09:15 26 Januar 2020
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    Der Professor für Medizin Stephan Moll von der University of North Carolina in der US-Stadt Chapel Hill hat einem US-Astronauten ausgeholfen, als dieser an Bord der Internationalen Raumstation ISS ein Blutgerinnsel an der Halsvene erlitt. Details des Vorfalls gab Moll in einem auf der Webseite der Universität veröffentlichten Artikel bekannt.

    Aus Gründen des Schutzes der Privatsphäre werden weder der Name des Astronauten noch das genaue Datum des Zwischenfalls preisgegeben. Berichtet wird nur, dass der Mann zwei Monate seiner sechsmonatigen Mission an Bord der ISS verbracht hatte, als ein Blutpfropf in seiner Halsvene entdeckt wurde.

    Entdeckung dank Zufall

    Der Astronaut nahm dem Artikel zufolge an einer Studie teil, bei der die Umverteilung von Körperflüssigkeit unter Bedingungen der Schwerelosigkeit recherchiert wurde. Während einer Ultraschalluntersuchung des Nackens wurde bei dem Raumfahrer eine tiefe Venenthrombose festgestellt.

    Die US-Weltraumbehörde Nasa kontaktierte Moll. Der Thromboseexperte fragte, ob er nicht zur ISS fliegen könnte. Der Plan wurde aber verworfen. Die Therapie musste vom Boden aus erfolgen.

    Behandlung aus Hunderten Kilometern Entfernung

    Moll und ein Ärzteteam der Nasa entschieden sich, das Blutgerinnsel mit Blutverdünnern zu behandeln, die in der Bordapotheke der in rund 400 Kilometern Höhe um die Erde kreisenden Station in geringer Quantität vorhanden waren. Der Astronaut setzte sich täglich eine Injektion des Medikaments. Die Bestände reichten für 40 Tage aus.

    Am 43. Tag der Behandlung wurden von der Erde Tabletten geliefert, bei deren Auswählen Moll half. Die Behandlung dauerte mehr als 90 Tage. Während dieser Zeit führte der Raumfahrer Ultraschalluntersuchungen an seinem eigenen Hals unter Anleitung eines sich auf der Erde befindenden Radiologie-Teams aus und konsultierte Moll per E-Mails und Telefon.

    Die Thrombose verlief asymptomatisch. Hätte der Raumfahrer an der Recherche nicht teilgenommen, wäre der „Ausgang des Zwischenfalls ungewiss“, hieß es.

    Vier Tage vor der Reise zurück zur Erde wurden die Tabletten abgesetzt. Die Rückkehr von der ISS ist körperlich anstrengend und potenziell gefährlich. Die Ärzte wollten nicht, dass Blutverdünnungsmittel eine mögliche Verletzung verschlimmern.

    Thrombose-Problem könnte bei zukünftigen Mond- und Marsreisen auftreten

    Professor Moll berichtete über die erfolgreiche Behandlung in einer Studie, die unter Mitwirkung anderer Wissenschaftler erstellt und am 2. Januar im Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde. Angesichts der Zukunftspläne mit verlängerten Reiseaufenthalten im All bei Flügen zum Mond und zum Mars sollten die Fragen hinsichtlich erforderlicher Maßnahmen gegen tiefe Venenthrombosen bei Astronauten beantwortet werden, schreiben Moll und seine Kollegen.

    mo/mt

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    Tags:
    Astronauten, NASA, USA, ISS, Weltraum