04:15 08 Dezember 2019
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    „Wir sind alle Afrikaner“ – Forscher wollen Rassebegriff abschaffen

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    In der „Jenaer Erklärung“ distanzieren sich Evolutionsforscher von Rassismus und dem Begriff „Rasse“. Dafür gebe es heute keine biologische Grundlage mehr, erklärt der Biologiehistoriker Uwe Hoßfeld im Sputnik-Interview. Deswegen fordern die Forscher, diesen Begriff nicht mehr im Zusammenhang mit Wissenschaft zu nutzen.

    „Für die biologische Begründung  von Rassen gibt es kein Konzept, und das hat es auch nie gegeben“, sagt Uwe Hoßfeld, einer der vier Initiatoren der „Jenaer Erklärung“. „Deswegen formulieren wir auch als zentralen Satz in der Erklärung, dass das Konzept der Rasse Ergebnis von Rassismus ist und nicht dessen Voraussetzung.“

    Klassifizierungen in Wollhaarige und Schlichthaarige

    Auf der 112. Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft und zum 100. Todesjahr des Zoologen Ernst Haeckel wollten Hoßfeld, Professor für Didaktik der Biologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, und drei Universitätskollegen eine kritische Seite von Haeckel hinterfragen: sein Konzept von Menschenrassen.

    Haeckel wird auch als der „deutsche Darwin“ bezeichnet. Er habe zwar einerseits Begriffe in die Terminologie wie Ökologie, Phylogenie und Ontogenie eingeführt. Andererseits sei aber auch eine Seite von Haeckel zu finden, wo er sich massiv in weltanschauliche, politische Dinge eingemischt habe. Hoßfeld berichtet:

    „Dazu gehörte sein Verständnis von Menschenarten. Haeckel ist derjenige, der sich zeitlebens mit humanphylogenetischen, also mit Abstammungsfragen des Menschen, beschäftigt – über 45 Jahre – und hier frühzeitig Konzepte entwickelt. Erst beschreibt er zehn, zum Schluss zwölf Menschenarten mit 36 Rassen. In diesem Schema finden sich erstmals auch Hierarchisierungen und Kategorisierungen in höhere und niedere Kategorien. Beispielsweise setzt er den Papua, oder den Hottentotten an die unterste Stufe und den Mittelländer, also den Europäer, an die Spitze. Das ist der Vorwurf, den man dann Haeckel machen kann, dass er neben diesen Klassifizierungen in Wollhaarige und Schlichthaarige, aufgrund von Hautfarbe, Schädelform und Haarstruktur eine Kategorisierung von Menschen vornimmt.“   

    Hautfarbe eignet sich nicht für rassistische Hierarchisierungen

    Die Forscher sagen in ihrer Erklärung, der sich viele Kollegen dem angeschlossen hätten, dass es das Rassekonzept nach den neuesten Forschungen nie hätte geben dürfen. Man distanziert sich von absichtlich falschem biologischem Wissen, welches zum Beispiel genutzt wird, um andere Menschen zu diskriminieren, ebenso wie von aktuellen Fällen von Populismus in der Politik. Hoßfeld betont:

    „Wenn andere Menschen aufgrund von Hautfarbe oder Aussehen diskriminiert werden, kann man von Rassismus sprechen. Wir können aber nur feststellen, dass eben die Hautfarbe sich gänzlich nicht für rassistische Hierarchisierungen und Einteilungen eignet. Neue Forschungen haben eben gezeigt, dass bis vor 8000 Jahren wahrscheinlich alle stark dunkel pigmentiert gewesen sind. Erst durch Ernährungsweisen, Wanderungsbewegungen in den Norden und dort weniger Sonneneinstrahlung haben Menschen weniger pigmentierte Haut bekommen. Die Befunde, dass wir alle Afrikaner sind und die Wiege der Menschheit in Afrika liegt, das ist alles wissenschaftlich eindeutig erwiesen.“

    Das komplette Interview mit Professor Uwe Hoßfeld zum Nachhören:

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    Tags:
    Rassismus, Menschheit, Afrika