19:40 14 Dezember 2019
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    Kampf gegen multiresistente Keime: Mediziner wissen um die Risiken, es gibt aber Nachholbedarf

    Kampf gegen multiresistente Keime: Mediziner wissen um die Risiken, es gibt aber Nachholbedarf

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    Europaweit weiß medizinisches Fachpersonal gut Bescheid, welche Risiken die übermäßige und oft vermeidbare Verabreichung von Antibiotika birgt. Bei bestimmten Fragestellungen gibt es aber auch Wissenslücken.

    Das Europäische Zentrum für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) veröffentlichte am Montag anlässlich des Europäischen Tags zur Sensibilisierung für Antibiotika die Ergebnisse der ersten multinationalen Untersuchung in der EU, für die mehr als 18.000 Ärzte, Pharmazeuten, Krankenschwestern und andere Fachkräfte aus dem medizinischen Bereich befragt wurden. Ziel war es, herauszufinden, wie gut Ärzte und medizinisches Fachpersonal über Antibiotika und Antibiotika-Resistenzen Bescheid wissen.

    Im Kampf gegen resistente Keime, die jährlich rund 33.000 Menschen in der EU das Leben kosten, komme es entscheidend darauf an, dass das medizinische Fachpersonal das nötige Fachwissen über das Auftreten dieser Bedrohung und deren Prävention mitbringe und die Patienten korrekt informieren könne, so ECDC-Direktorin Andrea Ammon.

    Die aktuelle Studie, die das Antibiotika-Wissen der Mediziner abfragen sollte, bestand aus insgesamt sieben Fachfragen, die man mit „ja“ oder „nein“ beantworten musste. Während nur 58 Prozent der Befragten alle sieben Fragen korrekt beantworten konnten, belegen die Ergebnisse der Studie, dass das Wissen über Antibiotika insgesamt recht solide ist. Dass Antibiotika nicht gegen Erkältungen und Grippe wirken, wussten 97 Prozent der Teilnehmer. 89 Prozent stimmten der Aussage zu, dass die übermäßige Anwendung von Antibiotika in der Aufzucht von Nutztieren und bei der Nahrungsmittelherstellung dazu beiträgt, dass Antibiotika-Resistenzen im menschlichen Körper entstehen. Genauso viele Befragte erkannten den Zusammenhang zwischen dem Verschreiben und Verabreichen von Antibiotika bei Patienten und Antibiotika-Resistenzen. Daraus leiteten jedoch nur 58 Prozent ab, dass ihnen selbst eine Schlüsselrolle bei der Prävention von Antibiotika-Resistenzen zukommt.

    Am besten schnitten Ärzte und medizinisches Fachpersonal aus Irland, Kroatien, Frankreich und Litauen ab. Deutschland kam auf Rang fünf und ist damit im oberen Mittelfeld.

    Einer EU-weiten Studie zufolge belief sich 2018 die Zahl der verabreichten Tagesdosen von Antibiotika auf 20,1 Dosen pro 1000 Einwohner.  Eine andere Studie aus demselben Jahr belegt, dass Antibiotika-Resistenzen im Norden Europas generell seltener auftreten als im Süden und Osten.

    Auch in Deutschland will die Politik etwas für die Prävention von multiresistenten Keimen tun. Das führt bisweilen zu umstrittenen Beschlüssen, wie kürzlich in Bayern. Dort beschloss der Landtag, eine Studie in Auftrag zu geben, die prüfen soll, ob Antibiotika in bestimmten Fällen durch homöopathische Präparate ersetzt werden können. Während CSU und Freie Wähler den Antrag geschlossen und die Grünen mehrheitlich unterstützten, stellte sich die gesamte Opposition dagegen.

    "Das Vorhaben der bayerischen Staatsregierung ist fahrlässig, weil es bereits mit der Fragestellung suggeriert, dass homöopathische Mittel wie Globuli multiresistente Keime bekämpfen könnten", sagte Dominik Spitzer (FDP).

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    Tags:
    Homöopathie, Medizin, Globuli, Keime, Antibiotika