00:55 13 Dezember 2019
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    Fett als Schlankmacher – So kann man schlemmen, ohne dick zu werden

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    Diabetes und Übergewicht entstehen unter anderem wegen mangelhafter Aktivitäten des braunen Fettgewebes im Organismus. Zu diesem Schluss sind US-amerikanische Forscher gekommen.

    Es handelt sich dabei um das so genannte „gute Fett“, das die ganze Energie, die bei der Oxydation von Stoffen im Organismus entsteht, in Wärme verwandelt. Wenn man sein braunes Fettgewebe arbeiten lässt, wird man keine Probleme mit dem Körper – und mit der Gesundheit generell – haben. Wie das funktionieren könnte, schreibt RIA Novosti in diesem Beitrag.

    „Gutes Fett“

    Etwa fünf Prozent des Körpergewichts eines Säuglings entfallen auf braunes Fett. Es ist im Nierenbereich, am Hals, auf den Schultern und am Oberrücken konzentriert und schützt das Kind vor Unterkühlung.

    Früher galt, dass braunes Fett mit der Zeit verschwindet, aber laut jüngsten Forschungen bleiben wenige Gramm dieses Stoffs für immer und ewig im Organismus. Dank dem „guten Fett“ kann man Kälte gut ertragen und (das stellte sich erst unlängst heraus) Glukose effizient säuern – und schlank bleiben.

    Amerikanische und japanische Forscher haben bemerkt, dass Menschen mit Diabetes und Übergewicht in ihrem Organismus üblicherweise einen hohen Gehalt von drei Aminosäuren haben: Leucin, Isoleucin und Valin. Paradox ist, dass gerade diese Stoffe als Nahrungsergänzungsmittel für Sportler wichtig sind, damit sie ihren Organismus quasi zwingen, mehr Energie zu verbrauchen.

    Jetzt hat sich herausgestellt, dass braunes Fett dabei die wichtigste Rolle spielt. Leucin und Isoleucin bekommt der Organismus aus Fleisch, Fisch, Eiern und Milch. Normalerweise sollen sie in die Mitochondrien der braunen Fettzellen, und diese verwandeln die Energie von ihrer Verarbeitung in Wärme. Und je aktiver die braune Fettschicht ist (die Aktivität wurde am Verbrauch der Ernährungsstoffe durch dieses Gewebe gemessen), desto intensiver reinigt sie das Blut von Aminosäuren – und desto gesünder ist der Mensch. Wenn braunes Fett eher passiv bleibt (beispielsweise bei älteren Menschen), sammeln sich im Organismus Leucin, Isoleucin und Valin an. Und wenn diese Menge eine gewisse Schwelle überschreitet, können dadurch Diabetes und Fettsucht provoziert werden.

    Die Intensität, mit der braunes Fett das Blut von Aminosäuren befreit und diese in Wärme verwandelt, hängt vom Protein SLC25A44 ab. Und das bedeutet, dass man dadurch die Aktivität der Fettschicht beeinflussen und Diabetes und Fettsucht verhindern kann, vermuten die Forscher.

    Neue Technologien gegen Übergewicht

    Laut Experten von der Universität von Cambridge kann auch das Protein BMP8b die Aktivität des braunen Fetts fördern. Bei Mäusen, bei denen das Gen „ausgeschaltet“ wurde, das für die Produktion des braunen Fetts verantwortlich ist, blieb es selbst bei sehr niedrigen Temperaturen passiv. Dabei gibt es in der Natur nur einen Weg, es zu aktivieren – ein Tier in der Kälte unterzubringen. Dank der vom braunen Fett produzierten Wärme überleben Säugetiere, die in den Winterschlaf gehen.

    Als es Biologen gelang, im Organismus der Nagetiere den BMP8b-Gehalt künstlich zu erhöhen, arbeitete deren braunes Fett selbst unter üblichen Bedingungen intensiver. Mehr noch: Ein Teil des weißen Fettgewebes verwandelte sich in braunes Fett. Dadurch wurde die Menge der darin verbrannten Energie größer, und diese Tiere wurden quasi schlanker.

