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    Coronavirus auf dem Vormarsch: Chronologie der Ausbreitung (86)
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    Chinesische Ärzte haben festgestellt, dass das in China entdeckte neue Coronavirus von Mensch zu Mensch übertragen wird. Russische Experten erläuterten im Interview mit Sputnik, wie gefährlich das ist und wie man sich schützen kann.

    Der Doktor der Medizin, Immunologe, und Spezialist für besonders gefährliche Infektionen Wladislaw Schemtschugow ist der Ansicht, dass die verfügbaren Daten große Sorgen bereiten.

    „Die Nachricht, dass das Virus bei Ärzten, die mit Patienten kontaktierten, und sogar in solchen Mengen gefunden wurde, zeugt davon, dass sich das Virus bis zur Epidemie ausbreiten könnte. Wenn es sich um eine Übertragung des Virus über die Luft durch Tröpfcheninfektion handelt, ist dies eine noch ernstere Situation. Ein solcher Infektionsweg führt zu einer raschen Ausbreitung. Daher denke ich, dass es Maßnahmen an den Grenzen geben wird. Es ist notwendig, schnell ein für das Virus spezifisches diagnostisches System zu erstellen, um dieses neue Virus spezifisch zu bestimmen. Und vielleicht geht es sogar um eine Quarantäne“, betonte der Experte.

    Der Biosicherheitsexperte Nikolai Durmanow erinnerte daran, dass dies das dritte Virus in den letzten zwanzig Jahren sei, das die Atemorgane angreife. Es habe seinen Namen wegen seiner Gestalt erhalten, die einer kronenartigen Muschel ähnele. Vom ersten SARS-Virus im Jahr 2002 seien 15 bis 20 Prozent der Infizierten gestorben, und vom zweiten, MERS, im Jahr 2012, bis zu 40 Prozent der Infizierten. Der von der WHO „neues Coronavirus“ - 2019-nCoV - genannte Erreger scheint laut Durmanow weniger gefährlich zu sein. Das neue Virus sei in Bezug auf die Mortalität  weniger aggressiv als die beiden vorherigen, was jedoch nicht bedeute, dass es weniger ansteckend sei. Millionen von Chinesen könnten es auf der ganzen Welt verbreiten – sie nehmen zurzeit Urlaub wegen des chinesischen Neujahrsfestes und sind auch interkontinental unterwegs.

    „Ich denke, dass keine Wärmebildkameras an Flughäfen mit einem solchen Zustrom fertig werden können. Unter diesen Chinesen sind viele Menschen aus der Stadt Wuhan, aus der das Coronavirus stammt. Es erwartet uns also ein ernsthafter Test. Es ist unwahrscheinlich, dass die chinesischen Behörden das Virus kontrollieren können, da seine Herkunft sowie seine Ausbreitung und Mutation nicht bekannt sind. Anscheinend kam es von Fledermäusen wie SARS zu uns. Obwohl es Fälle gibt, in denen die Viren Schrimps infizieren“, sagt der Experte.

    Das Coronavirus sei kein Retro-Virus, das in das menschliche Genom integriert werden könne. Es sei unwahrscheinlich, dass es sich insgeheim irgendwo absetzen und dann aktivieren könne. Aber wird man sich doch vor dem Virus schützen können?

    „Jetzt befassen sich damit die medizinischen Dienste der meisten Länder der Welt. Tipp: Waschen Sie sich häufiger die Hände, meiden Sie Orte, an denen sich viele Menschen aufhalten und an denen sie husten und niesen. Sonst kann noch nichts erfunden werden. Besonders vorsichtig muss man beim Auftreten von Fieber und Erkältungssymptomen sein. Natürlich ist es bei den ersten Symptomen besser, einen Arzt aufzusuchen. Masken sind in diesem Fall nicht sehr wirksam. Die Übertragung des Virus erfolgt häufiger über die Hände“, merkte der Biologe an.

    Der Professor für Virologie Alexander Tschepurnow, Spezialist am Forschungszentrum für Translationsmedizin, ist überzeugt, dass besondere Quarantänemaßnahmen nicht zu vermeiden seien.

    „Bisher sind epidemiologische Maßnahmen erforderlich, um sich zu schützen: eine vorübergehende Aussetzung der Lieferungen von Produkten aus China in andere Länder. Hier spielen Quarantänemaßnahmen eine wichtige Rolle. Dank ihnen konnte 2002 das Auftreten des Virus in Russland verhindert werden“, betont der russische Virusforscher.

    Die Tatsache, dass ein neuer Ausbruch in China stattfand, ist laut der einhelligen Meinung der befragten Wissenschaftler auf die klimatischen Bedingungen und die übermäßige Bevölkerungsdichte des Landes zurückzuführen. Die zunehmende Zahl von Menschen, die stärker gewordene Kommunikation, das Eindringen in große natürliche Gebiete sowie die Abschwächung des Immunstatus der gesamten Menschheit hätten dazu geführt, dass sich Krankheitserreger, die bisher nicht gefährlich gewesen seien, da sie sich außerhalb der geografischen Aktivität des Menschen befunden hätten, an den neuen Organismus anzupassen begännen und sich aggressiv betätigen würden. Die Wissenschaftler müssten nun herausfinden, wodurch das Eindringen des Coronavirus in den menschlichen Körper erleichtert worden sei.

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) untersucht, ob der Ausbruch einen internationalen Gesundheitsnotstand darstellt. Das würde schärfere Maßnahmen nach sich ziehen. Inzwischen hat sich das Coronavirus auch auf Städte wie Peking, Shanghai, Macau und Hongkong ausgebreitet. Dazu noch wurde erstmals ein Fall in den USA gemeldet. Es wurden auch Erkrankungen in Thailand, Südkorea, Japan und Taiwan festgestellt.

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    Tags:
    China, Coronavirus