17:04 10 Dezember 2019
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    Oberfläche vom Saturn-Mond Titan (Symbolbild)

    Erste vollständige Landkarte des Saturnmondes Titan erstellt – Forscher

    © NASA . JPL-Caltech / USGS / Public Domain (Symbolfoto)
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    US-Planetologen haben aufgrund der von der Cassini-Mission gelieferten Daten die erste umfassende Landkarte des größten Saturnmondes Titan erstellt. Dies ist dem Fachmagazin „Nature Astronomy“ zu entnehmen.

    Der Titan ist laut dem Blatt neben der Erde der einzige Himmelskörper im Sonnensystem, auf dem sich flüssige Seen, Meere und Flüsse befinden und wo Niederschläge fallen. Dieser Regen ist allerdings eine Mischung aus Methan und Ethan. Auf der Erde befinden sie sich in einem gasförmigen Zustand, doch im kalten Klima des Titans verwandeln sie sich in Flüssigkeit.

    Cassini-Daten

    Planetenforscher unter der Leitung von Rosaly Lopes vom NASA Jet Propulsion Laboratory in Pasadena, USA, analysierten die Daten der automatischen interplanetarischen Station Cassini, die sie mithilfe eines speziellen Radargeräts mit synthetischer Apertur, eines Infrarotspektrometers und Kamerasystems erhalten hatte. Dies ermöglichte die Erstellung einer vollständigen geomorphologischen Karte der Oberfläche des größten Saturn-Satelliten.

    Das Relief auf der Erde entsteht hauptsächlich unter dem Einfluss von Wasser, das zusammen mit Wind und Gletschern für die Vielfalt der Landschaften verantwortlich ist. Auf dem Titan spielen flüssige Kohlenwasserstoffe die Rolle des Wassers.

    „Der Titan hat einen aktiven Wasserkreislauf auf der Basis von Methan, der eine komplexe Landschaft formte, die seine Oberfläche zu einer der geologisch vielfältigsten im Sonnensystem macht", führt  eine Pressemitteilung die Worte von Rosaly Lopes an.

    Die Komplexität der Beobachtungen beruht auf der Tatsache, dass die Atmosphäre des Titans, die aus Stickstoff und Methan besteht, für optische Instrumente undurchsichtig ist. Daher mussten die Wissenschaftler Daten aus Radarsensoren und Infrarot-spektrometrischen Untersuchungen verwenden.

    „In dieser Studie sind verschiedene Daten kombiniert“, sagt Lopes. „Wir hatten keine globale Radarabdeckung mit synthetischer Apertur und haben Informationen von anderen Instrumenten und Radarmodi verwendet, um verschiedene Geländeeinheiten zu vergleichen.“

    Titan und Erde

    Obwohl sich die Erde und der Titan bedeutend voneinander unterscheiden, können laut den Autoren viele Details ihres Reliefs möglicherweise ein Ergebnis derselben geologischen Prozesse sein.

    Lopes und ihre Kollegen identifizierten Seen, Ebenen, hügelige Gebiete, Dünen, Krater und sogenannte Labyrinthe auf der Oberfläche des Saturnmondes - tektonisch gestörte Gebiete, oft mit Flusskanälen.

    Die Karte zeigt, dass Landschaften in Breitengraden klar verteilt sind: Am Äquator sind Hügel und Labyrinthe, in den mittleren Breitengraden sind dagegen  häufiger Ebenen verbreitet.

    Die Planetologen waren erstaunt, dass sie nur 23 Einschlagkrater mit einem Durchmesser von mehr als 20 Kilometern entdecken konnten. Diese Strukturen nehmen nicht mehr als 0,4 Prozent der Gesamtoberfläche des Titans ein. Forscher sind der Ansicht, dass die Krater aufgrund der hohen Intensität der Erosionsprozesse schlecht erhalten geblieben sind.

    Auf dem Titan nehmen Berge ungefähr 14 Prozent der Oberfläche ein, 65 Prozent sind Ebenen, die mit Material bedeckt sind, in dem nach Ansicht der Wissenschaftler organische Stoffe vorhanden sein könnten.

    Mikrobielles Leben möglich?

    Die klimatischen Bedingungen auf dem Planeten lassen die Existenz bestimmter Formen des mikrobiellen Lebens zu. Der Raumflugkörper „Dragonfly“, den die NASA 2026 zum Saturnmond Titan entsenden will, soll sich auf die Suche danach begeben.

    ek/mt/sna

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    Tags:
    Leben, Stickstoff, Atmosphäre, Raumsonde Cassini, NASA, Karte, "Nature Astronomy", Erde, Saturn, Titan