07:10 06 Dezember 2019
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    US-Ärzte versetzen Patienten erstmals in Scheintod-Zustand

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    Ein Ärzteteam von der University of Maryland hat einen Menschen erfolgreich in den Anabiose-Zustand versetzt. Darüber berichtet die populärwissenschaftliche Zeitschrift „New Scientist“. Die Technik kann die Behandlung von Verletzungen möglich machen, die sonst zum Tod des Patienten geführt hätten.

    Demnach wird ein Menschenkörper schnell auf etwa zehn bis 15 Grad Celsius abgekühlt, indem sein gesamtes Blut durch eiskalte Kochsalzlösung ersetzt wird. Die Gehirnaktivität des Patienten wird fast vollständig gestoppt.

    Bei normaler Körpertemperatur müssen die Zellen des Körpers ständig mit Sauerstoff versorgt werden, um Energie zu produzieren. Wenn das Herz aufhört zu schlagen, trägt das Blut keinen Sauerstoff mehr zu den Zellen. Ohne Sauerstoff kann das Gehirn eines Menschen lediglich fünf Minuten überleben, bevor es zu unumkehrbaren Schäden kommt. Dieses Problem wollen die Forscher durch die Abkühlung lösen. Die Senkung der Temperatur von Körper und Gehirn verlangsamt oder stoppt alle chemischen Reaktionen in den Zellen, die nun weniger Sauerstoff benötigen.

    Nach der Abkühlung werde der Patient dann in einen Operationssaal gebracht, wo notwendige ärztliche Eingriffe vorgenommen werden sollen. Das Ärzteteam habe zwei Stunden Zeit, um die Verletzungen des Patienten zu beheben, bevor er wieder aufgewärmt und sein Herz neu gestartet werde.

    Laut Samuel Tisherman von der University of Maryland konnte sein Ärzteteam mindestens einen Patienten in einen Scheintodeszustand zu bringen. Wie viele Menschen mithilfe dieser Methode überleben konnten, wollte er jedoch nicht verraten.

    Die Methode, die offiziell Notfallkonservierung und Reanimation (EPR) genannt werde, werde bei Menschen angewendet, die mit akuten Traumata, wie einem Schuss oder einer Stichwunde, ins Medizinische Zentrum der University of Maryland gebracht würden und einen Herzstillstand hätten. Üblicherweise hätten sie mehr als die Hälfte ihres Blutes verloren. In derartigen Fällen hätten die Ärzte nur wenige Minuten Zeit, um den Patienten zu retten. Die Überlebenschancen für solche Patienten würden normalerweise weniger als fünf Prozent betragen.

    Die EPR-Methode könne einen Durchbruch in der Medizin bedeuten, da Ärzte oftmals nicht die Zeit hätten, um die nötigen Behandlungen bei Menschen durchzuführen, die lebensgefährliche Verletzungen erlitten hätten.

    Laut dem „New Scientist“ hatten Tierversuche gezeigt, dass sich Schweine mit einem akuten Trauma drei Stunden lang in einem solchen „abgekühlten“ Zustand befinden könnten, in dem sie operiert und wiederbelebt werden könnten.

    „Wir fühlten, dass es an der Zeit ist, das mit unseren Patienten zu tun“, sagte Tisherman. „Jetzt tun wir es und lernen viel, während wir mit der Studie fortschreiten. Sobald wir beweisen können, dass es hier funktioniert, können wir den Nutzen dieser Technik erweitern, um Patienten zu helfen, zu überleben, die sonst nicht überleben würden“, zitiert die Zeitschrift den Forscher.

    asch/ae

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    Tags:
    Blut, Abkühlung, Ärzte, Medizin, USA