05:35 15 November 2019
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    Recycling (Archiv)

    „Hochreiner Kunststoff“ aus Abfall? Neues Verfahren verspricht besseres Recycling

    © AFP 2019 / CLEMENT MAHOUDEAU
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    Über die Hälfte der Kunststoffabfälle werden in Deutschland aktuell verbrannt. Ein neues Sortierverfahren verspricht Abhilfe. Spezielle Marker sollen Kunststoffe für Maschinen unterscheidbar machen und den Weg zu hochreinen Recyclingsprodukten ebnen.

    Die Menge an Kunststoffen nimmt seit Jahren stetig zu in Deutschland. Waren es im Jahr 1994 noch 1400 Tonnen, so musste sich die Recyclingwirtschaft im Jahr 2017 bereits 6115 Tonnen verarbeiten. In dreizehn Jahren hat sich damit die Kunststoffmenge mehr als vervierfacht.

    Die Wiederverwendung von Kunststoffen hat sich seit dem Jahr 1994 allerdings nicht an diese Zunahme angepasst. Knapp 90 Prozent dieser Abfälle wurden 1994 noch „werkstofflich“ wiederverwendet und nur sieben Prozent energetisch eingesetzt, also verbrannt. Doch das änderte sich mit dem rasanten Anwachsen der Kunststoffproduktion, sodass im Jahr 2017 über die Hälfte der angefallenen Kunststoffe verbrannt wurde. Dies hängt mit dem Anwachsen der Verpackungsindustrie zusammen, denn gerade Kunststoffe aus privaten Haushalten und Gewerbebetrieben erweisen sich aufgrund von Verschmutzung und Vermischung als schwer wiederverwertbar.

    Verpackungsgesetz will Recyclingquote anheben

    Ab 01. Januar 2019 tritt das neue Verpackungsgesetz in Kraft, das die Wiederverwertungsquoten in der Abfallwirtschaft ankurbelt – vor allem beim Kunststoffproblem. Die Anfangsquote soll bei 58,5 Prozent, im Jahr 2022 sogar bei 63 liegen. Doch um diese Vorgabe zu erfüllen, braucht es entsprechende neue Sortierverfahren. Eins davon ist das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Initiative „Plastik in der Umwelt“ geförderte Projekt „MaReK“.

    Mit Markern zu mehr Trenngenauigkeit

    „Das Verfahren basiert auf der Idee, dass ich einer Kunststoffverpackung entweder im Kunststoff oder im Etikett ein Hightech-Material in ganz kleinen Mengen zugebe, ein besonderes Pulver. Und dieses Pulver ist nachher eindeutig identifizierbar“, erklärt Claus Lang-Koetz, Professor für Nachhaltiges Technologie- und Innovationsmanagement an der Hochschule Pforzheim, die in Zusammenarbeit mit diversen Partnern die Techologie des Marburger Unternehmens Polysecure weiterentwickelt hat. „Die Verpackung wird nachher mit einem Infrarot-Laser bestrahlt und das Pulver leuchtet dann in einer bestimmten Wellenlänge zurück. Das ist wie eine Art Hologramm, das ich dem Kunststoff mitgebe, und danach kann ich genau den gewünschten Kunststoff herausfischen aus dem Abfallstrom.“ Der zugegebene Stoff wirkt also als Marker für den jeweiligen Kunststoff, weshalb „MaReK“ für „markerbasiertes Sortier- und Recyclingsystem für Kunststoffverpackungen“ steht.

    Hochreiner Kunststoff durch genaue Trennung

    Auf solche Weise wird mit leichten Mitteln eine genaue Auftrennung möglich und der Weg zu „hochreinen Rezyklaten“ eröffnet. Denn bislang wird der Inhalt des gelben Sacks und die kleinen Kunststoffpartikel mit verschiedenen Verfahren sortiert. Dabei komme es aber zu Verunreinigungen und dadurch hat der wiederverwendete Kunststoff eine geringere Qualität. Man spricht hier von „Downcycling“. Indem „MaReK“ die Kunststoffarten noch vor dem Schreddern voneinander trennt, sollen solche Verunreinigungen minimiert werden.

    Interviewpartner Claus Lang-Koetz (rechts)
    © Foto : Hochschule Pforzheim
    Interviewpartner Claus Lang-Koetz (rechts)

    Das Verfahren eignet sich nach Lang-Koetz auch für andere Materialien und der Stoff wird derzeit auf seine Lebensmittelverträglichkeit hin getestet, da er immerhin auch an Lebensmittelverpackungen angebracht werden würde. Dass das Verfahren selbst funktioniert, wurde dagegen bereits Ende September an einer Demonstrationsanlage gezeigt.

    Das Forschungsprojekt MaReK – markerbasiertes Sortier- und Recyclingsystem für Kunststoffverpackungen wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit den Förderkennzeichen 033R195A-E im Rahmenprogramm “Forschung für Nachhaltige Entwicklung“ (FONA), Initiative „Plastik in der Umwelt“, abgewickelt durch die Projektträgerschaft Jülich (PTJ), Außenstelle Berlin.

    Projektpartner sind: Hochschule Pforzheim (Institut für Industrial Ecology), Polysecure GmbH, Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH, Werner & Mertz GmbH und KIT Karlsruher Institut für Technologie, Institut für Mikrostrukturtechnologie (Karlsruhe).

    Das Interview mit Claus Lang-Koetz in voller Länge:

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    Tags:
    Abfall, Recycling, Deutschland