20:57 10 Dezember 2019
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    Abholzen nach Waldbränden im Amazonasgebiet

    Der Mythos um den Amazonas: Ist er wirklich die Lunge der Welt?

    © REUTERS / BRUNO KELLY
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    Seit mehreren Wochen erhalten die Brände im Amazonas große mediale Aufmerksamkeit. In Tweets und Aussagen wird dabei immer ein falscher Fakt zitiert: Der Amazonas produziere als Lunge der Welt über 20 Prozent des Sauerstoffs. Wie sich herausstellt, ist es nicht der Amazonas, der uns atmen lässt, wie die Zeitschrift „The Conversation“ erklärt.

    Die Brände im Amazonasregenwald sorgten in den letzten Wochen für weltweite mediale Aufmerksamkeit. Mit dem Antritt des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro im Jahr 2019, versprach dieser den Umweltschutz in Bezug auf Waldrodungen im Amazonas-Gebiet zu reduzieren. Dieses Jahr hätten die Brände um 77 Prozent zugenommen, im Vergleich zum Vorjahr. Somit ist nicht nur einer der größten CO2-Speicher der Welt betroffen, sondern auch die Biodiversität gefährdet.

    Im Zusammenhang mit diesen Gefahren um die Zerstörung des Regenwalds, kommt auch ein anderer Punkt auf. Aus einem Tweet des französischen Präsidenten Emmanuel Macron ist zu entnehmen, dass der Amazonas die „Lunge der Welt“ sei, die 20 Prozent des Sauerstoffs produziere. Dies ist ein oft wiederholter Satz, der so nicht stimmt. Dass der Amazonas 20 Prozent des Sauerstoffs produziert, den wir einatmen, ist ein Mythos.

     

    Die Wahrheit

    Der Forscher Scott Denning (Colorado State University) veröffentlichte in einem Artikel der unabhängigen Nachrichtenagentur „The Conversation“ den Hintergrund des Geschehens. Der Großteil des Sauerstoffs, den wir atmen, kommt aus dem Meer. Davon gäbe es auch noch genug in der Atmosphäre, um mehrere Millionen Jahre damit auszukommen.

    Natürlich spielen die Wälder eine wichtige Rolle bei der Sauerstoffproduktion. Doch der produzierte Sauerstoff ist nicht der, den wir einatmen. Denn den Sauerstoff, verbraucht der Wald selbst wieder komplett. Ob es Brände, Mikroben oder Insekten sind, die tote Blätter zersetzten: Alles braucht Sauerstoff. Somit kommt man nach Denning auf eine „Netto-Null“ – es wird gleichviel Sauerstoff konsumiert, wie produziert.

    Woher kommt dann also der Sauerstoff, den wir atmen können? Organisches Material, das zu Meeresboden sinkt und dort nicht von Mikroben zersetzt wird, „lagert“ Sauerstoff ein. Es sei nur ein minimaler Bruchteil des atmosphärischen Sauerstoffs (Denning spricht von ungefähr 0.0001 Prozent). Über Millionen von Jahren hinweg konnte sich jedoch ein ganzes Sauerstofflager bilden, was wir jetzt nutzen. Mittlerweile besteht die Erdatmosphäre durch dieses Ungleichgewicht zu 21 Prozent aus O2.

    Denning betont die Gefahren, die solche Waldbrände mit sich tragen, zählt aber Sauerstoffverlust klar nicht dazu:

    „Sogar wenn alles organische Material der Erde auf einmal verbrennt, so würde nur ein Prozent des gesamten Sauerstoffs verloren gehen.“

    Dennoch könne man die verheerenden Folgen wie den Verlust von Biodiversität und der kohlenstoffreichsten Flächen der Welt nicht abstreiten. Das alleine reiche aus, um gegen die Brände anzukämpfen.

    lm

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    Tags:
    Mythos, CO2-Emissionen, Sauerstoff, Waldbrände, Amazonasgebiet