07:35 24 Januar 2020
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    Forscher haben einem Plastikhasen DNA eingepflanzt und ihn mehrfach geklont. Das zeigt: in Erbgut lassen sich nicht nur Baupläne für Lebewesen speichern, sondern auch große Mengen anderer Daten. So lassen sich Produkte mit Daten verbinden.

    „Ein 3D-gedruckter Hase wird über ein digitales File, dass in den Drucker geht, gedruckt“, berichtet Robert Grass von der ETH Zürich im Sputnik-Interview. „Dieses digitale File haben wir in DNA übersetzt und diese DNA in den Hasen hineingegeben. So enthält der Hase seine eigene Bauanleitung als DNA und kann kopiert, eigentlich geklont, werden“.

    Die Technik ermögliche es, Objekte auch nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten wiederherzustellen, auch wenn die Originalbauanleitung längst nicht mehr existiere, erklärt Robert Grass von der ETH Zürich. Der Hase diene dabei lediglich als Beispiel. Grundsätzlich lasse sich die Technik in einer Vielzahl von Materialien nutzen, sogar in Flüssigkeiten, berichten die Forscher im Fachblatt „Nature Biotechnology".

    „DNA hat ein paar Besonderheiten“, erklärt Grass. „Hier nutzen wir aus, dass DNA als Datenspeicher eigentlich jede Form annehmen kann. Eine Festplatte muss ausschauen wie eine Festplatte, eine CD-ROM wie eine CD-ROM, alle anderen Datenspeicher haben also eine bestimmte Form, damit sie wieder ausgelesen werden können. DNA hat als Speichermedium keine vorausgesetzte Form. Wir können Objekte daraus schaffen, die irgendeine Form haben. Es kann also ausschauen wie ein Hase, oder ein Brillenglas, dem man nicht ansieht, dass es ein Speicher ist.“

    Wahrscheinlich könnten Datenpakete auch in menschlichem Gewebe gespeichert werden. Ähnlich wie ein Chip unter der Haut, ließen sich damit Informationen im Körper transportieren. Die Forscher hätten zwar gezeigt, dass man Daten in Bakterien speichern kann, aber ihnen gehe es um eine rein technische Anwendung: Wir geben Objekten die Möglichkeit, ihre Daten zu beinhalten.

    Die Technik könnte genutzt werden könnte, um geheime Informationen durch Flughafenkontrollen zu transportieren, oder um Baumaterialien zu kennzeichnen und so Jahre später noch ermitteln zu können, von welchem Hersteller sie stammen. Auch Informationen zu Medikamenten könnten in den Pillen selbst gespeichert werden. Grass erläutert:

    „Wir können Produkte mit Daten wirklich verbinden. Daten, die relevant für das Produkt sind, kann man im Produkt selber speichern, so hat man garantiert, dass die Daten nie verloren gehen. Wir haben ja immer wieder mal Produkte, von denen man vielleicht einmal die Bedienungsanleitung verlegt haben, oder sie im Internet nicht mehr finden. Es wäre ja vorteilhaft, wenn man aus dem Produkt selber die Bedienungsanleitung wieder herauslesen kann. Das sind Sachen, die wir uns vorstellen“.

    Noch ist die Technik zu teuer und zu umständlich, um sie im Alltag zu nutzen. Der DNA-Speicher für den Hasen kostet die Forscher umgerechnet gut 1800 Euro. Der größte Teil entfällt dabei auf die Produktion der passenden DNA-Moleküle. Außerdem lässt sich der Speicher nur mit recht teuren Maschinen auslesen.

    Das komplette Interview mit Prof. Robert Grass zum Nachhören:

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    Tags:
    Klonen, DNA, 3D-Drucker, Eidgenössisch-Technische Hochschule (ETH) Zürich