Widgets Magazine
17:55 12 November 2019
SNA Radio
    Schlaf (Symbolbild)

    Wozu Schlaflosigkeit führen kann – Neue Studie klärt auf

    CC0 / pixabay/ Free-Photos
    Wissen
    Zum Kurzlink
    0 362
    Abonnieren

    Unter Forschern ist seit Langem bekannt, dass ein Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Angststörungen besteht. Nun zeigte eine neue Studie, wie sehr die beiden Faktoren voneinander abhängen, berichtete das Wissenschaftsportal „Science Daily“.

    Heinrich Heine sagte einst: „Der Schlaf ist doch die köstlichste Erfindung“, und damit könnte er wohl Recht haben. Denn nach den Ergebnissen von einer Studie der „University of California, Berkeley“, die am Montag veröffentlicht wurde, treten nach einer schlaflosen Nacht häufiger Angststörungen auf.  

    Nämlich fanden die Wissenschaftler heraus, dass Tiefschlaf, auch als Non-REM-Schlaf bekannt, am besten das „ängstliche Gehirn“ beruhigen und die Herzfrequenz mit den Blutdruck wieder stabilisieren kann. Offenbar würde das Gehirn im Zustand des Tiefschlafes die Schwingungen der Neuronen, die bei jedem anders schwingen, wieder ins Gleichgewicht bringen.

    Schlaf – ein natürliches Mittel gegen Angststörungen

    „Wir haben eine neue Funktion des Tiefschlafes identifiziert – er lindert über Nacht die Angststörung, indem er die Verbindungen im Gehirn reorganisiert“, sagte der Mitautor der Studie Matthew Walker, Professor für Neurowissenschaften und Psychologe an der Universität von Kalifornien(UC), Berkeley. „Tiefschlaf scheint ein natürliches Anxiolytikum (Angstauflöser) zu sein, solange wir ihn jede Nacht bekommen“.

    Die Erforschungen ergaben, dass Schlaf ein natürliches Mittel gegen Angststörungen sei und das Stressniveau um bis zu 30 Prozent senke.

    „Unsere Studie legt den Schluss nahe, dass unzureichender Schlaf Angststörungen verschlimmert, wohingegen der Tiefschlaf dazu beiträgt, diesen Stress abzubauen“, erklärte der leitende Studienautor Eti Ben Simon am Center for Human Sleep Science an der UC Berkeley.

    Simon und seine Kollegen untersuchten die Gehirne von 18 jungen Erwachsenen mit verschiedenen Experimenten, zum Beispiel mit einer Magnetresonanztomographie (MRT) und Polysomnografie. Dabei beobachteten sie die Reaktion ihrer Gehirne, während Menschen nach einer Nacht mit ausreichend Schlaf und später nach einer schlaflosen Nacht emotional aufgeladene Videoaufnahmen gezeigt wurden.

    „Zu stark auf das Gaspedal“ gedrückt?

    Das Niveau der Angststörung wurde nach jeder Sitzung anhand eines Fragebogens gemessen, der als State/Trait Anxiety Inventory(STAI) bekannt ist. Dies ist ein Inventar, das zur Erfassung aktueller und habitueller Angst dient.

    Nach einer schlaflosen Nacht zeigten die Gehirnscans Störungen in der Großhirnrinde, während die tieferen emotionalen Zentren des Gehirns überaktiv waren.

    „Ohne Schlaf ist es fast so, als würde das Gehirn zu stark auf das emotionale Gaspedal treten“, sagte Walker.

    Nach einer schlafreichen Nacht zeigten die Messungen der Gehirne hingegen, dass die Angststörungen signifikant zurückgingen, insbesondere bei Menschen mit einem stärkeren Tiefschlaf.

    „Tiefschlaf hatte den präfrontalen Mechanismus des Gehirns wiederhergestellt, der unsere Emotionen reguliert, die emotionale und physiologische Reaktivität senkt und das Stärkerwerden der Angststörungen verhindert“, sagte Simon.

    Die Lösung für Angst und Stress? Guter Schlaf

    Insgesamt zeigten die Ergebnisse, dass es durch die Menge und Qualität des Schlafes möglich sei, vorherzusagen, wie ängstlich man sich am darauffolgenden Tag fühlen würde. Sogar kleine nächtliche Veränderungen im Schlaf könnten sich auf das Niveau der Angststörungen auswirken.

    „Menschen mit Angststörungen berichten routinemäßig von Schlafstörungen, aber selten wird eine Verbesserung des Schlafes als klinische Empfehlung zur Verringerung der Angststörungen angesehen“, erklärte Simon. „Unsere Studie stellt nicht nur einen kausalen Zusammenhang zwischen Schlaf und Angst her, sondern identifiziert auch die Art von tiefem Non-REM-Schlaf, den wir benötigen, um das überängstliche Gehirn zu beruhigen.“

    Was das für die Gesellschaft bedeutet? Die Ergebnisse „deuten darauf hin, dass die Dezimierung des Schlafs in den meisten Industrienationen und die deutliche Eskalation der Angststörungen in denselben Ländern möglicherweise nicht zufällig, sondern kausal bedingt ist“, schlussfolgerte Walker. Die beste Brücke zwischen Verzweiflung und Hoffnung sei nämlich nur „eine gute Nachtruhe“.

    dg/ae

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Studie, Schlafstörungen, Schlaf, Schlafmangel