20:34 14 Dezember 2019
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    Robotermassagen, Handy-Blutanalysen und die Therapie aus der Datenbank – Medica 2019

    Robotermassagen, Handy-Blutanalysen und die Therapie aus der Datenbank – Medica 2019

    © Foto : Messe Düsseldorf, Constanze Tillmann
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    Roboter, Gesundheits-Anwendungen und Therapien aus der Cloud erobern die Medizin. Roboter können heute schon Massagen durchführen und alte Menschen pflegen. Das Handy wird schnell mal zum Bluttester und aus der Cloud kommt die richtige Therapie. Das ist das Bild, dass die Medizinmesse Medica 2019 anhand neuster Entwicklungen erweckt.

    Roboter, die den Chirurgen unterstützen, Geräte, die den Gesundheitszustand erfassen und individuelle Therapien entwerfen und dahinter das Wirken künstlicher Intelligenz – die Medica 2019 hat einiges zu bieten. Die jährlich stattfindende international größte Medizin-Messe, die derzeit auf dem Düsseldorfer Messegelände stattfindet, versammelt alle Neuheiten aus dem Bereich der Medizin und Medizintechnik.

    „Wir können derzeit drei große Trends erkennen, die in den nächsten Monaten und Jahren die Medizin und Medizintechnik beherrschen“, erzählt Martin Koch, Pressesprecher der Medica, im Sputnik-Interview.

    Die drei Trends lauten: „Mobile Health“ (zu Deutsch etwa mobile Gesundheit), Robotik und künstliche Intelligenz.

    Robotik: Wenn der Roboterarm zum Masseur wird

    Robotik im Medizinbereich ist etwas, das sich rasant entwickelt“, betont Koch. Ein Beispiel: „Es gibt Forscherteams, die einen Roboterarm so programmiert haben, dass damit individuelle Rückmassagen möglich sind.“ Der Roboter soll nicht einfach nach „Schema F“ jeden Rücken gleich bearbeiten, sondern imstande sein Verspannungen in der Muskulatur zu erkennen und den Druck darauf auszurichten. Den Masseur kann diese Technologie sicher bald entlasten, für den Privathaushalt dürfte der Roboterarm mit 2500 Euro Anschaffungskosten bislang allerdings zu teuer sein.

    Roboterarme sollen heute bereits Verspannungen erkennen und den Druck daran anpassen können
    © Foto : Messe Düsseldorf, Constanze Tillmann
    Roboterarme sollen heute bereits Verspannungen erkennen und den Druck daran anpassen können

    Daneben gebe es auch viele Entwicklungen für die Unterstützung von Chirurgen bei Operationen. Entscheidend scheint hier das Wort Unterstützung zu sein, denn die Entscheidungen des Arztes sollen Maschinen nicht ersetzen, nicht zuletzt auch wegen der Frage, wer beim Irrtum dann für die Schädigung des Patienten verantwortlich ist. Schließlich gebe es auch etlich Mobilitäts- und Alltagshelfer. „Auf der Medica wurde ein Roboter vorgestellt, der in einigen Wochen schon in Seniorenheimen Senioren und pflegebedürftige Menschen im Alltag unterstützen könnte“, so Koch.

    Eine analoge Entwicklung für das Training der Tiefenmuskulatur ist das „Yogaboard“ aus Holz
    © Foto : Messe Düsseldorf, Constanze Tillmann
    Eine analoge Entwicklung für das Training der Tiefenmuskulatur ist das „Yogaboard“ aus Holz

    Aber nicht nur digitale, sondern auch analoge Entwicklungen finden auf der Medica eine Plattform. Dazu gehört etwa das neue „Yogaboard“, das wie ein Surfbrett aussieht und zu einem Gefühl von Wasser an Land verhilft. Durch das Balancetraining auf dem Brett soll eine Tiefenstimulation der Muskulatur erfolgen und dadurch Muskelproblemen vorgebeugt werden.

    Haltungsfehler führen bei Bürotätigkeiten oft zu starken Rückenschmerzen. Ein Haltungssensor soll dem Nutzer mitteilen, wenn er schief sitzt
    © Foto : Messe Düsseldorf, Constanze Tillmann
    Haltungsfehler führen bei Bürotätigkeiten oft zu starken Rückenschmerzen. Ein Haltungssensor soll dem Nutzer mitteilen, wenn er schief sitzt

    Digital Health: Blutanalyse per Handy

    Chips und Funkmodule werden täglich kleiner und leistungsfähiger. Der Trend, von dem Smartphone & Co. profitieren, wird zunehmend auch von der Medizin ins Visier genommen:

    „Da gibt es eine Reihe von neuen Anwendungen zum Beispiel zur einfachen Auswertung von Körperdaten, die so aufbereitet werden, dass es der Patient selbst gut verstehen kann oder die Eltern“, erläutert der Pressesprecher. „Eine Neuheit auf der Medica ist zum Beispiel ein schnurloses Stethoskop, bei dem Eltern ganz unkompliziert bei Erkältungen oder einem kräftigen Husten einfach ihr Kind abhorchen können.“

    In der App werde dann der Stand der Krankheit abgebildet und bei einem kritischen Zustand auch die Bitte ausgesprochen, einen Arzt aufzusuchen. Zudem erlaube es eine neue Funktion, „vollautomatisch eine Information an einen in der App hinterlegten Arzt“ abzusenden.

    Das ist nur ein Anwendungsbeispiel unter vielen, denn es gebe auch Diabetes-Anwendungen, schnelle Blutanalysen, Messungen von Körperparameter, Krankheitsparameter und vieles mehr, die der Patient künftig selbst durchführen könnte. Diese könnten dann über den Mobilfunk „in eine sichere Cloud“ übermittelt werden, so Koch.

    Wie sicher sind Patientendaten in der Cloud?

    Bei der Frage nach der Sicherheit der Datenspeicherung und -verarbeitung bewegt man sich bereits im dritten großen Trend der Medica 2019: künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen. Denn das Versprechen von „individualisierten Behandlungen“, das heißt Behandlungen, die auf den Einzelpatienten ausgerichtet sind und nicht ein allgemeines Therapieschema über ihn legen, ist verlockend. Aber zugleich sollte weder die Entwicklung zum gläsernen Bürger so angestoßen werden, noch sollten persönliche Daten bei Hackerangriffen gestohlen werden können.

    Gesundheitstracker sind heute sehr beliebt, doch viele Anbieter bereichern sich bislang am Verkauf persönlicher Daten der Nutzer
    © Foto : Messe Düsseldorf, Constanze Tillmann
    Gesundheitstracker sind heute sehr beliebt, doch viele Anbieter bereichern sich bislang am Verkauf persönlicher Daten der Nutzer

    Hierfür gebe es eine Reihe von Fachforen auf der Medica, die sich mit beiden Fragen beschäftigen: „Welche Daten sind relevant aus einem riesigen Datenvolumen? Wie kann man die richtigen Daten herausziehen? Wie kann man sie sicher in Clouds verarbeiten? Oder wie kann man Fake Data, auf Basis von echten Patientendaten, so umwandeln, dass man Datenmuster hat, die letztlich dem Verhalten, Krankheitsmuster echter Patienten entsprechen, aber so anonymisiert sind, dass man überhaupt keine Rückschlüsse mehr auf den einzelnen Patienten namentlich und in seiner Person schließen kann“, so Koch.

    Das Interview mit Martin Koch zum Nachhören:

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    Tags:
    künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Apps, Medizin