22:14 04 August 2020
SNA Radio
    Wissen
    Zum Kurzlink
    12193
    Abonnieren

    Deutsche Wissenschaftler haben die Daten der „Rosetta“-Mission analysiert, die während der dichtesten Annäherung an den Kometen mittels Massenspektrometer gewonnen wurden, und Ammoniumsalze im Kometen 67P / Tschurjumow-Gerassimenko entdeckt. Die Ergebnisse sind im Fachmagazin „Nature Astronomy“ veröffentlicht worden.

    Die Tatsache, dass Stickstoff im Kometen in Form solcher Verbindungen vorliegt, erklärt laut dem Blatt, warum er zuvor in den Kometenkomas nicht nachgewiesen werden konnte.

    Die Mission der automatischen interplanetarischen Station „Rosetta“, die den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko untersucht hatte, endete vor mehr als drei Jahren, doch die Wissenschaftler analysieren weiterhin die Ergebnisse, die mithilfe der an Bord befindlichen Geräten erhalten worden waren.

    Mit der Datenverarbeitung eines von ihnen – des Massenspektrometers ROSINA (Rosetta Orbiter Spectrometer) für Ionen- und Neutralanalyse, das in der Berner Universität entwickelt und gebaut wurde, - befassen sich deutsche Wissenschaftler von derselben Universität unter der Leitung der Astrophysikerin Kathrin Altwegg.

    Substanzen aus der kalten Zone

    Knapp einen Monat vor Ende der Mission flog die Raumsonde unerwartet nahe an dem Kometen vorbei - nur 1,9 Kilometer entfernt – und durchquerte dabei die ihn umgebende Staubwolke. Dies führte zu einem direkten Aufprall von Staub auf die Ionenquelle des Massenspektrometers, der zwar die Funktionsfähigkeit des Geräts stark beeinträchtigte, aber den Wissenschaftlern die einzigartige Möglichkeit bot, Substanzen aus der kalten Zone in der Nähe des Kometenkörpers zu analysieren. Typischerweise setzen sich diese Verbindungen auf Staubpartikeln ab, ohne in das Kometenkoma zu fallen.

    Insbesondere stellten die Forscher fest, dass in der Nähe des Kometen die Mengen an Stickstoffverbindungen mit Wasserstoff - NH3 und HCN - stark zunahmen. Wissenschaftler wissen seit langem, dass sich Ammoniak bei niedrigen Temperaturen leicht mit vielen Säuren wie HCN, HNCO und HCOOH verbindet, die sich im interstellaren Medium sowie im Kometeneis befinden und Ammoniumsalze bilden. Es war jedoch noch nie möglich gewesen, einem Kometen so nahe zu kommen und die Zusammensetzung seiner kalten Zone zu analysieren. Und in der Gasphase sind Ammoniumsalze instabil. Außerdem wird ihr Infrarotsignal durch die Wärmestrahlung der OH-Gruppe blockiert.

    Einer der sechs "Bausteine" des Lebens

    Diese Entdeckung der Wissenschaftler erklärt die Tatsache, warum früher in Kometen sehr wenig Stickstoff gefunden wurde, der auf der Erde sehr verbreitet ist und einer der sechs „Bausteine“ des Lebens ist - jener Elemente, aus denen lebendige Organismen bestehen.

    „Wir haben beschlossen, dass das Auftreten von Ammoniak in den ROSINA-Daten auf Ammoniumsalze zurückzuführen ist", werden die Worte von Kathrin Altwegg in einer Pressemitteilung der Universität angeführt. „Ammoniak – wie auch Salz – hat eine viel höhere Verdunstungstemperatur als Eis und ist daher in der kalten Zone des Kometen präsent. Bisher war es unmöglich, diese Verbindungen durch Fernerkundung oder vor Ort zu messen.“

    „Bisher war das offensichtliche Stickstoffausbleiben in Kometen ein Rätsel. Unsere Studie zeigt, dass er in Form von Ammoniumsalzen vorliegt“, sagt eine der Mitautorinnen der Studie, die Chemikerin Nora Hänni. „Das ROSINA-Team hat Spuren von fünf verschiedenen Ammoniumsalzen gefunden: Chlorid, Cyanid, Cyanat, Formiat und Ammoniumacetat.“

    Zu den entdeckten Ammoniumsalzen gehören Verbindungen, die zur Bildung von Harnstoff, Aminosäuren, Adenin und Nukleotiden führen können.

    Haben Kometen zum Leben auf der Erde verholfen?

    „Dies ist natürlich ein weiterer Beweis dafür, dass das Erscheinen des Lebens auf der Erde auf die Einwirkung von Kometen zurückzuführen sein könnte“, bemerkt Altwegg.

    ek/mt/sna

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Gewaltige Explosion im Hafen von Beirut – Videos
    Nach Großdemos in Berlin: Steinmeier ermahnt das Volk, verstößt aber selbst gegen Corona-Regeln
    Mindestens 25 Tote nach Explosion in Beirut – Gouverneur zieht Vergleich mit Hiroshima
    Folgen der Riesenexplosion im Hafen von Beirut
    Tags:
    Stickstoff, Ammoniak, Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, "Nature Astronomy"