14:35 14 Dezember 2019
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    Schlechte Träume können Vorteile haben – Forscher erläutern

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    Laut Forschern der Universität und den Universitätsspitälern Genf (HUG) können beängstigende Träume einen durchaus positiven Effekt haben. Sie härten womöglich die Träumenden für negative Erlebnisse im realen Leben ab. Die Ergebnisse ihrer Studie sind im Fachblatt „Human Brain Mapping“ veröffentlicht worden.

    Demnach sind bei beängstigenden Träumen ähnliche Hirnregionen aktiv wie bei Angst im wachen Zustand. Die Forscher halten es für möglich, dass schlechte Träume sogar helfen können, Ängste im Wachsein besser zu kontrollieren.

    Zunächst hätten die Fachleute die Hirnaktivität von 18 Probanden beim Schlafen aufgezeichnet. Dazu trugen die Testpersonen Kappen mit 256 Elektroden, die ein sogenanntes Elektroenzephalogramm (EEG) aufzeichneten. Während der Nacht weckten die Forschenden die Probanden mehrfach und befragten sie zu ihren Träumen.

    Anhand ihrer Aussagen identifizierten die Wissenschaftler zwei Hirnareale, die insbesondere mit beängstigenden Träumen zusammenhängen: die sogenannte Inselrinde und den Gyrus cinguli. Im Wachzustand – und den neuen Ergebnissen zufolge offenbar gleichermaßen im Traum – spielt die Inselrinde eine Rolle bei der Bewertung von Emotionen, der Gyrus cinguli beim Vorbereiten motorischer Reaktionen auf eine Bedrohung.

    Angstträume härten ab

    In einem nächsten Schritt untersuchten die Wissenschaftler, ob sich das Erleben von Angst im Traum auf die Gefühlsregungen der Probanden im Wachsein auswirkte. Dafür ließen sie 89 Probanden eine Woche lang ein Traum-Tagebuch führen und die Art ihrer Träume nach dem Aufwachen festlegen.

    Anschließend maßen sie die Hirnaktivität der Probanden mittels Magnetresonanztomografie, während sie ihnen beängstigende Bilder, beispielsweise von gewalttätigen Übergriffen, zeigten. Der Fokus lag dabei auf Hirnarealen, die an der Verarbeitung von Emotionen beteiligt sind, wie die Inselrinde, die Amygdala, der mediale präfrontale Cortex und der Gyrus cinguli.

    Tatsächlich stellten die Forscher fest, dass Inselrinde, Gyrus cinguli und Amygdala umso weniger auf die beunruhigenden Bilder reagierten, je schlechter die jeweilige Person in der Woche zuvor geträumt hatte. Der mediale präfrontale Cortex hingegen, der die Angstreaktion der Amygdala hemmt, war umso aktiver.

    Fachleute ziehen neue Therapie-Art in Betracht

    „Zum ersten Mal ermittelten wir die neuronalen Korrelate von Angst in einem Traum und zeigten, dass die gleichen Teile des Gehirns aktiv werden, wenn Angst im Wachsein und in einem Traum verspürt wird“, sagte Lampros Perogamvros von der Genfer Universität.

    Träume könnten als wahre Trainingsinstrumente für die zukünftigen Reaktionen eines Menschen angesehen werden und ihn potenziell auf eine mögliche Gefahr vorbereiten, resümierte der Wissenschaftler.

    Die Forscher an der Universität Genf wollen nun eine mögliche neue Art der Therapie untersuchen, die eine Behandlung der Patienten mit Angstzuständen mithilfe von Träumen vorsieht.

    pd/sb/

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    Behandlung, Realität, Leben, Erwachen, Angst, Genf, Forscher, Träume