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    Geld heckendes Geld? Warum manche Menschen reich sind und andere nicht

    CC0 / 3D Animation Production Company / Pixabay
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    Nach Angaben der Bank Credit Suisse hatten im Jahr 2018 etwa 85 Prozent des Reichtums dieser Welt nur zehn Prozent der Weltbevölkerung gehört. Aber warum ist das so? Verfügen diese Menschen über herausragende Fähigkeiten? Sind sie klüger oder stärker als die anderen? Die Antwort ist: nein.

    Wer bessere Chancen hat, reich zu werden, erklärt Sputnik in diesem Beitrag.

    Konzentration auf eigene Armut

    Forscher von der University of Chicago haben 2012 ein unikales Experiment durchgeführt: Sie baten mehrere Dutzende jüngere Menschen (unter 25 Jahren), drei Computerspiele zu spielen: „Wheel of Fortune“, „Family Feud“ sowie ein Spiel, das „Angry Birds“ ähnlich war.

    Die Teilnehmer des Experiments wurden bedingt in „reiche“ und „arme“ aufgeteilt. Die ersten bekamen mehr Versuche, das Wort zu erraten bzw. zu schießen, als die zweiten. Dabei konnten die Spieler eine Art Kredit aufnehmen: eine zusätzliche Chance, die Aufgabe zu erfüllen – oder ihren Zug aufzugeben, aber ihre nicht verwendeten Versuche beizubehalten.

    Am Ende haben die „Reichen“ alle Spiele gewonnen, und zwar vor allem wegen des irrationalen Verhaltens der „Armen“. Die Spieler mit einer beschränkten Zahl von Versuchen nahmen üblicherweise viele Kredite, um schwierige Fragen zu beantworten. Deshalb sammelten sie weniger Punkte (umgerechnet in Versuche). Außerdem achteten sie schlecht auf die Hinweise, die die Forscher auf den Tischen der Teilnehmer des Spiels „Family Feud“ gelassen hatten.

    Die Experten sind zu dem Schluss gekommen, dass dies davon zeugt, dass die Armut (Mangel an Ressourcen) den Menschen zwingt, sich auf seine momentanen Probleme zu fokussieren und zeitlich spätere Aufgaben zu ignorieren, deren Lösung seine Situation aber hätte verbessern können. Mit anderen Worten, ärmere Menschen können sich nicht von der aktuellen Situation abstrahieren und ihre Schritte wenigstens mittelfristig planen. Das ist übrigens die Erklärung, warum kurzfristige Kredite mit hohen Zinsen unter den ärmeren Bevölkerungsschichten so populär sind.

    Möglicherweise fällt es ärmeren Menschen wirklich deswegen schwer, viel Geld zu verdienen, weil sie sich auf die Lösung ihrer akuten Probleme konzentrieren müssen.

    Wer mutig ist, den liebt der Reichtum

    Laut kanadischen Physiologen neigen Menschen, die aus wohlhabenden Familien stammen, häufiger zum Risiko und sind selbstsicherer als Menschen aus einfachen Verhältnissen. Deshalb fällt es ihnen leichter, Entscheidungen zu treffen, verschiedene Lebenssituationen adäquat zu bewerten und beruflich erfolgreich zu sein. Ihre Altersgenossen aus ärmeren Familien handeln in ähnlichen Situationen eher vorsichtig.

    Es geht darum, dass reichere und ärmere Menschen einen unterschiedlichen Gehalt des Stresshormons Cortison im Blut haben. Bei ärmeren Menschen ist der Gehalt wesentlich höher. Das Cortison prägt die Schutzreaktion des Menschen auf äußere Gefahren. Seine Konzentration wird wesentlich höher, wenn man einem Verfolger entgehen oder gegen einen Feind kämpfen muss. Aber wenn der Cortisonspiegel längerfristig hoch bleibt, wird man vorsichtiger.

    Darüber hinaus hängen die Chancen eines Menschen, reich zu werden, von den Gewohnheiten seiner Eltern ab, behaupten Forscher von der Brown University (USA). Besonders schädlich sind die Vorliebe zu Wettspielen und die Gewohnheit, über seine Verhältnisse zu leben. Aber wer zusätzliche Einkommensquellen hat, viele Fachbücher liest und Geld spart, kann seinem Kind helfen, reicher zu werden als seine Eltern es waren.

    Deutsche Forscher sind ihrerseits der Auffassung, dass Menschen, die ganz zynisch zu ihrem Ziel gehen und die Meinung anderer vernachlässigen, keinen finanziellen Erfolg haben werden. Zwei umfassende Studien sollen gezeigt haben, dass es unter den Menschen mit relativ geringen Einkommen mehr Zyniker gibt als unter reicheren Menschen. Das könnte damit verbunden sein, dass solche Menschen die Hilfe seitens ihrer Freunde und Bekannten ablehnen, obwohl größere Erfolge Menschen vor allem gemeinsam erreichen können, stellten die Forscher fest.

    Talent vs. Glück

    Italienische Wissenschaftler glauben, dass finanzieller Erfolg nicht von angeborenen Talenten bzw. von der angeborenen Klugheit, sondern vor allem von einer glücklichen Verkettung von Umständen abhängt. Die Forscher haben ein Computerspiel entwickelt, in dem 1000 Spieler mit durchschnittlichen Fähigkeiten und gleichem Wohlstand um Ressourcen zu kämpfen hatten.

    Im Laufe des Experiments passierten im „Leben“ der Spieler spontan diese oder jene Ereignisse, von denen alle Teilnehmer gleichermaßen hätten profitieren können. Einige Zeit später entstand in dieser künstlichen „Gesellschaft“ die Situation, dass 80 Prozent des virtuellen Reichtums 20 Prozent der Spieler gehörten. Das Experiment wurde mehrmals wiederholt (dabei gab es verschiedene Varianten der Entwicklung der künstlichen „Gesellschaft“), aber das Ergebnis war immer dasselbe: Die meisten Ressourcen gehörten einem relativ geringen Teil der Spieler.

    Diese Zahlen entsprechen im Grunde der realen Verteilung des globalen Reichtums: 85 Prozent aller Ressourcen gehören nur zehn Prozent der Weltbevölkerung. Und das bedeutet, dass erfolgreich und finanzkräftig oft nicht diejenigen werden, die dieses Erfolgs bzw. Reichtums würdig sind, sondern diejenigen, die sich einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort befanden.

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    Tags:
    Geld, Forschung, Studie, Reichtum, Armut