15:20 14 Dezember 2019
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    Der britische Informatiker Tim Berners-Lee (Archivbild)

    „Vater des Internets“ Tim Berners-Lee: So will er sein „Baby“ retten

    © AP Photo / Fabrice Coffrini
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    Der „Vater des World Wide Web“ Tim Berners-Lee ist enttäuscht über den Zustand des Internets. Mit seinem „Contract for the Web“ will er das Netz retten. Der Vertrag beinhaltet neun Regeln für Unternehmen, Staaten und Bürger. Facebook, Google und Microsoft sowie die Regierungen von Deutschland, Frankreich und Ghana unterstützen den Plan.

    „Als ich das Netz erfunden habe, wollte ich einen Raum für alle Menschen schaffen, der dazu beiträgt, Grenzen zu überwinden und unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen“, sagte Tim Berners-Lee bei der Präsentation seines „Contract for the Web“ in Berlin.

    Die Gefahren des Internet

    Der Erfinder von HTML und Begründer des World Wide Web hob auch die positiven Entwicklungen, zu denen das Netz in den vergangenen Jahrzehnten beigetragen habe, hervor:

    „Es hat wissenschaftlichen Fortschritt ermöglicht, Milliarden Menschen vernetzt und ihnen eine Stimme gegeben.“ Berners-Lee warnt aber auch vor großen Gefahren, die seine Schöpfung hervorbringen könnte: „Wenn wir jetzt nicht handeln, dann droht das Potenzial, ins Gegenteil umzuschlagen. Dann spaltet das Netz, statt Menschen zu verbinden, dann riskieren wir eine digitale Dystopie.“

    Ein Vertrag für das Internet

    Um das zu ändern hatte Berners-Lee seine Non-Profit-Organisation World Wide Web Foundation gegründet. Am vergangenen Montag hat er dann den „Contract for the Web“ auf der Konferenz „Internet Governance Forum“ vorgestellt:

    „Der heutige Tag ist ein Meilenstein, weil wir die erste Version des Vertrags veröffentlichen.“

    ​Laut der World Wide Web Foundation seien die guten Seiten des Internets noch nie so sehr bedroht gewesen wie jetzt. Insbesondere Hassrede und Fake News seien Dinge, die unbedingt geändert werden müssten. Auch bei politischer Werbung in sozialen Medien bestehe Handlungsbedarf. Um dem zu begegnen, enthält der „Contract for the Web“ neun Richtlinien, die in 76 Klauseln unterteilt sein sollen und dazu beitragen sollen, „dass das Netz den Menschen dient“, wie es Berners-Lee ausdrückt.

    Kann Selbstverpflichtung helfen?

    Jeweils drei Regeln richten sich an Regierungen, Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger: Staaten sollen sicherstellen, dass alle Menschen Zugang zum Internet haben, Netzsperren verhindern und sich für Datenschutz und digitale Grundrechte einsetzen. Unternehmen werden verpflichtet, das Netz für alle Gruppen und Minderheiten zu öffnen, Privatsphäre und Menschenrechte zu respektieren und offene Technologien zu entwickeln, die Nutzer statt Profit in den Vordergrund stellen.

    Die Tech-Riesen Facebook, Google und Microsoft haben ihre Unterstützung schon zugesagt. Insgesamt mehr als 160 Organisationen sowie Länder wie Frankreich, Deutschland und Ghana sind an Bord.

    „Wir erwarten keine Änderungen über Nacht“, lenkt Berners-Lee ein, aber um sicherzustellen, dass der Vertrag mehr ist als eine leere Absichtserklärung, soll regelmäßig überprüft werden, ob sich die Unterzeichner an das halten, was sie versprochen haben. Ob das bei den Datensammlern Facebook und Google der Fall sein wird, wird sich zeigen. Berners-Lee sagte in Berlin:

    „Vor 30 Jahren änderte sich in dieser Stadt die Geschichte. In 30 Jahren werden wir daran gemessen werden, was wir heute tun.“

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