02:56 12 August 2020
SNA Radio
    Wissen
    Zum Kurzlink
    Von
    52211
    Abonnieren

    Forscher haben in den vergangenen Jahren mehrere sensationelle Entdeckungen in Jakutien gemacht: Der Dauerfrostboden der nordöstlichen russischen Teilrepublik scheint dutzende tausend Jahre alte Tiermumien so gut aufzubewahren, als ob sie erst gestern verendet wären.

    Vor kurzem ist ein weiterer Versuch, die DNA von Überresten eines prähistorischen Tieres zu entschlüsseln, gescheitert. Schwedische Paläontologen, die das Genom eines Welpen erforschten, der in Jakutien entdeckt wurde und offenbar ganze 18 000 Jahre im Dauerfrostboden verbrachte, konnten nicht bestimmen, ob es sich um einen Hund oder einen Wolf handelt. Demnächst sollen auch die Proben flüssigen Blutes aus dem Herzen eines Pferdes erforscht werden, das 42.000 Jahre im Dauerfrostboden lag. Zudem verfügen die Spezialisten über Strukturen mit Elementen kernhaltigen Eiweißes, die in den Zellen der Mumie des Mammut-Babys Yuka entdeckt wurden. Welche weiteren in Jakutien entdeckten Lebewesen aus ferner Vergangenheit DNA-Spuren haben könnten, erfahren Sie in diesem Artikel.

    Lebendige Zellen von Mammutkälbern?

    Das erste eingefrorene Mammut wurde bereits 1799 in Jakutien entdeckt. Damals stieß eine Ewenken-Gemeinde im Fluss Lena auf die Mumie eines Wollhaarmammuts, das im Dauerfrostboden eingeschlossen war. 1803 löste sich die Eismumie vollständig aus dem Boden. Die Ewenken schnitten ihre Stoßzähne ab und verkauften sie an den jakutischen Kaufmann Roman Boltunow. Von seinem Fund berichtete der Kaufmann dem Zoologen Michail Adams, der die verbliebenen Überreste (zum damaligen Zeitpunkt gab es nur das Skelett mit großen Hautfetzen, zwei Beine und ein Auge) in die Sankt Petersburger Kunstkammer brachte.

    Das in Jakutien entdeckte Mammut-Baby Yura
    © Sputnik / Witalij Ankow
    Das in Jakutien entdeckte Mammut-Baby Yura

    Seit dieser Zeit wurden weltweit Dutzende solche Funde gemacht. Am besten erhalten geblieben ist die Mumie eines jungen weiblichen Mammuthus primigenius, das vor rund 28.000 Jahren lebte. Sie wurde 2011 an der südlichen Küste der Laptewsee in Jakutien entdeckt und wurde Yuka genannt. Das Tier war 165 Zentimeter groß, der ganze Körper etwas mehr als zwei Meter lang, mit rotem Fell. Der Körper, das Weichgewebe und sogar das Gehirn waren von der Verrottung fast nicht betroffen.

    Später fanden sich im Knochenmark und Weichgewebe des Yuka-Mammuts Strukturen mit Elementen kernhaltigen Eiweißes. Bei einer Analyse wurde festgestellt, dass die Kerne der Muskelzellen am besten erhalten geblieben sind. Forscher verpflanzten sie in die Eizellen von Mäusen; fünf von ihnen wiesen Merkmale biologischer Aktivitäten nach. Mit anderen Worten: In den Zellen wurden Reaktionen festgestellt, die gewöhnlich vor der Teilung vorkommen. Allerdings kam es nicht zur Teilung.

    Die Forscher hoffen, dass das Experiment wiederholt werden kann, wenn Zellkerne besserer Qualität entdeckt werden.

    Höhlenlöwen waren fleckig

    Vor einigen Dutzend Tausend Jahren wurde Jakutien von den großen Höhlenlöwen Panthera leo spelaea bewohnt. Sie waren rund 260 Kilogramm schwer und zwei Meter lang. Heute kann man ihr Äußeres nach vier gut erhalten gebliebenen Körpern von Löwenbabys beurteilen. Die ersten zwei – Überreste eines Männchens und Weibchens – wurden 2015 am Ufer des Flusses Ujandina entdeckt. Der dritte Körper wurde im September 2017 im Fluss Indigirka gefunden. 2018 wurde in der Nähe das vierte Löwenbaby entdeckt.

