17:50 18 November 2019
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    Erneuerbare Energien als Gamechanger? – Klimaschutzexperte: „Sieht derzeit nicht so toll aus“

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    Klimawende - setzen, sechs. Das ist das Zeugnis dreier Physiker für die Bilanz der CO2-Emissionen der letzten zehn Jahre. Auch der Klimaschutzexperte Schäfer-Stradowsky teilt diese Ansicht. Er sieht die Lösung im Ausbau der erneuerbaren Energien, deren Kopplung mit Speichertechnologien und großen Energieeinsparungen.

    Drei Heidelberger Physiker hatten jüngst in einem Positionspapier die Bilanz aus den letzten zehn Jahren Klimawende anhand der CO2-Emissionen gezogen und die lautete: null. Ihre Schlüsse lauteten: So das nicht bis 2030 klappen, und dass sich sowohl im Bereich der Energieeinsparungen wie auch bei der Umgestaltung der Energieversorgung einiges ändern müsse.

    „Sieht nicht so toll aus mit dem Anteil der Erneuerbaren“

    „Insgesamt spiegelt das Zahlen wider, die wir für unsere EEG-Evaluierungen (EEG: Erneuerbare-Energien-Gesetz, Anm. d. Red.) auch vorgebracht haben“, stimmt Simon Schäfer-Stradowsky den Physikern in ihrer Lagebewertung zu. Schäfer-Stradowsky ist Geschäftsführer des Instituts für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM), das sich für einen Ausbau der erneuerbaren Energien ausspricht und deren Kombination mit verschiedenen Speichertechnologien.

    Zwar liegt der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung bereits bei über 40 Prozent. Aber wenn der gesamte Energieverbrauch Deutschlands betrachtet werde, ändert sich das Bild: „Da sieht es nicht so toll aus mit dem Anteil der Erneuerbaren“, pflichtet Schäfer-Stradowsky auch dieser Feststellung der Physiker bei. Allerdings geht er bei ihren Schlussfolgerungen nur teilweise mit.

    Zu dem Vorschlag, Solaranlagen und Windkraftanlagen in Wüstenregionen und windreichen Gegenden anzusiedeln, wo sie höhere Leistung erbringen, merkt er an: „Natürlich werden wir nicht mit in Deutschland allein anzubauenden und zu erntenden Wind- oder Solarstrom allein auskommen. Wir müssen größere Mengen des Energiebedarfs Deutschlands aus anderen Ländern importieren.“ Allerdings gelte sei die Idee, dass Stabilität durch Bezug aus ideal für die Technologien geeigneten Weltregionen erreicht werden könne, „ein Märchen“. Es könne auch in diesen Ländern immer zur Versorgungsunterbrechung oder Preissteigerung kommen.

    Ein weiterer Vorschlag der Physiker lautet, Atomkraft und Kernfusion vor dem Hintergrund neuer technologischer Entwicklungen im Hinblick auf Nutzen und Risiko neu zu untersuchen. Schäfer-Stradowsky ist sich nicht sicher, ob der technologische Stand hier schon eine günstige Alternative etwa zur Windkraft bietet. Er selbst bevorzugt Windparks, an die Batteriespeicher und Anlagen zur Umwandlung der Energie in Kraftstoffe und Wasserstoff angeschlossen sind.

    Er gibt zu bedenken: „Energie ist nicht nur eine physikalische Größe, sondern eben auch eine politische und den Konsens wieder auf die Atomkraft zu setzen – in welcher Form auch immer – ist immer auch mit politischen Risiken behaftet, die dann eine physikalisch eingängige Formel nicht ohne weiteres aushebeln kann.“ Zukunftschancen sieht der IKEM-Geschäftsführer eher im Bereich Kernfusion, wie sie unter anderem am Test-Kernfusionsreaktor Wendelstein 7-X erprobt wird. „Das kann in 20 Jahren ein Gamechanger sein“, findet Schäfer-Stradowsky.

    In einem Punkt pflichtet er den Physikern völlig bei: die Steigerung der Energieeffizienz und Energieeinsparungen. „Man muss investieren in Gebäudeeffizienz, um die Menge an Energie, die wir brauchen, abzusenken“, so der Klimaschutz-Experte. Neben solchen und anderen Einsparungen gelte es, möglichst effiziente Technologien einzusetzen.

    Das Interview mit Simon Schäfer-Stradowsky zum Nachhören:

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    Tags:
    Technologien, CO2-Emissionen, Energie, Europa, Deutschland, Welt