18:51 18 Januar 2020
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    Kindern Spielzeuge und Süßigkeiten zu schenken, gilt zu Weihnachten als übliche Praxis. Dieses Vorgehen wird aber aus wissenschaftlicher Sicht hinterfragt. Eine Alternative schlägt Entwicklungsforscher Gerald Hüther im Gespräch mit der dpa am Freitag vor. 

    Statt materieller Geschenke empfiehlt der frühere Professor für Neurobiologie der Universität Göttingen, den Kindern Zeit und gemeinsame Erfahrungen zu schenken. Es habe sich gezeigt, dass Erfahrungen für die Gehirnentwicklung von Kindern maßgeblich seien.

    „Diese Erfahrungen werden in Form von Netzwerkstrukturen im Hirn verankert.“ Es gelte, Kinder so zu begleiten, dass möglichst viele dieser Strukturen angelegt würden.

    Ersatzbefriedigungen und Objektifizierung

    Legten Erwachsene jedoch früh einen Fokus auf Materielles, werde der angeborene offene Blick der Kinder verengt: „Das ganze Denken, Fühlen und Handeln dreht sich dann nur noch darum, was man alles bekommt und was man sich beschaffen kann.“ Durch Besitz glücklich zu werden, sei jedoch ein Irrglaube – und Konsum meist eine Ersatzbefriedigung.

    Außerdem kritisierte Hüther, Erwachsene seien sich oft der Absichten hinter ihren Geschenken nicht bewusst. Kinder würden etwa mit pädagogisch wertvollem Spielzeug zum Objekt eigener Erwartungen und Vorstellungen gemacht: Der Schenkende will zum Beispiel erreichen, dass das Kind sich mit einem bestimmten Thema beschäftigt. Oder er will eher sich selbst eine Freude bereiten.

    Aus Sicht Hüthers ist es für Kinder schädlich, auf diese Weise zum Objekt gemacht zu werden: Grundbedürfnisse nach Geborgenheit und nach autonomen Entscheidungen würden dadurch verletzt.

    Fragwürdige Verführungen

    In seinem Buch „Was schenken wir unseren Kindern“ bezeichnet Hüther die meisten materiellen Geschenke als „fragwürdige Verführungen“, die Kindern die Kraft raubten, ihre Begabungen zu entfalten. Ein Anlass zum Schreiben sei auch der Klimawandel gewesen, der durch Konsum befeuert werde, sagt Hüther. „Es ist Zeit umzudenken.“

    Als Beispiel für ein besonderes Geschenk führt Hüther ein Erlebnis aus der eigenen Kindheit an: Sein Onkel habe ihm auf einer Wiese Schritt für Schritt gezeigt, wie man Feuer macht. „Dann hat er mich das anzünden lassen, nicht ohne vorher noch einen Eimer Wasser zum Löschen bereitzustellen.“

    Das heißt aber nicht, dass Eltern auf einen Schlag aufhören sollten, ihren Kindern materielle Geschenke zu machen, man sollte jedoch seine Geschenkstrategie überdenken. Ein sinnvolles Geschenk wäre laut Hüther zum Beispiel ein Gutschein für einen gemeinsamen Radausflug im Frühling.

    msch/mt/dpa

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    Tags:
    Kinder, Geschenke, Kindererziehung, Erziehung, Weihnachten