    Überreste eines Löwenbabys aus Jakutien
    Überreste eines Löwenbabys aus Jakutien

    In allen vier Fällen handelt es sich um ganz kleine Babys. Die Löwenbabys waren nur einige Tage alt, sie hatten noch keine Milchzähne. Sie lagen mehr als 47.000 Jahre im Boden, doch dank den niedrigen Temperaturen sind sogar ihre inneren Organe erhalten geblieben. Allerdings wurden in den Überresten keine Spuren von Muttermilch entdeckt, was bedeutet, dass die Löwin ihre Babys gleich nach ihrer Geburt verließ.

    Die Mumien aus dem Fluss Indigirka sind jeweils 43.000 und 28.000 Jahre alt. Sie starben im Alter von zwei bzw. drei Wochen. Darauf weisen nicht nur ihre Größe (sie waren anderthalbmal größer als die erste Mumie), sondern auch das dichtere Fell hin. Gerade diese Funde zogen einen Schlussstrich unter die ständigen Streitigkeiten über die Färbung von Panthera leo spelaea. Früher hieß es, dass die fleckigen Löwen, die in der Chauvet-Höhle in Frankreich dargestellt sind, nur der künstlerischen Freiheit des Urzeitmalers zu verdanken waren. Bei der 2017 entdeckten Löwenmumie war das Fell grau mit dunkleren Flecken, am Kopf gab es auch zahlreiche dunkle Flecken.

    Blut im Herz

    2018 wurde in Jakutien die Mumie eines Pferdes entdeckt, das 42.000 Jahre im Dauerfrostboden verbracht hatte. Nach Angaben der Forscher lebte das Baby rund zwei Wochen. In seinem Magen wurde viel Schmutz und Schlick entdeckt. Die Mischung fror schnell ein, weshalb der Körper so gut erhalten blieb.

    Die inneren Organe und das Weichgewebe waren von der Verrottung fast nicht betroffen – am Kopf, an den Beinen und teilweise am Körper gab es schwarzes Fell.

    Am erstaunlichsten war, dass die Wissenschaftler aus den Herzgefäßen Proben flüssigen Blutes nehmen konnten. Sie hoffen, lebensfähige Zellen daraus zu bekommen, die zur Enträtselung des Genoms und zum Klonen der ausgestorbenen Art genutzt werden können.

    Wolf oder Hund?

    Im jakutischen Dauerfrostboden wurden drei Mumien prähistorischer Hunde entdeckt. Zwei Funde stammen aus den Jahren 2011 und 2015 vom Ufer des Flusses Salach nahe des Dorfes Tumat. Das sind Babys eines Wurfes, die nicht länger als drei Monate lebten und wohl während eines Erdrutsches starben. Die Tiere lagen 12.500 Jahre im Dauerfrostboden und sind sehr gut erhalten. Bei einem wurde sogar ein fast komplett erhaltenes Gehirn entdeckt. Mit Kernspintomografie konnten Aufnahmen vom Zwischengehirn, Kleinhirn und Hypophyse gemacht werden.

    Mumie eines Welpen
    Mumie eines Welpen

    2018 entdeckten Einheimische in Jakutien im Boden die Mumie eines Welpen, der rund 18.000 Jahre alt ist. Nicht nur Fell, sondern auch Wimpern waren erhalten geblieben. Der Welpe war im Alter von weniger als zwei Monaten gestorben.

    Die Forscher konnten nach dem Äußeren nicht feststellen, was dieser prähistorische Welpe war – Wolf oder Hund. Bei der ersten Erforschung des Genoms durch Wissenschaftler des schwedischen Zentrums für Paläontologie wurde ebenfalls keine Antwort auf diese Frage gefunden.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Russlands Militär warnt USA: „Jede Rakete auf unser Territorium werten wir als Nuklear-Schlag“
    Ungeliebter Gastbeitrag: Der Sputnik-Impfstoff als lebensrettende globale Partnerschaft
    Impfstoff als populistische Maßnahme? Russische Fachkräfte reagieren auf mediale Kritik
    Tags:
    Mammut, Russland, Archäologie, Jakutien, Mumie