zu meiden.“

    ng/mt

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    migräne, Patienten, Patient, Forscher, Kopfschmerzen, Kaffee-Konsum, Kaffeesatz, Kaffee