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    Sonnenfinsternis – vom Mond aus: Interview mit Macher des Sensationsfotos

    Sonnenfinsternis – vom Mond aus: Interview mit Macher des Sensationsfotos

    © Foto : Harbin Institut of Technology, Camras, DK5LA
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    Eine Sonnenfinsternis aus Mondperspektive – diese Fotosensation ist einem deutschen Funkamateur gelungen. Die Kamera selbst war an Bord eines chinesischen Satelliten, den der Mann aus Schleswig-Holstein über eine Antenne aus seinem Garten steuerte. Sputnik hat mit Reinhard Kühn über die Fotos und die Zusammenarbeit mit China gesprochen.

    Eine Sonnenfinsternis ist ein seltenes Ereignis, das viele Menschen mit Spannung verfolgen. Für kurze Zeit schiebt sich dabei der Mond vor die Sonne und der Tag verwandelt sich zur Nacht. Am 02. Juli wurde ein sensationelles Bild einer Sonnenfinsternis über dem Südpazifik aus einer recht ungewöhnlichen Perspektive geschossen.

    Denn die Kamera wurde nicht von der Erde auf die verdeckte Sonne gerichtet, sondern schoss das Bild vom chinesischen Satelliten Longjiang 2. Zu sehen ist auf dem Foto deutlich der Schatten des Mondes und daneben als weißer Fleck der Hurricane Barbara:

    © Foto : Harbin Institut of Technology, Camras, DK5LA

    Geschossen wurde das Foto aber nicht von den Chinesen, sondern am Auslöser war der Funkamateur Reinhard Kühn aus dem schleswig-holsteinischen Ort Sörup, der dafür eine große Antenne verwendete, die bei ihm im Garten steht.

    Eine Bodenstation für China in einem deutschen Garten

    Denn für China gilt wie für jedes Land auf Erden: Irgendwann geht der Mond unter und dann würde die Verbindung abreißen, wenn nicht eine andere Bodenstation einspringt. Diese Bodenstation war Reinhard Kühns Antenne, und den Befehl zum Foto gab er durch, da die Sonnenfinsternis zu einer Zeit stattfand, als China keine direkte Verbindung hatte. „Ich bin die einzige Station, die das gemacht hat, es gab keine weiteren“, merkt Kühn im Sputnik-Interview zu der Zusammenarbeit mit China an. Die anderen - das sind das Harbin-Institut in China, der Parabol-Spiegel in Peking, ein Parabolspiegel im japanischen Wakajama und das holländische Dwingeloo-Radioteleskop.

    Kühn hatte zuvor Satelliten gerettet

    Mit dem letzteren habe Kühn bereits in einer anderen Sache zusammengearbeitet:

    „Im Jahr 2017 habe ich eine Satellitenrettung des ZA-AeroSat der Universität Stellenbosch durchgeführt“, erklärt der Funkamateur den Hintergrund. „Weil das erfolgreich war, hatte man sich an mich erinnert. Denn die Chinesen suchten eine Bodenstation für Europa, die Signale an den Satelliten Longjiang 2 sendet. Das habe ich übernommen. Nachher stellte sich sogar heraus, dass ich besser am Satelliten ankam als die Chinesen. Deswegen wurde ich Bodenstation für Longjiang 2.“

    Kühn musste für diese Zusammenarbeit pünktlich und zuverlässig arbeiten, denn die Zeit, in der der Satellit täglich angeschaltet war, betrug nur zwei Stunden, und er war der einzige, der dorthin senden konnte. „Ich habe immer nur gesendet, die anderen haben empfangen, die Bilder ausgewertet, Telemetrie ausgewertet und Vorausrechnungen gemacht, welche Bahn der Satellit hat“, so Kühn.

    Natürlich sendete er Befehle an den Satelliten in Abstimmung mit China: „Ich habe die Befehle alle aus China bekommen. Ich habe etwa 75 Befehle gehabt, mit denen ich die Kamera auslösen, die Baudrate erhöhen, den Zoom einstellen und das Relais aktivieren konnte“, betont er.

    Historische Zwei-Wege-Verbindung hergestellt

    Mit dem Relais hatten der Funkamateur und das Harbin-Institut auch eine „historische Verbindung“ hergestellt, eine Zwei-Wege-Verbindung von Reinhard Kühns Antenne zum Satelliten in der Mondumlaufbahn und von dort nach China und auf demselben Wege wieder zurück. „Das ist ein ganz neuer Rekord, denn bisher konnte man das nur über erdumlaufende oder geostationäre Satelliten - Verbindungen machen“, betont Kühn.

    © Foto : Reinhard Kühn DK5LA

    Seit 50 Jahren ist Reinhard Kühn Funkamateur und hat sich im Lauf der Zeit für Erde-Mond-Erde-Reflektionsverbindungen interessiert. „Ich habe damals vor vierzig Jahren schon eine Antenne dafür gebaut und war in Deutschland einer der Ersten, der überhaupt solche Dinge gemacht hat“, bemerkt der Funkamateur, der nicht mit Amateur- oder Hobbyfunkern verwechselt werden möchte. Denn im Gegensatz zu diesen haben Funkamateure eine Lizenz. „Es ist so, als ob man einen Meister als normalen Handwerker ansprechen würde“, erklärt er den Fehler.

    Eine Antenne so groß wie ein Einfamilienhaus

    Für einen Meister spricht auch das aufwendige Gerät im Garten des 70-jährige Rentners: „Es ist eine 256-Element-Yagi-Antenne“, schwärmt er. „Sie befindet sich auf einem Zehn-Meter-Mast. Sie wird von einem Drehkranz, der aus einem Panzer kommt, gedreht und ist so groß wie ein Einfamilienhaus. Diese Antenne lässt sich in zwei Richtungen steuern, horizontal und vertikal mit einer Genauigkeit von 0,1 Grad.“

    Das Interview mit Reinhard Kühn in voller Länge:

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    Tags:
    Entdeckung, Funkstationen, Mond, Sonnenfinsternis