13:23 20 November 2019
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    Algen (Symbolbild)

    Nach dem Fischbrötchen die Verpackung: „Nordsee“ will essbare Algen verwenden

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    Wird das Fischbrötchen von Morgen in Algen verpackt sein? Zumindest forscht man in Bremerhaven fleißig an dieser alternativen Verpackung. Ab 2020 will „Nordsee“ damit seine To-Go-Sparte nachhaltiger gestalten. Allerdings ist eine großflächige Produktion dieser Algen bislang nicht abzusehen.

    Kunststoffverpackungen nehmen trotz steigendem Umweltbewusstsein seit Jahren zu. Eine besorgniserregende Entwicklung weist hier besonders die Gastronomie auf, vor allem im Bereich Fastfood: Zahlen der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung mbH (GVM) zufolge hat sich die Masse von Serviceverpackungen im Zeitraum 2000-2015 von 110 auf 256 Kilotonnen erhöht. Das Volumen hat sich also innerhalb von 15 Jahren mehr als verdoppelt.

    Müllexportprobleme und Mikroplastikdebatte

    Gleichzeitig ist 2018 mit China ein großes Ziel für den deutschen Müllexport weggefallen, sodass die Auseinandersetzung mit den heimischen Abfällen dringender geworden ist. Zwar konnte in Malaysia ein erfolgreicher „Nachfolger“ gefunden werden, aber auf lange Sicht wird kein Land fremden Müll gerne aufnehmen.

    Schließlich hat auch die Mikroplastikdebatte ihren Teil beigetragen, denn erst in jüngster Zeit wurde das Ausmaß der Verbreitung der kleinen Partikel bekannt – und ihre Aufnahme durch den Menschen.

    Vor diesem Hintergrund hat die EU-Kommission dem Einweg-Plastik den Kampf angesagt – mit der knappen Frist bis 2021. Um die Kunststoffflut wieder einzudämmen, wird vielerorts an alternativen Verpackungskonzepten gearbeitet. So auch am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, wo Makroalgen im Rahmen des „Mak-Pak“-Projektes als eine alternative Verpackung für den Fastfood-Bereich erforscht werden.

    Eine Verpackung, die Wasser und Öl verträgt

    „Wir haben ein Screening der lokalen Makroalgen durchgeführt und dabei mehrere Arten identifiziert, die aufgrund ihrer Jodkonzentration, Essbarkeit, ihrer antimikrobiellen und antioxidativen Eigenschaften und ihrer Verteilung und Wachstumsraten ein hohes Potential für Verpackungsmaterial aufweisen“, erklärt Laurie Hofmann, Algenforscherin am Alfred-Wegener-Institut (AWI).

    Das Ziel: eine biologisch abbaubare Verpackung für den Fastfood-Bereich. Für lange Lagerzeiten ist diese also nicht gedacht. „Aber mindestens muss die Verpackung lang genug halten, dass Wasser und Öl aus dem Essen nicht sofort die Verpackung auflösen“, so Hofmann. Bei dem Projekt gehe es in erster Linie um Verpackungen, die höchstens noch für den Transport bei einer Bestellung eine Rolle spielen.

    Allerdings gibt es laut Hofmann noch Hürden bei der großflächigen Produktion: „Für die Algenzucht braucht man Licht. Es kann natürliches oder künstliches Licht sein, etwas LEDs. Man braucht Seewasser, das kann auch natürlich oder künstlich sein. Und für die Wasserströmung braucht man ein bisschen Energie. Man muss die Temperatur auch konstant halten. Deswegen ist es zurzeit schwierig, genug Material für eine Verpackung zu produzieren und in einem Maßstab eine Verpackung herzustellen, die eine große Wirkung hat.“

    50 Tonnen Algenmasse pro Hektar Land

    Nach der Theorie ließen sich 50 Tonnen trockene Masse an Makroalgen pro Hektar im Jahresschnitt produzieren. „Das wäre genug für eine kleine Firma“, merkt Hofmann an. Die Algen werden allerdings in Aquakultur hergestellt und nicht etwa aus den Meeren gezogen. Das bedeutet, dass neben dem Aufbau von Infrastruktur auch Fläche zur Verfügung gestellt werden muss. Wie viel Fläche eine größere Firma wie „Nordsee“ erfordern würde?

    Entsprechende Entwicklungen laufen übrigens auch anderswo: In Indonesien, das mit einem enormen Müllproblem zu kämpfen hat, hat zum Beispiel das Unternehmen Evoware schon verschiedene Plastikalternativen aus Algen entwickelt.

    Das Interview mit Laurie Hofmann zum Nachhören:

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    Tags:
    Kunststoff, alternative Verpackungen, Mikroplastik, Algen, Müll, Abfälle, Recycling, Lebensmittel, Verpackung