01:35 22 November 2019
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    Testosteron-Bombe. Warum sterben Männer häufiger als Frauen?

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    Bei der Einschätzung der Risiken einer Ansteckung mit Influenza-Viren sowie der Folgen der Krankheit muss das Geschlecht der Patienten berücksichtigt werden, so die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Laut Studien tendieren Männer zwar mehr zur Übertreibung ihrer Gesundheitsprobleme, doch generell ist ihre Gesundheit schwächer als bei Frauen.

    Epidemiologischen Angaben zufolge werden Männer bei Viruserkrankungen häufiger ins Krankenhaus eingeliefert als Frauen. Auch die Todesrate bei Komplikationen ist bei ihnen höher.

    Zu argwöhnisch

    Britische Forscher führten vor einigen Jahren ein Experiment durch. 1700 Freiwilligen beider Geschlechter wurden mit einer akuten Infektion der Atemwege infiziert, anschließend wurden die von ihnen beschriebenen Symptome ausführlich fixiert. Parallel wurden die Teilnehmer des Experiments von einem Therapeuten untersucht, der eigene Schlussfolgerungen über die Ernsthaftigkeit der Krankheit zog. Beim Vergleich der ärztlichen Befunde und der Beschwerden der Patienten wurde festgestellt, dass Männer ihre Gesundheitsprobleme oft übertreiben, während Frauen eine adäquatere Einschätzung geben.

    Allerdings sind Männer für akute Infektionen der Atemwege anfälliger als Frauen und bekommen häufiger Komplikationen. Zudem brauchen sie doppelt so viel Zeit, um von einer Erkältung bzw. Influenza zu genesen.

    Nach vorhandenen Angaben ist der männliche Körper resistenter gegen Pseudomonas – ein Stäbchenbakterium, das oft beim Abszess vorkommt. Doch im Falle einer Infizierung ist die Sterbewahrscheinlichkeit bei Männern höher als bei Frauen.

    Testosteron gegen Immunsystem

    Laut Wissenschaftlern der Stanford University ist die Immunreaktion auf Virusinfektionen bei Männern deutlich schwächer wegen des hohen Testosteronspiegels, weil dieses Hormon die Produktion von Antikörpern unterdrücken kann.

    Forscher nahmen Blut bei 54 Frauen und 37 Männern vor einer Influenza-Impfung und 28 Tage danach ab. Es stellte sich heraus, dass Frauen durchschnittlich mehr spezifische Antikörper haben, während bei Männern die Arbeit einiger Gen verändert ist, die sich an der Synthese von Lipiden beteiligen und die Bildung der Zellen stimulieren, die die Immunreaktion unterdrücken. Je mehr Testosteron im Blut enthalten ist, desto stärker ändert sich die Genarbeit und desto schwächer ist die Immunreaktion.

    Untersuchungen von Einwohnern von Honduras bestätigten diese Angaben. Die mit Malaria infizierten Männer hatten einen geringeren Testosteronspiegel als gesunde Männer. Als sie wieder gesund wurden, wurde der Testosteronspiegel wieder höher.

    Aus ethischen Gründen wurde ein Testosteron-Test nur an Mäusen durchgeführt. Bei Mäusen, die hohe Testosteron-Dosen bekamen, wurde die angeborene Immunreaktion völlig unterdrückt.

    Krankheiten einer starken Immunität

    Auf der anderen Seite leiden Frauen deutlich häufiger an Autoimmunkrankheiten, bei denen die Zellen des Immunsystems gesundes Gewebe attackieren. In einer Studie an Mäusen wurde nachgewiesen, dass Östradiol – weibliches Geschlechtshormon – die Aktivierung der angeborenen Immunität fördert und die Weibchen vor Komplikationen bei Influenza schützt. Doch es stimuliert anscheinend auch eine sehr starke Bildung der Lymphoidzellen Typ 2 in den Lungen der Asthmatiker. Diese Körperchen sind einer der wichtigsten Bestandteile der angeborenen Immunität. Sie sind für die Entwicklung einer Entzündungsreaktion verantwortlich, wenn in die Lunge krankheitserregende Bakterien gelangen. Wenn es zu viele solche Immunzellen gibt und ihre Aktivität hoch ist, entsteht Asthma.

    US-Wissenschaftler haben via Testosteron-Spritzen für kranke Mäuse die Aktivität der Lymphoidzellen unter Kontrolle genommen und den Zustand der Tiere deutlich verbessert. Das erklärt auch, warum Asthma häufiger bei Frauen anzutreffen ist – Männern hilft ein hoher Testosteronspiegel.

    Altersveränderungen

    Der Unterschied zwischen der männlichen und weiblichen Immunität hängt vom Alter ab. Entzündungsprozesse und die stärkste Immunreaktion sind für Frauen im Alter zwischen der Geschlechtsreife und Menopause kennzeichnend. Doch auch ganz kleine Mädchen sind dank der Muttermilch vor Infektionen der Atemwege besser geschützt als Jungen.

    Japanische Wissenschaftler stellten fest, dass das Immunsystem bei Frauen langsamer altert als bei Männern. Bei der Untersuchung der Blutproben von 356 gesunden Freiwilligen im Alter von 20 bis 90 Jahren wurde nachgewiesen, dass die Zahl der Lymphozyten bei Männern mit steigendem Alter sinkt und bei Frauen hingegen zunimmt. Gerade aus diesem Grund leben Frauen im Durchschnitt  länger, so die Verfasser der Studie.

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    Tags:
    Gesundheit