10:07 07 Dezember 2019
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    Teilnehmerin einer Tierschützer-Demonstration in Istanbul (Archivbild)

    Wer lebt länger – Fleischesser, Vegetarier oder gar Vegans?

    © AFP 2019 / YASIN AKGUL
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    Nach Angaben britischer Forscher wird die Menschheit 2050 auf Hungersnöte stoßen, wenn rotes Fleisch und Zucker weiterhin in den heutigen Mengen konsumiert werden. Außerdem schadet ein unkontrollierter Konsum der Gesundheit. Heißt das jetzt, dass die Zukunft Vegetariern und Vegans gehört?

    Die Verfasser der Prognose empfehlen, höchstens 14 Gramm Fleisch pro Tag zu verzehren, und stattdessen doppelt so viel wie jetzt Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse zu essen.

    Damit würden fast elf Millionen verfrühte Todesfälle pro Jahr verhindert – vor allem wegen Krebs-, Herz- und Gefäßerkrankungen. Zudem würde sich das positiv auf das Klima auswirken. Am Weltvegetariertag lesen Sie in diesem Artikel, ob Fleisch tatsächlich gefährlicher als vegetarische Kost ist.

    Rot und gefährlich

    Anfang der 2000er Jahre wurde gleich in mehreren Ländern eine Studie begonnen, bei der die Ernährungsgewohnheiten der Europäer untersucht werden. Wissenschaftler beobachteten im Laufe von 13 Jahren fast eine halbe Million Menschen und kamen zum Schluss, dass die Liebe zu rotem Fleisch zu Krebs, Herz- und Gefäßkrankheiten und einem früheren Tod führen kann.

    So war die Wahrscheinlichkeit eines früheren Todes um vier Prozent bei jenen höher, die mehr als 160 Gramm Fleisch pro Tag aßen, als bei jenen, die nur 20 Gramm konsumierten. In dem 13 Jahre dauernden Beobachtungszeitraum war dies bei jedem 17. Proband der Fall. Fast 10.000 Menschen erkrankten an Krebs, 5500 an Herz- und Gefäßerkrankungen. Allerdings sollte dabei nicht nur rotes Fleisch zur Ursache erklärt werden, so die Forscher. Denn jene, die viel rotes Fleisch aßen, rauchten auch viel, litten an Übergewicht bzw. hatten andere schädliche Gewohnheiten.

    Nach einigen Jahren fanden US-Forscher eine perfekte Teilnehmergruppe ohne diese schädlichen Gewohnheiten – protestantische Kirchgänger. Die Forscher beobachteten mehrere Jahre lang 96.000 Gläubige, von denen der größte Teil Vegetarier waren. Die anderen aßen zwar Fleisch, doch sehr wenig – durchschnittlich rund 50 Gramm pro Tag.

    Während der Studie kamen rund 8000 Menschen aus verschiedenen Gründen ums Leben. 2500 aufgrund von Herz- und Gefäßkrankheiten. Wie Berechnungen zeigten, starben Fleischesser häufiger als Vegetarier. Es war ein Zusammenhang zwischen einem früheren Tod und dem Konsum von rotem Fleisch zu erkennen. Wenn die erhaltenen Ergebnisse auf die gesamte menschliche Population übertragen werden, entfallen rund 6,3 Prozent der früheren Tode auf unterschiedliche Ursachen, neun Prozent auf Herzinfarkte und Hirnschläge  - das sei unter anderem das Ergebnis des regelmäßigen Fleischkonsums, so die Wissenschaftler.

    Besonderheiten der Verdauung

    Der schädliche Einfluss des roten Fleischs auf den Körper kann mit den Besonderheiten der Verdauung erklärt werden, meinen US-Biologen. In Fleisch und Leber sind Cholin, Lecithin und Karnitin enthalten, bei deren Verdauung sich Trimethylamin-N-oxid bildet. Gerade dieser Stoff soll für die Entwicklung von Atherosklerose und Herz- und Gefäßkrankheiten verantwortlich sein.

    Die Beobachtungen von 113 Freiwilligen, die sich an verschiedene Diäten hielten, zeigten, dass der regelmäßige Fleischkonsum als einzige Eiweißquelle den Gehalt an Trimethylamin-N-oxid im Blut deutlich erhöht. So gab es bei den Freiwilligen, die nur einige Gramm Fleisch am Tag aßen, schon nach einem Monat fast dreimal so viel diesen Stoffs als bei Vegetariern. Nachdem alle Teilnehmer auf rotes Fleisch verzichtet haben, sank der Gehalt an Trimethylamin-N-oxid stark.

    Krebs-Gefahr

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte 2015 die Lebensmittel aus Rind-, Hammel- und Schweinefleisch offiziell als Kanzerogene ein. Der regelmäßige Verbrauch von rotem Fleisch kann zum Darmkrebs  und kolorektalem Krebs führen. WHO-Experten zufolge ist auch der Zusammenhang zwischen massivem Fleischkonsum und Krebs bei Pankreasdrüse und Prostata zu erkennen.

    Je mehr Fleisch der Mensch isst, desto höher ist das Krebsrisiko. Die Wahrscheinlichkeit von Darmkrebs ist 20 Prozent höher bei jenen, die jeden Tag 76 Gramm rotes und verarbeitetes Fleisch essen, als bei jenen, die nur 20 Gramm essen. Der vollständige Verzicht auf Fleisch senkt fast um 35 Prozent die Wahrscheinlichkeit von Mastdarmkrebs bei Frauen. 

    Obwohl der Zusammenhang zwischen einem regelmäßigen Verbrauch des roten Fleischs und der Entwicklung von Krebs und Herz- und Gefäßkrankheiten zu erkennen ist, sollte man aber nicht komplett auf Fleisch verzichten. Immerhin enthält Fleisch sehr wichtige Vitamine, Minerale und andere Stoffe.

    Fleisch unschädlich machen

    Laut brasilianischen und amerikanischen Biologen macht die im roten Fleisch enthaltene N-Glycolylneuraminsäure, abgekürzt auch Neu5Gc genannt, es kanzerogen. Dieser Stoff kann sich mit dem menschlichen Zucker verbinden und ein Teil der Zellen werden. Im Ergebnis nimmt das Immunsystem diese Zellen als fremde für den Körper wahr, und der Entzündungsprozess beginnt. Das erhöht anscheinend das Krebsrisiko. Doch im Darm gibt es besondere Bakterien Hz136, die mithilfe der Fermente das Neu5Gc freisetzen können. In diesem Zustand wird es unschädlich für den Menschen – es wird entweder von Mikroben verdaut, oder die Säure verlässt den Körper mit den Stoffwechselprodukten. Wenn diese Bakterien in einer ausreichenden Menge in den Darm gebracht werden, z.B. in Form von Präbiotikum, könnte rotes Fleisch in jeder Menge ohne Gefahr gegessen werden.

    Zudem sollte man nicht ganz auf rotes Fleisch verzichten. Erstens werden viele bekömmliche Stoffe wie B12 mit diesem Fleisch besser aufgenommen als bei ihren pflanzlichen Analoga. Zweitens senkt das rote Fleisch im Rahmen der Mittelmeer-Diät das Risiko einer multiplen Sklerose. Ein präventiver Effekt wird dank Eiweiß, Eisen, Kalium, Vitamin D und Vitaminen der Gruppe B, die im roten Fleisch enthalten sind, erreicht.

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    Tags:
    Klimaschutz, Forschung, Fleisch, Veganismus, Vegan