    Amerikanische Genetiker gingen an das Problem von einer anderen Seite heran und blockierten bei Mäusen das Gen, das für die Produktion des Ferments PexRAP zuständig ist. Diesen Stoff gibt es sehr reichlich im weißen Fettgewebe, wobei sein Gehalt im braunen Fettgewebe praktisch bei null liegt. Indem PexRAP in den Zellkern gerät, unterdrückt es die Gene, die mit der Erwärmung des Körpers bei niedrigen Temperaturen verbunden sind. Gerade deshalb verbrennt weißes Fett die Energie nicht, sondern kumuliert sie. Wenn darin der Gehalt des Ferments gesenkt wird (genau das taten die Forscher), verhält es sich so, als wäre es braunes Fett.

    Bei den Nagetieren, deren Organismus PexRAP nicht produzieren konnte, haben ihre Fettreserven die Kalorien nicht gesammelt, sondern verbrannt. Deshalb wurden die Mäuse leichter als ihre „Verwandten“ aus der Kontrollgruppe und hatten nur halb so wenig Fett. Das einzige Problem: Die vollständige Blockade der Gene, die das Ferment produzieren, war schädlich für den ganzen Organismus. Wenn es im jeweiligen Raum heiß war, überhitzten sich die Tiere sehr schnell.

    Als sicherer erwies sich die Vorgehensweise der Biologen von der Harvard Universität (USA). Sie sind auf die Idee gekommen, Tieren mit Fettsucht braunes Fett gesunder Tiere zu transplantieren. An Menschen wurde diese Methode vorerst nicht getestet, aber Mäuse mit transplantiertem braunem Fettgewebe verloren das Übergewicht, obwohl sie kalorienreich ernährt wurden. Außerdem normalisierte sich ihr Stoffwechsel.

    Ohne Einmischung in das Genom

    Japanische Physiologen sind ihrerseits der Meinung, dass es für die Intensivierung des braunen Fetts genügen würde, regelmäßig bei kaltem Wetter spazieren zu gehen oder im eiskalten Wasser zu baden. Wenn man beispielsweise sechs Wochen lang jeden Tag zwei Stunden bei kälterem Wetter draußen verbringt, werden die braunen Fettvorräte wesentlich anwachsen, wobei das weiße Fettgewebe geringer wird – und damit auch die überflüssigen Kilos.

    Ein weiteres effizientes Mittel ist regelmäßiger Sport. Bei physischen Belastungen produziert der Organismus das Hormon Irisin, das sich an der Fettauflösung beteiligt. Amerikanische und japanische Forscher haben gezeigt, wie es die Aktivitäten des Proteins beeinflusst, das weißes Fett in braunes verwandelt. Im Fettgewebe mit Irisin gab es fast halb so viele weiße Fettzellen wie im selben Gewebe ohne dieses Hormon. Zudem ist seine Konzentration im Blut junger Athleten um ein Mehrfaches größer als im Blut mittelaltriger Frauen mit Übergewicht.

    Die Aktivitäten des braunen Fettgewebes hängen zudem möglicherweise vom Kaffee ab. Wissenschaftler von der Universität zu Nottingham (Großbritannien) gaben mehreren Freiwilligen mehrere Stunden lang verschiedene Getränke – einige von ihnen bekamen Kaffee und andere Wasser. Gleichzeitig registrierten die Experten mit Wärmebildgeräten die Aktivitäten des braunen Fetts am Hals der Freiwilligen.

    Schon eine halbe Stunde nach der ersten Tasse Kaffee wurden bei ihnen erhöhte Aktivitäten des braunen Fettgewebes festgestellt. Mit anderen Worten verbrannten die Freiwilligen mehr Kalorien als zuvor. Bei denjenigen, die Wasser tranken, wurde kein solcher Effekt entdeckt. Die Forscher vermuten, dass die Aktivitäten des braunen Fetts ausgerechnet durch das Koffein ausgelöst wurden. Zudem vermuten sie, dass auch andere Produkte mit Koffein diesen Effekt provozieren könnten, beispielsweise Tee.

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    Gesundheit, Essen